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Taifun Nina 1975: Ursachen der Katastrophe in China

Veröffentlicht 1. Mai 2025 Aktualisiert 15. Juni 2026

Taifun Nina
Taifun Nina · See file upload history for details. · Public domain · Wikimedia

Im August 1975 löste Taifun Nina eine der folgenreichsten Naturkatastrophen des 20. Jahrhunderts aus. Was als tropischer Wirbelsturm über dem Pazifik begann, wurde durch ein Zusammentreffen meteorologischer Extrembedingungen und gravierender Ingenieurfehler zur Ursache des schwersten Staudammbruchs der Weltgeschichte. In der chinesischen Provinz Henan brachen innerhalb weniger Stunden 62 Staudämme zusammen – darunter der Banqiao-Staudamm. Die Opferzahlen belaufen sich je nach Schätzung auf 85.000 bis über 230.000 Tote.

Meteorologische Entstehung und Verlauf von Taifun Nina

Taifun Nina entstand Ende Juli 1975 über dem westlichen Pazifik und zog in westlicher Richtung auf die chinesische Küste zu. Am 3. August 1975 traf er als Kategorie-3-Taifun auf Taiwan, wo er sich über dem Gebirge erheblich abschwächte. Als er kurz darauf auf das chinesische Festland traf, hatte er bereits den Status eines tropischen Sturms erreicht – er war schwächer, aber keineswegs harmlos.

Der entscheidende meteorologische Faktor war, was danach geschah: Beim Vordringen ins Landesinnere traf Nina auf eine ausgeprägte Kaltfront, die von Norden nach Süden über der Provinz Henan lag. Diese Kaltfront blockierte den weiteren Vorstoß des Sturms vollständig. Taifun Nina blieb für rund drei Tage – vom 5. bis 7. August 1975 – nahezu bewegungslos über der Gegend um Zhumadian in Zentralhenan stehen. Genau dieses Stagnieren machte den Sturm so verheerend.

Extremniederschläge: Jahresregen in wenigen Stunden

Ein stehender Tropensturm pumpt kontinuierlich feuchtwarme Luft aus dem Meer in das Sturmzentrum und gibt sie als Regen ab – so lange, bis er sich auflöst oder weiterzieht. Da Nina weder das eine noch das andere tat, regnete es in der Provinz Henan tagelang mit extremer Intensität.

Die gemessenen Niederschlagsmengen sind bis heute schwer zu fassen:

  • Am ersten Tag, dem 5. August, fielen im Einzugsgebiet des Banqiao-Stausees über 1.000 Millimeter Regen – das entspricht dem durchschnittlichen Jahresniederschlag der Region.
  • Über den gesamten Zeitraum von drei Tagen wurden im Staugebiet kumulativ rund 1.631 Millimeter Niederschlag registriert.
  • Das Hochwasser, das sich aufbaute, überstieg den sogenannten Tausendjährigen Hochwasserstand – also den schlimmsten statistisch erwartbaren Pegel eines Jahrtausends – um das Doppelte.

Kein Staudamm im System war für solche Wassermengen ausgelegt, und keiner war es jemals gewesen.

Die Schwächen des Banqiao-Staudamms

Der Banqiao-Staudamm wurde Anfang der 1950er Jahre auf dem Ru-Fluss in der Provinz Henan errichtet. Er sollte die Region vor Überschwemmungen schützen und Strom erzeugen. Das Bauwerk galt als robust – sein Spitzname lautete „Eiserner Damm". Doch hinter diesem Ruf verbargen sich erhebliche konstruktive Mängel, die in der extremen Situation von 1975 tödlich wurden.

Unzureichende Ablasskapazität

Der Damm besaß lediglich fünf Schleusentore sowie einen unterdimensionierten Nebenablass. Unter normalen Bedingungen war dies ausreichend, doch bei dem gewaltigen Wasseranfall von Taifun Nina konnten die Schleusen bei weitem nicht genug Wasser abführen. Erschwerend hinzu kam, dass die Schleusenmechanismen durch Sedimentablagerungen im Stausee schwer gangbar oder teilweise blockiert waren.

Unterschätzte Auslegungsparameter

Der Damm war für ein sogenanntes Tausendjähres-Hochwasser konzipiert – ein Extremereignis, das statistisch nur einmal in tausend Jahren erwartet wird. Die Niederschläge durch Taifun Nina übertrafen diesen Auslegungswert jedoch um ein Vielfaches. Ingenieure hatten in der Planungsphase auf Warnungen eines sowjetischen Beraters hingewiesen, der mehr Ablassöffnungen gefordert hatte; diese Empfehlung wurde nicht vollständig umgesetzt.

Kommunikationsversagen

In der Nacht vom 7. auf den 8. August erkannten die verantwortlichen Stellen, dass der Damm überlaufen würde. Ein Evakuierungsbefehl und Warnungen wurden abgeschickt – doch die Telefonleitungen waren durch den Sturm bereits ausgefallen. Viele Gemeinden im Unterland erhielten keine Warnung und hatten keinerlei Zeit zur Flucht.

Der Kaskadenbruch: 62 Dämme in einer Nacht

In den frühen Morgenstunden des 8. August 1975, gegen 01:00 Uhr Ortszeit, brach zunächst der etwas nördlich gelegene Shimantan-Staudamm auf dem Hong-Fluss. Die dadurch ausgelöste Flutwelle erhöhte den Druck auf den bereits überfüllten Banqiao-Staudamm zusätzlich. Gegen 01:00 Uhr überströmte das Wasser den Banqiao-Damm um rund dreißig Zentimeter – und innerhalb weniger Minuten brach auch er.

Die freigesetzte Wassermasse war gewaltig: Aus dem Banqiao-Becken allein strömten rund 492 Millionen Kubikmeter Wasser innerhalb kürzester Zeit ab. Die Flutwelle überrollte die Tiefebene mit einer Geschwindigkeit von bis zu 50 Kilometern pro Stunde und einer Höhe von mehreren Metern. Flussabwärts gelegene kleinere Dämme hielten der Belastung nicht stand und brachen in schneller Folge ebenfalls. Am Ende des 8. August hatten 62 Staudämme und Reservoire in der Region versagt.

Opferzahlen und langfristige Folgen

Die unmittelbaren Flutopfer werden auf rund 26.000 bis 85.000 Tote geschätzt. Da weite Landstriche Henans überflutet und von der Außenwelt abgeschnitten waren, folgten Hungersnöte und Seuchenzüge, die weitere 145.000 bis 200.000 Menschen das Leben kosteten. Insgesamt waren mehr als zehn Millionen Menschen betroffen, unzählige verloren ihr gesamtes Hab und Gut.

Die chinesische Regierung unter Mao Zedong hielt die Katastrophe jahrzehntelang geheim. Erst in den 1990er Jahren wurden erste Informationen öffentlich zugänglich, vollständige Berichte erschienen noch später. Dies verhinderte auch eine zeitnahe internationale Hilfe.

Die Katastrophe führte langfristig zu einem grundlegenden Umdenken in der chinesischen Wasserbau- und Katastrophenschutzpolitik. Staudammvorschriften wurden verschärft, Alarmsysteme ausgebaut, und das Ereignis gilt bis heute in Fachkreisen als eines der wichtigsten Lehrbeispiele für das Versagen komplexer technischer Systeme unter Extrembedingungen.

Häufig gestellte Fragen

Was war der Hauptauslöser der Katastrophe von 1975 in China?

Der Hauptauslöser war Taifun Nina, der sich durch eine Kaltfront drei Tage lang über der Provinz Henan festsetzte und dort extreme Regenmengen von über 1.600 Millimetern entlud. Diese Niederschläge übertrafen den statistisch für ein Jahrtausend erwarteten Hochwasserstand um das Doppelte.

Warum brach der Banqiao-Staudamm überhaupt zusammen?

Der Banqiao-Staudamm konnte das Wasser nicht schnell genug ableiten, weil er nur fünf Schleusentore und einen unterdimensionierten Nebenablass besaß. Hinzu kamen durch Sediment blockierte Mechanismen und ausgefallene Kommunikationsleitungen, die eine rechtzeitige Warnung der Bevölkerung verhinderten.

Wie viele Menschen starben bei Taifun Nina 1975 in China?

Die Opferzahlen variieren je nach Quelle erheblich. Unmittelbar durch die Flut starben schätzungsweise 26.000 bis 85.000 Menschen. Durch die anschließenden Hungersnöte und Seuchen kamen weitere 145.000 bis 200.000 hinzu, sodass die Gesamtzahl auf über 230.000 Tote geschätzt wird.

Warum erfuhr die Welt so lange nichts von der Katastrophe?

Die chinesische Regierung unter Mao Zedong verhängte strikte Nachrichtensperre über das Ereignis. Informationen wurden erst in den 1990er Jahren schrittweise veröffentlicht. Diese Geheimhaltung verhinderte auch internationale Hilfsmaßnahmen in der unmittelbaren Nachkatastrophenphase.

Welche Lehren zog China aus dem Banqiao-Staudammbruch?

China verschärfte nach der Katastrophe die Sicherheitsstandards für Staudämme erheblich, baute Frühwarnsysteme aus und überarbeitete die Auslegungsparameter für Extremhochwasser. Das Ereignis gilt international als Schlüsselbeispiel für das Kaskadenversagen technischer Infrastruktur unter Naturextrembedingungen.

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