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Harare: Hauptstadt von Simbabwe und ihre Geschichte

Veröffentlicht 22. Mai 2026

Was ist die Hauptstadt von Simbabwe und warum ist sie das?

Harare ist die Hauptstadt von Simbabwe und mit rund 1,85 Millionen Einwohnern (Volkszählung 2022) zugleich die größte Stadt des Landes. Die Metropolregion umfasst mehr als 2,5 Millionen Menschen und wächst stetig weiter. Als politisches, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum des südlichen Afrika vereint Harare eine lebhafte Stadtkultur mit einer bewegten Kolonialgeschichte, die bis ins Jahr 1890 zurückreicht. Die Frage, warum gerade diese Stadt zur Hauptstadt Simbabwes wurde, lässt sich nicht ohne einen genauen Blick auf die Geschichte der britischen Besiedlung, den langen Weg zur Unabhängigkeit und die wirtschaftlichen sowie geografischen Besonderheiten dieser Region beantworten.

Was ist die Hauptstadt von Simbabwe und warum ist sie das?

Gründung und Kolonialgeschichte

Am 12. September 1890 errichtete die sogenannte Pioneer Column - eine von der British South Africa Company (BSAC) entsandte Truppe aus Siedlern und Söldnern - im Herzen des heutigen Simbabwe ein Fort. Dieses Fort erhielt den Namen Salisbury, nach dem damaligen britischen Premierminister Robert Gascoyne-Cecil, dem Marquess of Salisbury. Die British South Africa Company war ein Privatunternehmen, das der Bergbau-Magnat Cecil John Rhodes gegründet hatte, mit dem Ziel, die Gebiete nördlich von Südafrika für die britische Krone zu erschließen und wirtschaftlich auszubeuten.

Die Lage auf dem Plateau von Mashonaland, auf einer Höhe von rund 1.480 Metern über dem Meeresspiegel, war bewusst gewählt: Das gemäßigte Klima - weder zu heiß noch zu kalt - machte das Hochplateau für europäische Siedler vergleichsweise angenehm. Die fruchtbaren Böden und die strategisch günstige Position im Landesinneren kamen hinzu. Besonders wichtig war, dass die Hochebene frei von Malaria war - einer Krankheit, die für europäische Siedler in den tiefergelegenen Teilen des südlichen Afrikas eine tödliche Gefahr darstellte.

Von Anfang an entwickelte sich Salisbury zur Verwaltungszentrale des Gebiets, das zunächst Südrhodesien hieß. Die Stadt wuchs rasch: Weitere Siedler kamen, Eisenbahnverbindungen nach Südafrika wurden gebaut und Tabakplantagen in der Umgebung entstanden. Tabak sollte für Jahrzehnte das wirtschaftliche Rückgrat der Region bleiben. Schon früh wurden Goldvorkommen entdeckt, die den Zustrom weißer Siedler weiter beschleunigten. Die ansässige Bevölkerung der Shona und Ndebele wurde systematisch verdrängt, ihr Land enteignet und ihre Arbeitskraft in Minen und auf Farmen genutzt.

1923 wurde Südrhodesien zur selbstverwalteten britischen Kolonie, und Salisbury übernahm offiziell die Rolle der Hauptstadt. Die Stadt erhielt ein Rathaus, ein Gerichtsgebäude, Schulen und eine Infrastruktur, die ausschließlich für die weiße Minderheitsbevölkerung ausgelegt war. Rassentrennung prägte das Stadtbild: Schwarze Einwohner mussten in abgelegenen Townships wie Mbare leben und durften das Stadtzentrum nur für die Arbeit betreten.

Die weißminoritäre Regierung unter Ian Smith erklärte 1965 einseitig die Unabhängigkeit von Großbritannien (Unilateral Declaration of Independence, UDI), was zu internationalen Sanktionen und einem langwierigen Unabhängigkeitskrieg führte, der als Zweiter Chimurenga bekannt wurde. Guerillabewegungen wie ZANU und ZAPU kämpften gegen das Salisbury-Regime, bis 1979 die Lancaster-House-Konferenz in London einen Waffenstillstand herbeiführte.

Umbenennung und der Weg zur Unabhängigkeit

Nach dem Ende des Buschkrieges und langen Verhandlungen wurde Simbabwe am 18. April 1980 offiziell unabhängig. Robert Mugabe, Führer der ZANU-PF, wurde zum ersten Premierminister des neuen Staates. Bei den Feierlichkeiten zur Unabhängigkeit wurde in Salisbury die Flagge Simbabwes gehisst und die Flagge Rhodesiens gesenkt - ein historischer Moment, der das Ende einer 90-jährigen Kolonialherrschaft markierte.

Die Stadt Salisbury behielt zunächst noch ihren kolonialen Namen, doch 1982 - zwei Jahre nach der Unabhängigkeit - erfolgte die offizielle Umbenennung in Harare. Der neue Name leitet sich von einem Shona-Häuptling namens Neharawa ab, dessen Spitzname übersetzt so viel bedeutet wie "der, der nicht schläft". In der Nähe des heutigen Stadtzentrums, am Kopje-Hügel, lag das Dorf Harare, das diesem Häuptling zugeordnet wurde.

Die Umbenennung war ein klares politisches Signal: Die Stadt sollte ihren kolonialen Namen ablegen und eine neue, afrikanische Identität annehmen. Gleichzeitig sollte deutlich werden, dass die neue Regierung an die vorkoloniale Geschichte des Landes anknüpfte. Viele Straßen, Plätze und öffentliche Einrichtungen wurden in den Folgejahren ebenfalls umbenannt, um koloniale Symbole zu ersetzen.

Warum Harare die Hauptstadt blieb

Obwohl nach der Unabhängigkeit kurzzeitig diskutiert wurde, ob die Hauptstadt verlegt werden sollte, sprachen sowohl praktische als auch historische Gründe klar für den Verbleib der Regierung in Harare. Die Stadt beherbergte bereits die gesamte Verwaltungsinfrastruktur: Ministerien, Botschaften, Gerichte, das Parlament und zahlreiche staatliche Einrichtungen. Eine Verlegung wäre mit enormen Kosten, logistischen Herausforderungen und jahrelangen Unterbrechungen des Regierungsbetriebs verbunden gewesen.

Hinzu kommt die geografische Lage: Harare liegt annähernd im nördlichen Zentrum des Landes, was es zu einem natürlichen Knotenpunkt für Straßen, Schienen und Luftverkehr macht. Der Robert Gabriel Mugabe International Airport - 2017 nach dem langjährigen Präsidenten benannt, was nach seinem Sturz für Diskussionen sorgte - verbindet Simbabwe mit dem Rest Afrikas und der Welt. Direktflüge bestehen unter anderem nach Johannesburg, Nairobi, Addis Abeba und London.

Die Höhenlage von rund 1.480 Metern sorgt für ein gesundes Klima mit angenehmen Temperaturen das ganze Jahr über. Harare gilt als eine der grünsten Hauptstädte Afrikas - ein Erbe der britischen Stadtplanung, die großzügige Parks und breite, baumgesäumte Alleen vorsah.

Wirtschaft: Aufstieg, Krise und Neuanfang

Harare war jahrzehntelang ein bedeutendes wirtschaftliches Zentrum im südlichen Afrika. Als Handelsknotenpunkt für Tabak und Baumwolle, als Sitz von Industrie- und Finanzunternehmen sowie als Standort wichtiger Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen nahm die Stadt eine herausragende Stellung ein. In den 1980er Jahren - unmittelbar nach der Unabhängigkeit - erlebte Simbabwe sogar eine Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs.

Dieser Aufschwung endete abrupt Ende der 1990er Jahre. Die gewaltsame Umverteilung von Farmland, bei der Weiße vertrieben und ihre Farmen an Anhänger der Regierung Mugabe vergeben wurden, zerstörte die landwirtschaftliche Produktivität des Landes. Internationale Sanktionen folgten, ausländische Investitionen blieben aus, die Devisenreserven schwanden.

Die Folge war eine der schlimmsten Hyperinflationen der Weltgeschichte. Im November 2008 wurde die monatliche Inflationsrate auf unfassbare 79,6 Milliarden Prozent geschätzt - Zahlen, die kaum noch vorstellbar sind. Die Regierung druckte immer größere Geldscheine: Zuerst Millionen, dann Milliarden, schließlich Billionen Simbabwe-Dollar. Ein Schein im Wert von 100 Billionen Simbabwe-Dollar reichte nicht einmal für eine einfache Busfahrt in Harare. Supermärkte stellten Preisschilder ein, da die Preise täglich mehrfach anstiegen.

2009 gab Simbabwe seine eigene Währung auf und stieg auf Fremdwährungen um, vor allem den US-Dollar und den südafrikanischen Rand. Dies stabilisierte die Wirtschaft zunächst erheblich. In den 2010er Jahren erholte sich Harare langsam: Geschäfte öffneten wieder, Investitionen kamen zurück und die Lebensmittelversorgung normalisierte sich. Doch strukturelle Probleme blieben bestehen: schlechte Infrastruktur, hohe Korruption, unsichere Eigentumsrechte und ein aufgeblähter Staatsapparat.

2019 führte Simbabwe eine neue Währung, den Simbabwe-Dollar (ZWL), wieder ein. Erneut kam es zu Inflation und Wechselkursproblemen. 2024 wurde mit dem Zimbabwe Gold Dollar (ZiG) eine weitere Währungsreform eingeführt, die an den Goldpreis gekoppelt ist. Ob diese Maßnahme nachhaltig Stabilität bringt, bleibt abzuwarten. Heute kämpft Harare weiterhin mit Stromausfällen, Wasserversorgungsproblemen und einer hohen Arbeitslosenquote, die auf inoffiziell geschätzte 80 bis 90 Prozent hinauslaufen könnte.

Stadtbild, Grünflächen und Sehenswürdigkeiten

Wer Harare besucht, trifft auf einen überraschend grünen Stadtkern. Breite Boulevards sind von Jacaranda-Bäumen gesäumt, die im Oktober und November in leuchtendem Violett erblühen und die Stadt in ein malerisches Farbenmeer verwandeln. Die Sam Nujoma Street (früher Second Street) gilt als eine der schönsten Alleen Afrikas und ist besonders im Herbst ein beeindruckender Anblick.

Zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten zählen:

  • Die National Gallery of Zimbabwe - eines der renommiertesten Kunstmuseen Afrikas, mit besonderem Schwerpunkt auf zeitgenössischer simbabwischer Kunst und Shona-Skulpturen aus Speckstein (Soapstone)
  • Das National Heroes Acre - ein imposantes Staatsdenkmal auf einem Hügel südwestlich der Innenstadt, das den Helden des Unabhängigkeitskampfes gewidmet ist und nordkoreanische Architektureinflüsse zeigt
  • Der Mbare Musika-Markt - der größte und belebteste Marktplatz der Stadt, an dem täglich tausende Menschen Waren aller Art kaufen und verkaufen, von frischen Lebensmitteln über Haushaltswaren bis hin zu Werkzeug
  • Das Eastgate Centre - ein architektonisches Highlight des Architekten Mick Pearce, das nach dem Vorbild eines Termitenhügels ohne konventionelle Klimaanlage belüftet wird und als Pionierwerk nachhaltiger Architektur gilt
  • Der Harare Gardens Park - ein innerstädtischer Park mit Teichen, Spielplätzen und Ruhezonen, beliebter Treffpunkt für Familien und Erholungssuchende
  • Das Zimbabwe Museum of Human Sciences - zeigt die Naturgeschichte des Landes sowie die reiche archäologische Hinterlassenschaft der Shona-Zivilisation

In der weiteren Umgebung von Harare befindet sich der Epworth Balancing Rock Park, wo natürlich geformte Felsformationen ein beliebtes Ausflugsziel darstellen. Diese Felsformationen sind eng mit der Shona-Kultur verbunden und galten historisch als heilige Orte.

Bevölkerung, Kultur und Identität

Harare ist eine multikulturelle Stadt, in der verschiedene Shona-Gruppen die Mehrheit der Bevölkerung stellen. Daneben leben Ndebele, kleinere afrikanische Bevölkerungsgruppen sowie eine zahlenmäßig schrumpfende Gemeinschaft aus Asiaten und Europäern in der Stadt. Englisch ist die offizielle Amtssprache im Regierungs- und Geschäftsverkehr, während Shona die meistgesprochene Alltagssprache der Bevölkerungsmehrheit ist. Simbabwe hat insgesamt 16 anerkannte Landessprachen.

Die Stadt hat eine lebendige und international geschätzte Kulturszene. Der Mbira-Sound - eine Musikgattung, die auf dem traditionellen Daumenklavier (Mbira) basiert - ist ein charakteristischer Klang der Shona-Kultur. Die Chimurenga-Musik, die von Musiker Thomas Mapfumo popularisiert wurde und mit dem Unabhängigkeitskampf verbunden ist, hat internationale Bekanntheit erlangt. In Harare gibt es zahlreiche Galerien, in denen die weltweit geschätzten Shona-Skulpturen aus Speckstein ausgestellt und verkauft werden.

Die Gastronomie Harares spiegelt die kulturelle Vielfalt wider: Neben simbabwischen Gerichten wie Sadza (ein Maisbrei, der als Grundnahrungsmittel gilt) und Nyama (Fleischgericht) findet man indische Restaurants, südafrikanische Steakhäuser und moderne Cafés. In den letzten Jahren hat Harare zunehmend junge kreative Unternehmer angezogen, die trotz wirtschaftlicher Widrigkeiten neue Restaurants, Kunsträume und Technologieunternehmen gründen.

Harare unterhält seit 1996 eine Städtepartnerschaft mit München. Im Jahr 2026 feiern beide Städte das 30-jährige Jubiläum dieser Partnerschaft mit verschiedenen Austauschprogrammen und kulturellen Projekten.

Politik und aktuelle Lage in Harare

Als Regierungssitz beherbergt Harare das Parlament, alle wichtigen Ministerien sowie die Residenz des Präsidenten. Seit dem Militärputsch im November 2017, der den langjährigen Präsidenten Robert Mugabe nach 37 Jahren an der Macht entmachtete, regiert Emmerson Mnangagwa das Land. Er wurde 2018 in einer umstrittenen Wahl erstmals zum Präsidenten gewählt und 2023 in einer Wahl bestätigt, bei der internationale Beobachter erhebliche Unregelmäßigkeiten feststellten.

Die politische Situation bleibt angespannt: Die Oppositionspartei CCC (Citizens Coalition for Change) und ihr Vorsitzender Nelson Chamisa genießen in Harare große Unterstützung, doch Oppositionelle und Menschenrechtsverteidiger berichten regelmäßig von Einschränkungen, Verhaftungen und Repressionen. Die nächsten Präsidentschaftswahlen sind gemäß der geltenden Verfassung für das Jahr 2028 vorgesehen.

Trotz politischer und wirtschaftlicher Schwierigkeiten ist Harare eine lebendige Stadt mit einer ausgeprägten Zivilgesellschaft. Unabhängige Medien, NGOs und eine aktive Jugendkultur prägen das Stadtleben. Das internationale Harare International Festival of the Arts (HIFA) zieht jährlich Künstler und Besucher aus aller Welt an.

Häufig gestellte Fragen

Wie heißt die Hauptstadt von Simbabwe?

Die Hauptstadt von Simbabwe heißt Harare. Bis 1982 trug die Stadt den Kolonialnamen Salisbury, der nach dem britischen Premierminister Lord Salisbury vergeben worden war. Nach der Unabhängigkeit Simbabwes im Jahr 1980 wurde die Stadt zwei Jahre später in Harare umbenannt, in Anlehnung an einen vorkolonialen Shona-Häuptling namens Neharawa.

Warum wurde Harare zur Hauptstadt von Simbabwe?

Harare wurde zur Hauptstadt, weil die britischen Kolonisatoren dort 1890 ihr erstes Fort errichteten und im Laufe der Jahrzehnte die gesamte Verwaltungsinfrastruktur des späteren Simbabwe aufbauten. Die zentrale geografische Lage auf dem gesunden Hochplateau von Mashonaland, das gemäßigte Klima, die Malaria-Freiheit und die gute Erreichbarkeit sprachen für den Standort. Nach der Unabhängigkeit 1980 blieb Harare Hauptstadt, da eine Verlegung der gesamten Regierungsstrukturen logistisch und finanziell unpraktikabel gewesen wäre.

Wie viele Einwohner hat Harare?

Laut der Volkszählung von 2022 leben rund 1,85 Millionen Menschen in der Stadt Harare. Die gesamte Metropolregion zählt mehr als 2,5 Millionen Einwohner und ist damit mit Abstand die größte städtische Agglomeration Simbabwes, vor Bulawayo als zweitgrößter Stadt.

Was bedeutet der Name Harare?

Der Name Harare leitet sich von einem Shona-Häuptling namens Neharawa ab, dessen Beiname in etwa "der, der nicht schläft" bedeutete. In der Nähe des heutigen Stadtzentrums, am Harare Kopje (einem markanten Felsenhügel), befand sich das Dorf Harare, das diesem Häuptling zugeordnet war. Bei der Umbenennung 1982 griff die neue Regierung auf diesen vorkolonialen Namen zurück, um der Stadt eine afrikanische Identität zu verleihen.

Welche Sprachen werden in Harare gesprochen?

In Harare werden vor allem Englisch und Shona gesprochen. Englisch ist die offizielle Amtssprache im Regierungs- und Geschäftsverkehr, während Shona die meistgesprochene Alltagssprache der Bevölkerungsmehrheit ist. Simbabwe hat insgesamt 16 anerkannte Landessprachen, darunter Ndebele, Chewa, Tonga und viele andere.

Was sind die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Harare?

Zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Harares zählen die National Gallery of Zimbabwe, das National Heroes Acre, der Mbare Musika-Markt, das nachhaltig gebaute Eastgate Centre sowie der Harare Gardens Park. Das Zimbabwe Museum of Human Sciences bietet Einblicke in die Naturgeschichte des Landes. In der näheren Umgebung sind der Epworth Balancing Rock Park und der Mukuvisi Woodlands Naturpark beliebte Ausflugsziele.