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Geschichte des Iran: Von Persien zur Islamischen Republik

Veröffentlicht 22. Mai 2026 Aktualisiert 15. Juni 2026

Was ist die Geschichte des Iran in Kürze?

Die Geschichte des Iran gehört zu den faszinierendsten und vielschichtigsten der gesamten Menschheitsgeschichte. Auf dem Gebiet des heutigen Iran entstanden einige der mächtigsten Reiche der Antike, blühten Wissenschaft und Dichtkunst in Jahrhunderten, in denen Europa im Mittelalter stagnierte, und vollzogen sich im 20. Jahrhundert politische Umwälzungen von welthistorischer Tragweite. Dieser Überblick führt von den frühesten nachweisbaren Zivilisationen über das Achämenidenreich, die Islamisierung und die Safawiden bis zur Islamischen Revolution von 1979 und der Gegenwart der Islamischen Republik Iran.

Was ist die Geschichte des Iran in Kürze?

Frühgeschichte: Erste Hochkulturen auf dem iranischen Plateau

Das iranische Hochplateau war bereits in der Jungsteinzeit dauerhaft besiedelt. Archäologische Funde in Tepe Sialk nahe Kashan belegen menschliche Niederlassungen ab etwa 5500 v. Chr. Diese frühen Gemeinschaften trieben Ackerbau, schufen Keramik von bemerkenswerter Qualität und entwickelten erste urbane Strukturen. Die natürlichen Gegebenheiten des Hochplateaus, fruchtbare Täler zwischen Gebirgsketten, begünstigten Sesshaftigkeit und den Aufbau sozialer Gemeinschaften.

Um 3000 v. Chr. entstand im Südwesten des heutigen Iran, in der Region Khuzestan und in Teilen des heutigen Irak, die Elamische Zivilisation. Die Elamiter entwickelten eine eigene Schrift, die sogenannte Proto-Elamische Schrift, bauten monumentale Tempel und Ziqqurats und unterhielten ausgedehnten Handel mit Mesopotamien, der Induskultur und den arabischen Küstengebieten. Das elamische Reich bestand in verschiedenen Formen über 2.000 Jahre lang und hinterließ nachhaltige kulturelle Prägungen in der Region.

Im zweiten Jahrtausend v. Chr. wanderten iranischsprachige Stämme aus den Steppen Zentralasiens auf das iranische Hochplateau ein. Unter ihnen waren die Meder im Nordwesten und die Perser im Südwesten. Diese Gruppen sollten die politische Geschichte der Region für Jahrhunderte bestimmen.

Das Achämenidenreich: Das erste Weltreich der Geschichte

Im 6. Jahrhundert v. Chr. begann die erste große Blütezeit iranischer Weltmacht. Kyros der Große, Herrscher des kleinen Stammeskönigtums Anshan in der Region Pars, besiegte 550 v. Chr. das Medische Reich und begründete das Achämenidenreich - das erste multinationale Großreich der Geschichte, das Völker und Kulturen von der Ägäis bis zum Indus unter einer Herrschaft vereinte.

Kyros war nicht nur militärisch brillant, sondern auch politisch außergewöhnlich weise für seine Zeit. Anstatt unterworfene Völker zu unterdrücken, erlaubte er ihnen, ihre Kultur, ihre Sprache, ihre Religion und ihre lokale Verwaltung beizubehalten. Sein berühmter "Zylinder des Kyros", eine Tontafel aus Babylon, die heute im Britischen Museum in London aufbewahrt wird, gilt als frühe Proklamation von Religionsfreiheit und humanem Regieren. Er ordnete unter anderem die Freilassung der im babylonischen Exil lebenden Juden an, ein Ereignis, das auch im Alten Testament Erwähnung findet.

Darius I. und die Blütezeit des Reiches

Unter Darius I. (521-486 v. Chr.) erreichte das Achämenidenreich seine größte territoriale Ausdehnung. Es erstreckte sich von Ägypten und der ägäischen Küste im Westen bis zu den Grenzen des Indus-Tals im Osten. Darius reorganisierte die Verwaltung durch ein ausgeklügeltes Satrapien-System mit 20 Provinzen, schuf eine einheitliche Währung und baute die legendäre Königsstraße, eine über 2.500 Kilometer lange Postroute von Susa bis nach Sardes in Kleinasien.

Die Residenzstädte Persepolis und Pasargadae, von Darius und seinen Nachfolgern in prächtigen Dimensionen erbaut, zählen zu den beeindruckendsten architektonischen Hinterlassenschaften der Antike. Die Ruinen von Persepolis, 330 v. Chr. von Alexander dem Großen zerstört und verbrannt, stehen heute auf der UNESCO-Welterbeliste und ziehen Besucher aus aller Welt an.

Die Perserkriege gegen die griechischen Stadtstaaten (490-479 v. Chr.) endeten militärisch nicht zugunsten der Perser, hinterließen aber in Europa ein dauerhaftes Bild des Orients als mächtige, fremde und bedrohliche Macht. Erst Alexander der Große beendete die Achämenidenherrschaft endgültig, als er zwischen 334 und 330 v. Chr. das Reich in raschen Feldzügen eroberte.

Parther, Sassaniden und die islamische Eroberung

Nach dem Tod Alexanders (323 v. Chr.) und der hellenistischen Herrschaft der Seleukiden erhoben sich im 3. Jahrhundert v. Chr. die Parther als neue iranische Macht. Das Partherreich (247 v. Chr. bis 224 n. Chr.) war ein dauerhafter, militärisch ebenbürtiger Rivale Roms und kontrollierte die lukrativen Seidenstraßenrouten zwischen dem Mittelmeer und China.

Das Sassanidenreich (224-651 n. Chr.) gilt als zweites großes iranisches Weltreich der Antike. Die Sassaniden knüpften bewusst an die Achämenidentradition an, erhoben den Zoroastrismus zur Staatsreligion und führten über mehrere Jahrhunderte intensive Kriege mit dem Byzantinischen Reich um die Vorherrschaft im Nahen Osten. Unter ihnen erlebten Wissenschaft, Philosophie, Architektur und Literatur eine weitere Blütezeit. Viele griechische philosophische Texte wurden ins Mittelpersische übersetzt und so für künftige Generationen gesichert.

Die arabische Eroberung und die schrittweise Islamisierung

Zwischen 636 und 651 n. Chr. besiegte das arabische Heer der aufstrebenden islamischen Gemeinschaft das geschwächte Sassanidenreich in mehreren entscheidenden Schlachten, darunter der berühmten Schlacht von Qadisiyya (636) und der endgültigen Zerstörung der Hauptstadt Ktesiphon. Die Islamisierung Irans verlief jedoch langsam und dauerte Generationen - persische Sprache, Kultur und Verwaltungstraditionen überlebten und prägten ihrerseits die entstehende islamische Zivilisation tiefgreifend.

Während der islamischen Blütezeit des 8. bis 13. Jahrhunderts war das iranische Gebiet ein Hauptzentrum von Wissenschaft und Philosophie. Persische Gelehrte wie Avicenna (Ibn Sina) mit seiner "Canon of Medicine", al-Biruni als Universalgelehrter und der Dichter Omar Khayyam schufen Werke, die bis heute ihre Gültigkeit haben.

Mittelalter bis frühe Neuzeit: Mongolen und die Safawiden-Dynastie

Der Mongoleneinfall unter Dschingis Khan (1219-1221) und die spätere Zerstörung Bagdads durch Hülegü Khan (1258) waren für den Iran eine der schlimmsten Katastrophen seiner Geschichte. Ganze Städte wurden dem Erdboden gleichgemacht, Bewässerungssysteme zerstört, Bibliotheken verbrannt und die Bevölkerung dezimiert. Die demografischen und wirtschaftlichen Folgen wirkten Jahrhunderte nach. Die Mongolen siedelten sich jedoch auch dauerhaft an und wurden zunehmend persianisiert - ihre späten Dynastien, wie die Ilchane, förderten schließlich persische Kunst und Literatur.

Der nächste fundamentale Wandel vollzog sich mit dem Aufstieg der Safawiden (1501-1736). Schah Ismail I. begründete nicht nur eine neue persische Herrscherdynastie, sondern machte die Zwölfer-Schia zur Staatsreligion des Landes - ein Schritt, der den Iran bis in die Gegenwart von seinen überwiegend sunnitischen Nachbarstaaten unterscheidet. Dieser religiöse Bruch legte den Grundstein für das schiitisch-sunnitische Spannungsverhältnis, das die geopolitische Realität des Nahen Ostens bis heute mitbestimmt.

Unter Schah Abbas I. (1587-1629) erreichte das Safawidenreich seinen kulturellen und politischen Höhepunkt. Isfahan, die neue Hauptstadt, wurde zu einem Juwel islamischer Architektur ausgebaut. Der Naqsch-e Jahan-Platz, einer der größten städtischen Plätze der Welt, mit der Imam-Moschee, dem Ali-Qapu-Palast und dem Großen Basar, ist bis heute UNESCO-Weltkulturerbe und eines der beeindruckendsten Stadtensembles weltweit.

Moderne Geschichte: Kadscharen, Pahlavi-Dynastie und Reformbewegungen

Die Kadscharen-Dynastie (1789-1925) regierte einen Iran, der zunehmend unter den Druck der europäischen Großmächte geriet. Großbritannien und Russland teilten das Land faktisch in Einflusssphären auf. Ungünstige Verträge, Gebietsabtretungen und wirtschaftliche Konzessionen an ausländische Unternehmen lösten wachsenden nationalen Widerstand aus. Die erste konstitutionelle Revolution von 1905 bis 1911 erzwang eine Verfassung und die Einrichtung eines Parlaments (Madjlis), konnte aber die monarchische Macht nicht dauerhaft beschränken.

1925 putschte Reza Khan, ein Offizier der Kosakenbrigade, und begründete die Pahlavi-Dynastie. Als Reza Schah trieb er eine umfassende Modernisierung nach westlichem Vorbild voran: Industrialisierung, Bildungsreformen, Bau von Eisenbahnen und Straßen, Säkularisierung des Rechtssystems und das Verbot des Kopftuchs. Im Zweiten Weltkrieg besetzten britische und sowjetische Truppen Iran, zwangen Reza Schah zur Abdankung und setzten seinen Sohn Mohammad Reza Pahlavi als Schah ein.

Mossadegh, der CIA-Putsch und die Pahlavi-Ära

1951 wählte das Parlament Mohammad Mossadegh zum Premierminister. Mossadegh verstaatlichte die iranische Ölindustrie, die bis dahin unter dem Einfluss der britischen Anglo-Iranian Oil Company (heute BP) stand - ein Akt nationaler Souveränität, der ihn zu einem Volkshelden machte, aber massive westliche Gegenwehr provozierte. 1953 wurde Mossadegh durch einen vom amerikanischen CIA und dem britischen MI6 organisierten Putsch (Codename "Operation Ajax") gestürzt. Mohammad Reza Schah kehrte aus dem Exil zurück und regierte fortan als Alleinherrscher mit gestärkter Macht.

Die "Weiße Revolution" von 1963 sollte Iran gesellschaftlich modernisieren: Landreform, Frauenwahlrecht, Alphabetisierungskampagnen auf dem Land und die Auflösung großer Latifundien. Gleichzeitig wuchs die Macht des gefürchteten Geheimdienstes SAVAK und die politische Repression. Ajatollah Ruhollah Khomeini, der diese Reformen als Verletzung islamischer Werte kritisierte, wurde 1964 verhaftet und ins Exil abgeschoben.

Die Islamische Revolution von 1979 und die Islamische Republik

Ende der 1970er Jahre verdichtete sich der Widerstand gegen den Schah zu einer breiten Volksbewegung. Wirtschaftliche Probleme, politische Unterdrückung durch den SAVAK, soziale Ungleichheit und die von vielen Iranern als Verrat an islamischen Werten empfundene Westorientierung der Monarchie trieben Millionen Menschen auf die Straße. Im Dezember 1978 demonstrierten nach seriösen Schätzungen mehrere Millionen Menschen allein in Teheran.

Am 16. Januar 1979 verließ Mohammad Reza Schah Iran endgültig. Am 1. Februar 1979 kehrte Ajatollah Khomeini nach über einem Jahrzehnt im Exil zurück und wurde von riesigen Menschenmassen empfangen. Am 1. April 1979 wurde die Islamische Republik Iran offiziell ausgerufen. Die Verfassung verankerte das Prinzip der Velayat-e Faqih (Herrschaft des Rechtsgelehrten), das dem Obersten Religiösen Führer die höchste politische und religiöse Autorität gibt.

Der Iran-Irak-Krieg (1980-1988), den Saddam Hussein mit westlicher Duldung und Unterstützung begann, kostete auf beiden Seiten Hunderttausende Menschenleben und hinterließ wirtschaftliche Verwüstung. Die Geiselnahme in der amerikanischen Botschaft (1979-1981) und die breite Unterstützung schiitischer Milizen im Ausland vertieften die internationale Isolation Irans nachhaltig.

Iran in der Gegenwart: Atomstreit, Proteste und Geopolitik

Nach Khomeinis Tod 1989 übernahm Ali Khamenei das Amt des Obersten Führers. Das Nuklearprogramm Irans sorgt seit den frühen 2000er Jahren für tiefe internationale Spannungen. Das Nuklearabkommen JCPOA von 2015 schränkte das Atomprogramm vorübergehend ein, wurde aber 2018 von den USA unter Präsident Trump einseitig verlassen. Seitdem hat Iran den Urananreicherungsgrad erheblich gesteigert.

Innenpolitisch hat die Islamische Republik wiederholt massive Protestwellen erlebt. Die Frau-Leben-Freiheit-Bewegung, ausgelöst 2022 durch den Tod der Kurdin Mahsa Amini in Polizeigewahrsam, war die größte Protestbewegung seit 1979 und wurde gewaltsam niedergeschlagen. Iran bleibt eine der einflussreichsten Regionalmächte des Nahen Ostens, balanciert dabei aber zwischen dem Anspruch auf geopolitische Führungsrolle, internationalen Sanktionen und wachsendem innenpolitischen Druck.

Häufig gestellte Fragen

Wann wurde das Achämenidenreich gegründet?

Das Achämenidenreich wurde 550 v. Chr. von Kyros dem Großen gegründet, nachdem er das Medische Reich besiegt hatte. Es war das erste multinationale Großreich der Geschichte und erstreckte sich auf seinem Höhepunkt unter Darius I. von Ägypten bis zum Indus-Tal.

Was war die islamische Revolution im Iran 1979?

Die islamische Revolution von 1979 war eine Volkserhebung, die die Monarchie unter Schah Mohammad Reza Pahlavi stürzte und die Islamische Republik Iran unter Ajatollah Khomeini begründete. Sie kombinierte religiöse, nationalistische und antikoloniale Strömungen und ist bis heute eines der prägendsten politischen Ereignisse des Nahen Ostens im 20. Jahrhundert.

Welche Religion ist im Iran Staatsreligion?

Der Iran hat seit der Safawidenzeit im 16. Jahrhundert die Zwölfer-Schia als dominierende religiöse Tradition. Die Islamische Republik von 1979 verankerte dies in der Verfassung und macht islamisches Recht in schiitischer Auslegung zur Grundlage des gesamten Rechtssystems und der politischen Ordnung.

Was bedeutet Velayat-e Faqih?

Velayat-e Faqih bedeutet "Herrschaft des Rechtsgelehrten" und ist das Kernprinzip der Islamischen Republik Iran. Es besagt, dass ein hochrangiger islamischer Rechtsgelehrter als Oberster Führer die höchste politische und religiöse Autorität des Landes innehat. Dieses Amt hat seit dem Tod Khomeinis 1989 Ali Khamenei inne.

Was war der Mossadegh-Putsch und welche Folgen hatte er?

Mohammad Mossadegh, der demokratisch gewählte Premierminister des Iran, wurde 1953 durch einen von CIA und britischem MI6 organisierten Putsch gestürzt, nachdem er die iranische Ölindustrie verstaatlicht hatte. Der Putsch gilt als zentrales Trauma in der modernen iranischen Geschichte und prägt das tiefe Misstrauen gegenüber den USA und Großbritannien bis in die Gegenwart.

Wie lang war die Geschichte des Perserreiches?

Das Achämenidenreich bestand von 550 bis 330 v. Chr. - rund 220 Jahre. Das Sassanidenreich, das als zweites großes iranisches Weltreich gilt, regierte von 224 bis 651 n. Chr., also über 400 Jahre. Insgesamt haben iranischstämmige Dynastien über Jahrtausende eine der mächtigsten politischen Kräfte Eurasiens gestellt und die Weltgeschichte nachhaltig mitgeprägt.

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