Hornissen: Erkennen, Schutz und richtiges Verhalten 2026
Hornissen sind die größten heimischen Wespenarten und in Deutschland, Österreich und der Schweiz streng geschützt. Im Mai 2026 ist die Hornissensaison voll im Gange — Königinnen bauen neue Nester, und immer wieder gibt es Berichte über Sichtungen sowohl der heimischen Vespa crabro als auch der invasiven Asiatischen Hornisse Vespa velutina. Dieser Ratgeber erklärt, wie Sie Hornissen erkennen, wie gefährlich ihre Stiche wirklich sind, was bei einem Nest in der Nähe zu tun ist und warum diese Insekten so wichtig für unser Ökosystem sind.
Wie erkennt man eine Hornisse?
Die heimische Europäische Hornisse (Vespa crabro) ist mit 18–35 mm die größte Wespe Mitteleuropas. Königinnen werden bis zu 4 cm lang. Sie hat eine rötlich-braune Brust, einen schwarz-gelb gestreiften Hinterleib und ein rötlich-gelbes Gesicht. Charakteristisch ist das tiefe, brummende Fluggeräusch.
Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina nigrithorax) ist etwas kleiner (17–32 mm), insgesamt dunkler, mit fast schwarzem Brustbereich, einem überwiegend dunklen Hinterleib und auffällig gelben Beinspitzen. Sie wurde 2004 in Frankreich erstmals nachgewiesen und breitet sich seitdem rasch nach Norden aus. In Deutschland sind inzwischen Vorkommen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, NRW, Bayern und Niedersachsen bestätigt.
Verwechslungsgefahr
- Deutsche Wespe und Gemeine Wespe: deutlich kleiner (12–17 mm), heller gelb.
- Hornissenschwebfliege: harmlose Schwebfliege, ahmt die Hornisse nach, hat aber nur ein Flügelpaar und keine Wespentaille.
- Holzbiene: blau-schwarz mit violetten Flügeln, kein Wespenstreifenmuster.
Wie gefährlich sind Hornissenstiche?
Entgegen dem Mythos „Drei Stiche töten einen Menschen, sieben ein Pferd" ist das Gift der Hornisse für gesunde Erwachsene nicht giftiger als das einer normalen Wespe. Studien des Bundesnaturschutzes belegen, dass Hornissengift sogar etwas weniger toxisch ist als Bienen- oder Wespengift. Ein Stich ist jedoch schmerzhafter, weil der Stachel länger ist und mehr Gift in tiefere Hautschichten injiziert.
Wirklich gefährlich wird ein Stich bei:
- einer Allergie gegen Insektengift — Notfall (anaphylaktischer Schock möglich),
- Stichen in Mund- oder Rachenraum — kann zu lebensbedrohlicher Atemwegsschwellung führen,
- sehr vielen Stichen gleichzeitig (über 30 Stiche),
- Säuglingen, Kleinkindern und stark immungeschwächten Personen.
Was tun bei einem Hornissenstich?
- Ruhe bewahren — Hornissen stechen ohne Provokation kaum.
- Stichstelle kühlen (kaltes Wasser, Kühlpads, Eis im Tuch).
- Hitzestift (45 °C, ca. 5 Sekunden) zerstört Eiweißbestandteile des Giftes — wirksam in den ersten 1–2 Minuten.
- Antihistamin-Gel oder -Tabletten lindern Juckreiz.
- Bei Atemnot, Schwindel, Übelkeit oder Hautrötung am ganzen Körper sofort 112 wählen.
- Bei einem Stich im Mund: Eiswürfel lutschen und sofort zum Arzt.
Sind Hornissen streng geschützt?
Ja. Die Europäische Hornisse steht in Deutschland nach § 44 Bundesnaturschutzgesetz und der Bundesartenschutzverordnung unter besonderem Schutz. Das bedeutet konkret:
- Hornissen dürfen nicht getötet, verletzt oder gefangen werden.
- Nester dürfen nicht ohne behördliche Genehmigung entfernt werden.
- Verstöße können mit Bußgeldern bis zu 50.000 € geahndet werden.
Eine Umsiedlung ist möglich, wenn das Nest eine konkrete Gefahr darstellt (z. B. direkt am Eingang einer Kita). Genehmigung erteilt die untere Naturschutzbehörde; spezialisierte Hornissenberater oder Imker mit Genehmigung führen die Umsiedlung durch.
Die Asiatische Hornisse ist als invasive Art (EU-Verordnung 1143/2014) nicht geschützt. Nester müssen sogar gemeldet und durch Fachpersonal entfernt werden — bitte über die Meldeplattform Ihres Bundeslandes oder das Julius-Kühn-Institut.
Hornissennest entdeckt — was tun?
1. Abstand halten
Ein Sicherheitsabstand von 3–5 Metern reicht meist aus. Hornissen verteidigen ihr Nest nur, wenn sie ihn unterschreiten.
2. Bestimmen, um welche Art es sich handelt
Foto aus sicherer Entfernung mit Zoom. Heimische Hornisse (rötliche Brust, gelbes Gesicht) oder Asiatische Hornisse (schwarze Brust, gelbe Beinspitzen)?
3. Bei heimischer Hornisse: meist abwarten
Hornissenvölker leben nur eine Saison. Im Oktober/November stirbt das gesamte Volk ab, nur Jungköniginnen überwintern an anderen Orten. Im nächsten Jahr wird dasselbe Nest nicht wiederbesiedelt. Wer das Nest tolerieren kann, hilft dem Naturschutz erheblich.
4. Bei direkter Gefährdung: Fachmann rufen
Untere Naturschutzbehörde, Imker mit Hornissenkurs, NABU oder Feuerwehr. Eine Umsiedlung kostet je nach Aufwand 80–400 €. Selbstständig handeln ist verboten.
5. Bei Asiatischer Hornisse: melden
Verdacht auf Vespa velutina bitte unbedingt melden — entweder beim zuständigen Pflanzenschutzdienst, dem Landesamt für Naturschutz oder über das Portal asiatischehornisse.de.
Warum Hornissen wichtig sind
Eine einzige Hornissenkolonie vertilgt pro Tag bis zu 500 g Insekten — darunter Wespen, Fliegen, Mücken und Schädlinge. Über die gesamte Saison sind das mehrere Kilo. Hornissen sind damit ein natürlicher und sehr effektiver Schädlingsregulator. Sie bestäuben außerdem Pflanzen und sind Beutetiere für Vögel.
Die Asiatische Hornisse hingegen ernährt sich überwiegend von Honigbienen und stellt deshalb eine ernsthafte Bedrohung für die Imkerei dar.
So beugen Sie Konflikten mit Hornissen vor
- Speisen und Getränke im Freien abdecken — Hornissen werden weniger angelockt als Wespen, aber durchaus von zuckerhaltigen Stoffen.
- Strohhalm verwenden, damit Sie nicht versehentlich eine Hornisse verschlucken.
- Fliegengitter an Fenstern anbringen — Hornissen werden nachts vom Licht angezogen.
- Im Frühjahr Dachstühle, Schuppen und Vogelnistkästen überprüfen — eine Königin bestückt das Nest dann allein und reagiert besonders empfindlich.
- Bei Gartenarbeit in Nestnähe langsame Bewegungen, keine Erschütterungen, kein Anpusten der Insekten.
Lebenszyklus einer Hornissenkolonie
- April/Mai: Überwinterte Königin gründet allein das Nest und legt erste Eier.
- Juni: Erste Arbeiterinnen schlüpfen, übernehmen Nestbau und Pflege.
- Juli/August: Population wächst auf 100–700 Tiere, Nest erreicht oft 60 cm Durchmesser.
- September: Geschlechtstiere (Drohnen und Jungköniginnen) schlüpfen.
- Oktober/November: Volk stirbt ab. Jungköniginnen überwintern in Holz, Erde oder Gebäuderitzen.
Häufig gestellte Fragen
Sind Hornissen wirklich gefährlicher als Wespen?
Nein. Ihr Gift ist weniger toxisch als das einer Biene oder Wespe. Stiche sind aber spürbar schmerzhafter und können bei Allergikern lebensbedrohlich sein.
Was lockt Hornissen an?
Vor allem süße Lebensmittel, reifes Obst, zuckerhaltige Getränke und nachts auch Licht. Im Spätsommer steigt der Bedarf an Kohlenhydraten.
Darf ich ein Hornissennest selber entfernen?
Nein. Das ist gesetzlich verboten und kann mit hohen Bußgeldern bestraft werden. Nur die zuständige Behörde oder ein autorisierter Fachbetrieb darf umsiedeln.
Wie unterscheide ich die Asiatische Hornisse?
Dunklere Färbung, fast schwarze Brust, deutlich gelbe Beinspitzen und ein kürzerer Hinterleib. Die heimische Hornisse wirkt dagegen rötlich-braun und größer.
Was tun, wenn eine Hornisse in der Wohnung ist?
Fenster weit öffnen, Licht ausschalten, Tier mit einem Glas und Karton einfangen oder einfach von selbst hinausfliegen lassen. Nicht jagen und nicht mit Insektizid besprühen.
Werden Hornissen vom Sonnenuntergang angezogen?
Heimische Hornissen sind auch dämmerungs- und nachtaktiv und fliegen Lichter an. Schalten Sie nachts Außenlicht aus oder nutzen Sie warmweiße LEDs.
Wem melde ich eine Sichtung der Asiatischen Hornisse?
Über die Meldeportale des jeweiligen Bundeslandes, beim Pflanzenschutzdienst oder dem Julius-Kühn-Institut. Foto und genauer Fundort sind hilfreich.