Das Pentagon: Geschichte, Funktion und Bedeutung
Das Pentagon ist eines der bekanntesten Gebäude der Welt - ein gigantischer fünfeckiger Bau in Arlington, Virginia, der als Hauptquartier des US-Verteidigungsministeriums dient und für die gesamte amerikanische Militärpolitik steht. Wer verstehen will, wie die Vereinigten Staaten ihre Streitkräfte organisieren und weltweit einsetzen, kommt am Pentagon nicht vorbei. Das Gebäude ist zugleich ein architektonisches Unikat, ein logistisches Meisterwerk und ein Symbol für die Supermacht USA.
Geschichte und Entstehung des Pentagons
Die Geschichte des Pentagons beginnt in einer Zeit nationaler Dringlichkeit. Nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 stand die US-Regierung vor einem akuten logistischen Problem: Das Kriegsministerium war über Washington verteilt und auf rund 17 verschiedene Gebäude aufgeteilt. Allein das Heeresministerium beschäftigte zu dieser Zeit mehr als 24.000 Mitarbeiter, die über die ganze Stadt verstreut waren. Eine zentrale Kommandozentrale war dringend nötig.
Der Grundstein wurde bereits am 11. September 1941 gelegt - genau 60 Jahre vor dem späteren Terroranschlag. Der Entwurf stammte vom amerikanischen Architekten George Bergstrom, der das Gebäude zunächst für einen anderen Standort in Form eines Fünfecks plante, um die bestehenden Straßenverläufe zu berücksichtigen. Als der Standort verlegt wurde, behielt man die charakteristische Fünfeckform bei, weil sie sich als besonders funktional erwies.
Rund 14.000 Bauarbeiter und 1.000 Architekten arbeiteten in Schichtbetrieb, um das Projekt in Rekordzeit zu realisieren. Täglich wurden dabei bis zu 13.000 Tonnen Baumaterial verarbeitet. Das Ergebnis war verblüffend: In nur 16 Monaten entstand das damals größte Bürogebäude der Welt. Am 15. Januar 1943 wurde das Pentagon offiziell eingeweiht - eine Bauleistung, die bis heute als außergewöhnlich gilt. Zum Vergleich: Der Empire State Building benötigte 410 Tage, das Pentagon wurde in unter 500 Tagen fertiggestellt und hat eine deutlich größere Nutzfläche.
Ein kurioses Detail am Rande: Da das Pentagon im Süden der USA liegt und die Rassentrennung damals noch in Kraft war, plante Generalquartiermeister Brehon Somervell zunächst getrennte Toilettenanlagen für weiße und schwarze Mitarbeiter - doppelt so viele wie nötig. Präsident Roosevelt griff persönlich ein und ordnete an, dass im Pentagon keine Rassentrennung gelten solle. Mit dieser Anweisung war das Pentagon tatsächlich eines der ersten größeren Bundesgebäude, in dem Rassentrennung nicht praktiziert wurde.
Architektur und Aufbau: Die Geometrie der Macht
Die äußere Form des Pentagons ist sein markantestes Merkmal: fünf gleich lange Seiten, die ein regelmäßiges Fünfeck bilden. Jede Seite ist rund 281 Meter lang. Doch die eigentliche Ingenieursleistung liegt im Inneren. Das Gebäude besteht aus fünf konzentrischen Ringen, die durch zehn radiale Korridore miteinander verbunden sind. Diese Ringe tragen die Bezeichnungen A (innerster) bis E (äußerster Ring).
Insgesamt gibt es auf fünf Etagen über der Erde und zwei Untergeschossen rund 28 Kilometer Korridore. Trotz dieser enormen Länge sind die weitesten Punkte des Gebäudes in maximal sieben Minuten zu Fuß erreichbar - das ist das Ergebnis der intelligenten ringförmigen Grundstruktur. Ein Mitarbeiter, der zum Beispiel von der Nordwestecke des äußersten Rings in ein Büro im innersten Ring auf der gegenüberliegenden Seite möchte, braucht dafür höchstens sieben Minuten - obwohl das Gebäude insgesamt eine Grundfläche von rund 116.000 Quadratmetern hat.
Die Gesamtnutzfläche beträgt rund 600.000 Quadratmeter, davon etwa 340.000 Quadratmeter reine Bürofläche. Im Herzen des Gebäudes liegt ein fünfeckiger Innenhof mit 2,2 Hektar Fläche, der einen kleinen Imbissstand beherbergte, der im Kalten Krieg ironischerweise als "Ground Zero Cafe" bekannt war - weil sowjetische Militärplaner davon ausgingen, dass er das Ziel eines möglichen nuklearen Ersteinsatzes wäre, da feindliche Geheimdienste glaubten, es handele sich um ein unterirdisches Kommandozentrum.
Zahlen im Überblick
- Fünf Etagen über Erdniveau, zwei Untergeschosse
- Fünf konzentrische Gebäuderinge (Ring A bis Ring E)
- Zehn radiale Verbindungskorridore
- Rund 28 Kilometer Gesamtkorridorlänge
- Über 7.700 Fenster
- Rund 280 Toilettenanlagen
- Etwa 131 Treppenhäuser
- Über 600.000 Quadratmeter Gesamtfläche
- Rund 4.200 Uhren im gesamten Gebäude
Beim Bau des Pentagons wurden außergewöhnlich große Mengen Baumaterial verarbeitet: rund 680.000 Tonnen Sand und Kies aus dem Potomac River, sowie Stahl aus Schrott, da für strategische Bauzwecke Metall gespart werden musste. Die Konstruktion wurde deshalb bewusst betonlastig gehalten - ein Umstand, der dem Gebäude am 11. September 2001 tatsächlich das Leben rettete, da die Außenwände dem Aufprall des Flugzeugs länger standhielten als herkömmliche Bürogebäude es getan hätten.
Funktion als Zentrum amerikanischer Verteidigungspolitik
Das Pentagon ist der Sitz des United States Department of Defense, in Deutschland bekannt als US-Verteidigungsministerium. Von hier aus werden sämtliche militärischen Operationen der Vereinigten Staaten koordiniert. Der Verteidigungsminister, der direkt dem Präsidenten unterstellt ist, hat hier sein Büro, ebenso die Führungsebene aller Teilstreitkräfte: Heer, Marine, Luftwaffe, Marine Corps und Space Force.
Täglich arbeiten im Gebäude rund 23.000 Militärangehörige und zivile Beschäftigte, dazu kommen etwa 3.000 externe Dienstleister. Das Pentagon ist damit nicht nur das koordinierende Zentrum des weltweit größten Militärapparats, sondern auch einer der größten einzelnen Arbeitgeber der USA. Die Cafeteria des Pentagons serviert täglich bis zu 4.500 Mahlzeiten, es gibt mehrere Friseurläden, eine eigene Post und sogar eine kleine Einkaufspassage - ein kleines Stadtviertel für sich.
Zum Pentagon-Komplex gehören darüber hinaus unterirdische Bunkeranlagen sowie direkte Verbindungen zu weiteren Regierungsgebäuden. Die Kommunikationsinfrastruktur gilt als eine der leistungsfähigsten der Welt - eine Voraussetzung dafür, dass der Verteidigungsminister und die Stabschefs rund um die Uhr erreichbar und handlungsfähig bleiben, egal wo auf der Welt eine Krise ausbricht.
Organisationsstruktur im Pentagon
Im Pentagon sind nicht nur das Büro des Verteidigungsministers und die Führungsstäbe der Teilstreitkräfte untergebracht. Auch der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs (Chairman of the Joint Chiefs of Staff), der ranghöchste Militäroffizier der USA, hat hier seinen Amtssitz. Er ist wichtigster militärischer Berater des Präsidenten und des Verteidigungsministers. Daneben sind zahlreiche nachgeordnete Agenturen und Büros für Rüstungsbeschaffung, Geheimdienstkoordination, Cyberverteidigung und strategische Planung im Komplex angesiedelt.
Die Defense Intelligence Agency (DIA), die für die Geheimdienstarbeit des Verteidigungsministeriums zuständig ist, hat ebenfalls Büros im Pentagon. Dazu kommen spezialisierte Kommandostäbe und Planungsabteilungen, die sich mit Szenarien von globalen Konflikten bis hin zu Katastrophenschutz beschäftigen. Das Pentagon ist damit nicht nur ein Bürogebäude, sondern ein echtes Nervenzentrum globaler Sicherheitspolitik.
Der Terroranschlag vom 11. September 2001
Am 11. September 2001 wurde das Pentagon zum Ziel eines der schwersten Terroranschläge der Geschichte. Um 9:37 Uhr Ortszeit steuerten al-Qaida-Terroristen den entführten American-Airlines-Flug 77 in die Westfassade des Gebäudes. Das Flugzeug traf mit einer Geschwindigkeit von rund 850 Kilometern pro Stunde ein. 125 Menschen starben im Pentagon, alle 64 Personen an Bord des Flugzeugs kamen ebenfalls ums Leben.
Ein glücklicher Umstand minderte die Opferzahl erheblich: Der getroffene Westflügel befand sich zum Zeitpunkt des Anschlags in umfangreicher Renovierung. Statt der üblichen 4.500 Mitarbeiter waren in diesem Bereich nur rund 800 Personen anwesend. Die Renovierungsarbeiten hatten außerdem eine verbesserte Brandschutzausstattung und verstärkte Außenwände umfasst, was den Gebäudeeinsturz verlangsamte und mehr Überlebenden die Flucht ermöglichte. Auch der Einbau eines Sprinklersystems und feuerhemmender Verkleidungen hatte begonnen.
Der Wiederaufbau begann noch im September 2001 und wurde unter dem Namen "Phoenix Project" durchgeführt - eine bewusste Anspielung auf den mythologischen Vogel, der aus der Asche aufsteigt. Bereits am 11. September 2002, dem ersten Jahrestag des Anschlags, waren die betroffenen Bürobereiche wieder vollständig in Betrieb. Im Inneren entstand ein Gedenkraum mit Kapelle an der genauen Einschlagsstelle - ein Ort der Stille inmitten des geschäftigen Regierungsbetriebs.
Das Pentagon Memorial
Im Außenbereich des Pentagons wurde am 11. September 2008, dem siebten Jahrestag des Anschlags, das Pentagon Memorial eröffnet. Die Gedenkstätte besteht aus 184 beleuchteten Bänken aus eloxiertem Aluminium, eine für jedes Todesopfer im Pentagon und an Bord des Flugzeugs. Die Bänke sind nach dem Geburtsjahr der Opfer angeordnet: vom jüngsten Opfer, einer dreijährigen Passagierin, bis zum ältesten, einem 71-jährigen Pentagon-Mitarbeiter. Über jedem Erinnerungszeichen steht der Name des jeweiligen Opfers. Das Memorial ist ganzjährig und kostenfrei zugänglich.
Das Pentagon heute: Sicherheit und Modernisierung
Nach dem 11. September 2001 wurden die Sicherheitsmaßnahmen rund um das Pentagon drastisch verschärft. Der zuvor öffentlich zugängliche Touristenbereich wurde zunächst komplett geschlossen. Seit einigen Jahren ist es wieder möglich, geführte Touren durch ausgewählte Teile des Gebäudes zu buchen - allerdings ausschließlich für US-amerikanische Staatsbürger und permanent ansässige Personen, und nur nach vorheriger Voranmeldung über das Büro eines Kongressabgeordneten. Die Wartezeit beträgt häufig mehrere Monate.
Die Umgebung des Pentagons ist durch weiträumige Sicherheitszonen gesichert. Der Pentagon-eigene Busbahnhof und die U-Bahn-Station "Pentagon" der Washington Metro sind öffentlich zugänglich, das Gebäude selbst jedoch nicht ohne besondere Genehmigung. Auch der Luftraum über dem Pentagon ist dauerhaft als verbotene Zone (No-Fly-Zone) klassifiziert - einer der wenigen dauerhaft gesperrten Lufträume über einem Gebäude in den USA.
In den Jahren nach 2001 wurde das Gebäude außerdem systematisch modernisiert. Die Pentagon Renovation, das offiziell größte Bürorenovierungsprojekt der US-Bundesregierung, lief über mehr als zwei Jahrzehnte und schloss die Erneuerung aller fünf Korridorringe, die Modernisierung der Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlage sowie umfassende Verbesserungen der digitalen Infrastruktur ein. Dabei wurde auch auf Energieeffizienz geachtet: Solaranlagen, verbesserte Dämmung und effizientere Beleuchtungssysteme wurden integriert.
Das Pentagon als Symbol amerikanischer Macht
Über seine rein praktische Funktion hinaus ist das Pentagon ein weltbekanntes Symbol. Es steht für die militärische Stärke der Vereinigten Staaten und für die Entscheidungsprozesse, die globale Politik prägen. In der internationalen Berichterstattung wird "das Pentagon" häufig synonym für das gesamte US-Militär oder das Verteidigungsministerium verwendet - so wie "das Weiße Haus" für die Präsidentschaft steht.
Diese symbolische Bedeutung machte das Gebäude zum Angriffsziel für Terroristen im Jahr 2001, war aber auch der Grund, warum der Wiederaufbau politisch höchste Priorität hatte. Das Pentagon steht nicht nur für militärische Kapazität, sondern auch für staatliche Resilienz und den Willen der USA, Angriffe auf ihre zentralen Institutionen zu überstehen und sich nicht einschüchtern zu lassen.
International wird das Pentagon zudem als architektonisches Phänomen betrachtet. Zahlreiche Besucher Washingtons versuchen einen Blick auf das Gebäude zu erhaschen - sei es von der Brücke über den Potomac River, vom nahe gelegenen Nationalfriedhof Arlington oder beim Landeanflug auf den Ronald Reagan Washington National Airport, der sich in unmittelbarer Nähe befindet und von dem aus man das Gebäude beim Approach aus der Luft deutlich erkennen kann.
In der populären Kultur taucht das Pentagon regelmäßig auf - in Hollywoodfilmen als Ort geheimer Entscheidungen, in politischen Thrillern als Epizentrum von Macht und Intrige, und in Videospielen als Symbol für Hightech-Militär. Ob zutreffend oder nicht: Die Vorstellung des Pentagons als Ort, an dem die wichtigsten Entscheidungen der amerikanischen Außen- und Verteidigungspolitik fallen, hat sich in der globalen Wahrnehmung tief verankert.
Häufig gestellte Fragen
Wo genau liegt das Pentagon?
Das Pentagon liegt nicht in Washington D.C. selbst, sondern im Arlington County im US-Bundesstaat Virginia, direkt am Südufer des Potomac Rivers. Es befindet sich nur wenige Kilometer vom Stadtzentrum Washingtons und vom Lincoln Memorial entfernt. Die U-Bahn-Station "Pentagon" der Washington Metro (Blue/Yellow Line) ermöglicht eine bequeme Anreise aus der Innenstadt in etwa zehn Minuten.
Wie viele Menschen arbeiten im Pentagon?
Im Pentagon arbeiten täglich rund 23.000 Militärangehörige und zivile Beschäftigte des US-Verteidigungsministeriums. Hinzu kommen etwa 3.000 Menschen, die als externe Dienstleister tätig sind. Damit ist das Pentagon einer der größten einzelnen Arbeitgeber in den gesamten Vereinigten Staaten - vergleichbar mit einer mittelgroßen Stadt.
Kann man das Pentagon besichtigen?
Besichtigungen sind nur für US-Bürger und bestimmte Aufenthaltsberechtigte möglich. Die Touren müssen weit im Voraus über das Büro eines Kongressabgeordneten angefragt werden und dauern in der Regel rund 60 Minuten. Ausländische Staatsangehörige haben grundsätzlich keinen Zugang zum Inneren. Das Pentagon Memorial im Außenbereich ist hingegen für alle Besucher kostenlos und ohne Anmeldung zugänglich.
Was bedeutet die Fünfeckform des Pentagons?
Die Fünfeckform war ursprünglich ein architektonischer Kompromiss für das geplante Grundstück, auf dem mehrere Straßen im Winkel aufeinandertrafen. Als der Standort gewechselt wurde, behielt man die Form bei - weil sie sich als außerordentlich funktional erwies. Die ineinander verschachtelten fünf Ringe ermöglichen kurze Wege trotz enormer Gesamtgröße: Kein Punkt im Gebäude ist mehr als sieben Minuten Fußweg von einem anderen entfernt.
Ist das Pentagon das größte Bürogebäude der Welt?
Nein, das Pentagon ist heute nicht mehr das größte Bürogebäude der Welt. Bei seiner Fertigstellung 1943 war es das weltgrößte, wurde seitdem aber von anderen Projekten übertroffen. Es gehört jedoch weiterhin zu den flächenmäßig größten Einzelgebäuden weltweit und ist mit rund 26.000 täglichen Beschäftigten eines der personalintensivsten Bürogebäude der Erde.
Was geschah im Pentagon am 11. September 2001?
Am 11. September 2001 steuerten al-Qaida-Terroristen den entführten Flug American Airlines 77 um 9:37 Uhr in den Westflügel des Pentagons. Bei dem Anschlag starben 125 Menschen im Gebäude sowie alle 64 Personen an Bord. Der betroffene Bereich wurde vollständig zerstört und binnen eines Jahres im "Phoenix Project" wiederaufgebaut. Zum Gedenken an die Opfer wurde 2008 das Pentagon Memorial mit 184 individuellen Gedenkbänken eröffnet.