Big Ben London: Geschichte, Tourismus und Besuchstipps
Kaum ein Bauwerk der Welt ist so unmittelbar erkennbar wie der Elizabeth Tower mit seiner berühmten Glocke Big Ben. Seit über 160 Jahren prägt das tiefe Schlagen dieser Glocke den Rhythmus Londons und der britischen Nation - und zieht jährlich Millionen von Touristen aus aller Welt an die Ufer der Themse. Doch was macht dieses Wahrzeichen so unwiderstehlich anziehend?

Geschichte und Entstehung des Elizabeth Towers
Die Geschichte des heutigen Turms beginnt mit einer Katastrophe. Im Oktober 1834 verwüstete ein verheerendes Feuer weite Teile des alten Palace of Westminster, des Parlamentsgebäudes am Themse-Ufer. Das Unglück bot die Gelegenheit für einen Neubau - und die britische Nation war entschlossen, ein Parlamentsgebäude zu errichten, das der aufstrebenden Weltmacht würdig sein sollte.
Den Wettbewerb für den Neubau gewann der Architekt Charles Barry mit einem Entwurf im neugotischen Stil. Die reich verzierten Details - Türmchen, Giebel, Maßwerk und Fenster im gotischen Spitzbogenstil - wurden von Augustus Welby Pugin entworfen, einem der führenden Vertreter der neugotischen Bewegung. Beide Männer lieferten gemeinsam eines der bedeutendsten architektonischen Werke des 19. Jahrhunderts.
Der Bau des Turms begann in den 1840er Jahren und der Elizabeth Tower - damals noch schlicht Clock Tower genannt - wurde 1858 fertiggestellt. Die gesamte Uhr ging im Jahr 1859 in Betrieb. Seit 2012 trägt der Turm den Namen Elizabeth Tower, zu Ehren von Königin Elisabeth II. anlässlich ihres Diamantenen Thronjubiläums nach 60 Jahren Regentschaft.
Die Glocke Big Ben - ein Name mit Geschichte
Was viele nicht wissen: „Big Ben" ist streng genommen nicht der Name des Turms, sondern der der großen Glocke im Inneren. Der Turm heißt Elizabeth Tower - oder früher Clock Tower. Big Ben ist die große Stundenglocke, die das berühmte Schlagen produziert, das weltweit als das Erkennungszeichen Londons gilt.
Über die Herkunft des Namens „Big Ben" gibt es zwei Theorien. Die bekanntere besagt, dass die Glocke nach Sir Benjamin Hall benannt wurde, dem damaligen Ersten Baukommissar, der für die Errichtung des Turms verantwortlich war. Eine andere Theorie sieht den Ursprung im Namen des schweren Preisboxers Benjamin Caunt, der in den 1850er Jahren berühmt war und „Big Ben" genannt wurde.
Die Geschichte der Glocke selbst ist von Pech geprägt. Die erste Glocke, 1856 gegossen, riss während der Testphase und musste eingeschmolzen werden. Die Ersatzglocke aus dem Jahr 1858 riss ebenfalls kurz nach Inbetriebnahme - nach nur zwei Monaten. Statt sie auszutauschen, drehte man die Glocke um 90 Grad, sodass der Hammer nicht mehr auf die gerissene Stelle traf. Diese gerissene Glocke schlägt bis heute, und ihr charakteristischer, leicht unreiner Klang ist das Ergebnis dieses alten Risses.
Architektur und Technik des Uhrenturms
Der Elizabeth Tower erhebt sich 96 Meter hoch über dem Boden und besteht aus Mauerwerk auf einem Betonsockel. Die Uhr selbst hat vier Zifferblätter, jedes mit einem Durchmesser von etwa 7 Metern. Die Zeiger sind aus verzinktem Gusseisen - der Minutenzeiger allein ist fast 4,3 Meter lang. Ursprünglich waren die Zifferblätter mit preußisch-blauem Email gefüllt, eine Farbe, die bei der umfangreichen Restaurierung 2017-2022 wiederhergestellt wurde.
Im Inneren des Turms befinden sich insgesamt fünf Glocken. Neben Big Ben, der großen Stundenglocke mit einem Gewicht von etwa 13,7 Tonnen, gibt es vier kleinere Glocken für das Viertelstunden-Glockenspiel (Westminster Chimes). Die Melodie dieses Glockenspiels ist weltberühmt und wurde von vielen Turmuhren weltweit übernommen.
Die Uhr läuft nach einem aufwendigen mechanischen Prinzip. Das Pendel ist 4 Meter lang und schwingt alle 2 Sekunden. Die Genauigkeit wird durch das Auflegen oder Entfernen alter Pennymünzen auf dem Pendelgewicht reguliert - eine der charmantesten Macken dieses viktorianischen Meisterwerks. Jede hinzugefügte Münze verändert die Ganggeschwindigkeit um etwa 0,4 Sekunden pro Tag.
Die große Restaurierung 2017-2022
Von 2017 bis 2022 war der Elizabeth Tower eingerüstet und einer der umfangreichsten Restaurierungen seiner Geschichte unterzogen worden. Für vier Jahre war das berühmte Schlagen von Big Ben fast vollständig verstummt - nur zu besonderen Anlässen wie Silvester und dem Remembrance Sunday läutete die Glocke während der Bauarbeiten noch.
Die Restaurierung umfasste die komplette Erneuerung der Zifferblätter in ihrer originalen preußisch-blauen Farbe, die Überarbeitung des Mauerwerks, die Restaurierung der Uhrwerks-Mechanik und die Modernisierung der inneren Einrichtungen. Außerdem wurde ein Aufzug eingebaut - zuvor musste man alle 334 Stufen zu Fuß erklimmen.
Im August 2022 wurde die Restaurierung abgeschlossen. Der Turm strahlte in neuem Glanz und die Glocke läutete wieder regelmäßig. Gleichzeitig wurde der Turm für geführte Besuchstouren geöffnet - eine Neuerung, die Big Ben für Touristen erstmals auf eine ganz neue Weise erlebbar machte.
Big Ben als Touristenattraktion
Schätzungsweise 15 Millionen Touristen besuchen jährlich den Bereich rund um den Palace of Westminster und den Elizabeth Tower. Der Turm ist zusammen mit der Westminster Bridge eine der meistfotografierten Locations in Europa. Von der Brücke aus bietet sich der klassische Blick auf den Turm mit der Themse im Vordergrund - ein Bild, das in Millionen von Reisefotografien und auf unzähligen Postkarten festgehalten ist.
Im Jahr 2026 bleibt Big Ben ein absolutes Muss für London-Besucher. Besonders im Frühling und Sommer, wenn die Temperaturen milde sind und die Londoner Platanen in frischem Grün leuchten, ist die Gegend um Westminster ein Magnet. US-Reisende stellen einen wachsenden Anteil der Besucher - das Wahrzeichen hat weltweit einen Bekanntheitsgrad, der selbst dem Eiffelturm Konkurrenz macht.
Der Standort ist besonders günstig für Touristen, da er unmittelbar an weiteren Highlights liegt. Westminster Abbey, wo britische Monarchen gekrönt werden, befindet sich in wenigen Gehminuten. Das London Eye, das große Riesenrad am Südthemse-Ufer, ist von der Westminster Bridge aus direkt sichtbar. Der St. James's Park bietet eine grüne Oase in unmittelbarer Nähe.
Die offizielle Big Ben Tower Tour
Seit der Wiedereröffnung nach der Restaurierung bietet das britische Parlament geführte Touren durch den Elizabeth Tower an. Diese Touren sind sehr begehrt und in der Hochsaison oft Monate im Voraus ausgebucht - für den Sommer 2026 sind viele Slots bereits seit März vergeben. Der Preis liegt bei rund 30 Pfund (etwa 35 Euro) pro Person.
Die Tour führt durch den gesamten Turm, einschließlich des Uhrwerks und des Glockenstuhls. Höhepunkt ist der Moment, wenn man direkt neben der großen Glocke steht - und wenn man Glück hat, erlebt man das berühmte Schlagen aus nächster Nähe. Die 334 Stufen bis zum Glockenstuhl sind dank des neuen Aufzugs nicht mehr die einzige Option, aber viele Besucher wählen bewusst den Treppenaufstieg für das vollständige Erlebnis.
Praktische Informationen für den Besuch
Auch ohne Turmtour lohnt sich ein Besuch am Elizabeth Tower. Die Westminster Station der Londoner U-Bahn liegt direkt am Fuß des Turms. Von der Westminster Bridge aus hat man den besten Blick auf den Turm mit der Themse im Vordergrund. Besonders stimmungsvoll ist der Anblick in der Dämmerung, wenn der Turm beleuchtet ist und die Themse das Licht reflektiert.
Big Ben und die britische Demokratie
Der Elizabeth Tower ist kein zufällig platziertes Wahrzeichen, sondern Teil des Palace of Westminster - des Sitzes des britischen Parlaments. Diese räumliche Verbindung ist symbolisch aufgeladen: Big Ben steht für die Verbindung von Zeitlichkeit und politischer Macht, von Ordnung und demokratischer Tradition. Das Glockenschlagen markiert den Rhythmus parlamentarischer Debatten und erinnert Abgeordnete und Besucher gleichermaßen daran, dass Zeit und Entscheidung untrennbar verbunden sind.
Die Lage am Nordufer der Themse, unmittelbar neben der Westminster Bridge, macht den Turm zu einem architektonischen Anker des politischen Londons. Auf der anderen Seite der Brücke beginnt das Lambeth auf der Südseite - mit dem Florence Nightingale Museum und dem Lambeth Palace, dem Amtssitz des Erzbischofs von Canterbury. Der Blick von der Brücke umfasst damit Fragmente britischer Geschichte in alle Richtungen.
Während des Zweiten Weltkriegs, als deutsche Bomben London in Trümmer legten, blieb Big Ben unbeschädigt - und sein regelmäßiges Schlagen wurde über BBC World Service weltweit ausgestrahlt, als Symbol der Standhaftigkeit Britanniens. In der Nacht des Angriffs auf das Parlamentsgebäude 1941, bei dem die Kammer des Unterhauses zerstört wurde, blieb der Turm mit seiner Uhr intakt. Dieser Umstand wurde von Churchill und der Kriegspropaganda als Zeichen der Unzerstörbarkeit britischer Institutionen genutzt.
Symbolik und kulturelle Bedeutung
Big Ben ist weit mehr als ein Wahrzeichen Londons - er ist ein globales Symbol für die britische Identität und Demokratie. Der Turm steht für Kontinuität und Beständigkeit in turbulenten Zeiten. Bis heute beginnen die Nachrichtsendungen der BBC mit dem Signal der Westminster Chimes. Das Glockenspiel ist so tief in der britischen und internationalen Kulturlandschaft verwurzelt, dass es auf Knopfdruck Bilder von London, Parlament und britischem Leben hervorruft. Kein anderes Klangsymbol ist so eindeutig einer einzigen Stadt zugeordnet.
In der Populärkultur ist Big Ben omnipräsent - von James-Bond-Filmen über Disney-Adaptionen bis zu Videospielen. Der Turm dient als Orientierungspunkt in unzähligen Filmen und Serien, die in London spielen. Wenn Regisseure London ins Bild setzen wollen, genügt oft ein einziger Blick auf den Elizabeth Tower. Besonders ikonisch ist die Szene in Peter Pan, in der die Kinder mit Tinkerbell um den Turm fliegen - ein Bild, das Generationen von Kindern weltweit geprägt hat.
Für deutsche Touristen ist Big Ben oft der erste und wichtigste Anlaufpunkt bei einem London-Besuch. Die Nähe zu Westminster und Whitehall, dem Regierungsviertel, macht einen Spaziergang durch diesen Teil der Stadt zu einer lebendigen Geschichtsstunde. Vom Tower über den Buckingham Palace bis zum Elizabeth Tower zieht sich ein Band historischer Stätten, das London einzigartig in Europa macht.
Rund um Big Ben - das touristische Umfeld 2026
Der Bereich rund um den Elizabeth Tower bietet weit mehr als nur das Wahrzeichen selbst. Der Palace of Westminster, das eigentliche Parlamentsgebäude, kann mit einer geführten Tour besichtigt werden. In der beeindruckenden Westminster Hall, dem ältesten Teil des Gebäudes aus dem Jahr 1097, liegen historische Persönlichkeiten wie Winston Churchill und Queen Elizabeth II. für einige Tage aufgebahrt, bevor ihre Staatsbegräbnisse stattfanden.
Westminster Abbey, nur wenige Schritte entfernt, ist eine der bedeutendsten Kirchen der Welt. Hier werden britische Monarchen seit 1066 gekrönt, und hier sind viele von ihnen sowie zahlreiche nationale Größen begraben - von Isaac Newton und Charles Darwin bis zu Geoffrey Chaucer und Charles Dickens. Der Eintrittspreis ist nicht gering, aber das Erlebnis ist außergewöhnlich.
Der St. James's Park, ebenfalls fußläufig erreichbar, bietet einen grünen Kontrast zur steingewordenen Geschichte des Westminster-Viertels. Im Sommer 2026 sind die Parkanlagen besonders attraktiv, und der Blick vom Park auf Buckingham Palace und das umliegende Gebäude ist ein ruhiger Gegenpol zum touristischen Trubel an der Westminster Bridge. Für Familien mit Kindern ist der Park mit seinem See und den Pelikanen ein willkommener Stopp.
Häufig gestellte Fragen
Was ist eigentlich Big Ben - der Turm oder die Glocke?
Streng genommen bezeichnet „Big Ben" nur die große Stundenglocke im Inneren des Turms. Der Turm selbst heißt Elizabeth Tower (seit 2012, vorher Clock Tower). Im allgemeinen Sprachgebrauch wird „Big Ben" heute aber für den gesamten Turm mit Uhr und Glocke verwendet, und diese Bedeutung ist weltweit verstanden und akzeptiert.
Warum ist Big Ben so bekannt bei Touristen?
Big Ben vereint mehrere Faktoren: ikonische Architektur, historische Bedeutung als Symbol der britischen Demokratie, zentrale Lage im Herzen Londons und globale mediale Präsenz durch Filme, Nachrichten und Popkultur. Das regelmäßige Glockenschlagen macht ihn außerdem zu einem sinnlichen Erlebnis - man hört Big Ben, bevor man ihn sieht.
Kann man den Elizabeth Tower besuchen?
Ja, seit der Restaurierung 2022 gibt es offizielle geführte Touren durch den Tower, organisiert vom britischen Parlament. Die Touren kosten rund 30 Pfund und müssen weit im Voraus gebucht werden, da die Kapazitäten begrenzt sind. Ohne Tour kann man den Turm von außen und von der Westminster Bridge aus besichtigen, was ebenfalls lohnend ist.
Wann wurde Big Ben gebaut?
Der Elizabeth Tower wurde zwischen den 1840er Jahren und 1858 erbaut. Die Uhr ging 1859 in Betrieb, ebenso die große Glocke Big Ben. Die Architekten Charles Barry (Gesamtplan) und Augustus Pugin (Dekoration) entwarfen das Gebäude im neugotischen Stil nach dem Brand des alten Parlamentsgebäudes 1834.
Warum hat Big Ben einen Riss?
Die heutige Glocke Big Ben riss kurz nach ihrer Inbetriebnahme 1859. Statt eine neue Glocke zu gießen, drehte man die Glocke um 90 Grad, sodass der Hammer auf eine unbeschädigte Stelle trifft. Der Riss ist bis heute vorhanden und verleiht Big Ben seinen charakteristischen, leicht unvollkommenen Klang - der ihn für viele noch authentischer macht.
Wie kommt man am besten zu Big Ben?
Die einfachste Möglichkeit ist die Londoner U-Bahn (Tube) bis zur Station Westminster (Circle, District und Jubilee Line) - der Ausgang führt direkt zum Fuß des Turms. Alternativ kann man mit der Themse-Fähre (River Bus) bis zur Westminster Pier fahren, was einen besonders malerischen Anblick des Turms vom Wasser aus bietet.
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