Hauptstadt von Washington: Olympia erklärt
Wenn von Washington die Rede ist, denken viele Menschen zunächst an die Bundeshauptstadt der USA, Washington D.C. Doch Washington ist auch ein US-Bundesstaat im äußersten Nordwesten des Landes - und dieser Staat hat eine eigene Hauptstadt: Olympia. Die mittelgroße Stadt am Südende des Puget Sound ist seit 1853 Regierungssitz des "Evergreen State" und beherbergt ein staatliches Kapitolgebäude mit einer der größten freitragenden Mauerwerkskuppeln der Welt. Wer verstehen will, warum nicht Seattle, sondern Olympia die Hauptstadt ist, muss tief in die Geschichte des pazifischen Nordwestens eintauchen.

Olympia: Die Hauptstadt des Bundesstaates Washington
Olympia ist eine mittelgroße Stadt mit rund 56.600 Einwohnern (Stand 2026) und der Verwaltungssitz von Thurston County. Die Stadt liegt am südlichen Zipfel des Puget Sound, der langen Meeresbucht, die sich von der Strait of Juan de Fuca ins Landesinnere zieht. Seattle, die mit Abstand größte Stadt des Bundesstaates mit rund 750.000 Einwohnern, liegt etwa 100 Kilometer nordöstlich von Olympia.
Der Name "Olympia" leitet sich von den Olympic Mountains ab, dem markanten Gebirgszug auf der Olympic-Halbinsel westlich des Puget Sound. Die schneebedeckten Gipfel der Olympics sind von Olympia aus bei klarem Wetter gut zu sehen. Benannt wurden die Berge 1788 von dem britischen Seefahrer John Meares nach dem mythischen Olymp, dem Götterberg der Griechen. Dieser Name wurde dann auf die aufkeimende Siedlung übertragen.
Die Stadt liegt im Thurston County, einem der am schnellsten wachsenden Counties im Bundesstaat Washington. Der Großraum Olympia-Lacey-Tumwater hat zusammen rund 280.000 Einwohner und ist wirtschaftlich eng verflochten. Olympia selbst wächst moderat: Die Bevölkerung stieg seit der letzten Volkszählung 2020 um rund 1,8 Prozent und wächst derzeit mit etwa 0,3 Prozent pro Jahr.
Warum ist Olympia die Hauptstadt und nicht Seattle?
Diese Frage stellen sich viele, wenn sie erfahren, dass nicht die weltbekannte Metropole Seattle, sondern das deutlich kleinere Olympia die Hauptstadt von Washington State ist. Die Antwort liegt in der Geschichte: Als Washington 1853 als eigenständiges Territorium von Oregon abgetrennt wurde, war Olympia die bedeutendste Siedlung der gesamten Region.
Isaac Stevens, der erste Gouverneur des Washington-Territoriums, proklamierte Olympia am 28. November 1853 zur Hauptstadt des neuen Territoriums. Zu diesem Zeitpunkt hatte Seattle kaum mehr als eine Handvoll Siedler und ein frisch gesägtes Sägewerk, während Olympia bereits ein etablierter Handelsposten, Hafen und Verwaltungsmittelpunkt war. Der südliche Puget Sound war in den frühen 1850er Jahren deutlich stärker besiedelt als der nördliche Teil.
Als Washington 1889 als 42. Bundesstaat offiziell in die Union aufgenommen wurde, gab es einen intensiven politischen Wettstreit um den dauerhaften Hauptstadtstatus. Städte wie Seattle, Yakima und Ellensburg bewarben sich ebenfalls, da sie schnell gewachsen waren und eigene politische Ambitionen hatten. Olympia setzte sich durch - teils wegen seiner etablierten Verwaltungsstruktur und den vorhandenen Regierungsgebäuden, teils wegen des politischen Gewichts der Bevölkerung im südlichen Puget Sound. Seitdem ist Olympia ohne Unterbrechung die Hauptstadt geblieben, obwohl Seattle in der Zwischenzeit zur Metropole herangewachsen ist und Olympia wirtschaftlich weit überflügelt hat.
Dieses Phänomen - eine vergleichsweise kleine Stadt als Hauptstadt neben einer viel größeren Metropole - ist in den USA gar nicht ungewöhnlich. Auch in New York State ist Albany (nicht New York City) die Hauptstadt, in Kalifornien Sacramento (nicht Los Angeles), und in Illinois Springfield (nicht Chicago). Historische Weichenstellungen, nicht aktuelle Einwohnerzahlen, bestimmen in föderalen Systemen oft den Hauptstadtstatus.
Das Kapitolgebäude: Wahrzeichen Olympias
Das prächtigste Bauwerk Olympias ist das Washington State Capitol, das Parlamentsgebäude des Bundesstaates. Es thront auf einem Hügel über der Stadt und ist von weitem zu sehen. Mit seiner riesigen Kuppel dominiert es die bescheidene Skyline der Stadt und ist das unbestrittene Wahrzeichen Olympias.
Die Geschichte des Kapitolkomplexes ist länger, als man denkt. Bereits in den 1890er Jahren wurde ein erstes Hauptgebäude genutzt, das sogenannte "Old Capitol", das heute als Schulbehörde dient. Das heutige "Legislative Building" - das Hauptgebäude mit der charakteristischen Kuppel - wurde zwischen 1912 und 1928 nach Plänen der New Yorker Architekturfirma Wilder and White im neoklassizistischen Stil errichtet. Die Bauzeit von 16 Jahren erklärt sich durch Unterbrechungen während des Ersten Weltkriegs und Finanzierungsprobleme.
Die Kuppel des Washington State Capitol ist ein architektonisches Meisterwerk: Mit einer Höhe von rund 88 Metern ist sie die viertgrößte freitragende Mauerwerkskuppel der Welt. Nur die Kuppeln des Petersdoms in Rom, der Basilika Santa Maria del Fiore in Florenz und des Panthéon in Paris übertreffen sie in der Größe. Im Inneren der Kuppel befindet sich ein beeindruckendes Deckengemälde. Das gesamte Gebäude steht auf einer Granitterrasse und ist von gepflegten Gartenanlagen umgeben. Besucherinnen und Besucher können das Gebäude täglich kostenlos besichtigen und an Führungen teilnehmen.
Zum Kapitolkomplex gehören neben dem Legislative Building noch mehrere weitere Gebäude: das Temple of Justice (Sitz des Obersten Gerichts Washingtons), das Governor's Mansion (Amtssitz des Gouverneurs), das Insurance Building und das General Administration Building, die alle in einem einheitlichen neoklassizistischen Stil gehalten sind.
Geschichte Olympias: Von der Siedlung zur Hauptstadt
Die Geschichte des heutigen Olympia beginnt lange vor der europäischen Besiedlung. Die Region um den südlichen Puget Sound war Heimat der Nisqually, der Squaxin Island und anderer Gruppen der Küsten-Salish-Völker, die hier seit Jahrtausenden als Fischer, Jäger und Sammler lebten. Der Lushootseed-Name für den Ort lautete "Cheetwoot", was so viel wie "Bärenort" bedeutete.
Die ersten europäisch-amerikanischen Siedler kamen um 1846 in die Gegend, angezogen von der Möglichkeit, Holz zu fällen und mit der Hudson's Bay Company Handel zu treiben. Eine Handelsstation unter dem Namen "Smithfield" entstand am Ufer des Budd Inlet, einer kleinen Bucht des Puget Sound. 1851 wurde die Siedlung auf Beschluss ihrer Bewohner in "Olympia" umbenannt.
Mit der Ausweisung als Hauptstadt des Washington-Territoriums 1853 begann Olympias rascher Aufstieg. Händler, Rechtsanwälte, Beamte und Handwerker zogen an. Ein Hafen wurde ausgebaut, Holz aus den umliegenden Wäldern wurde verschifft. Die Goldfunde in British Columbia (1858) sorgten für zusätzlichen Aufschwung, da Olympia ein wichtiger Versorgungshafen für Goldsuchende war. Ein Zeitungskommentator beschrieb Olympia damals als "die lebendigste kleine Stadt westlich der Rocky Mountains".
Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert diversifizierte sich die Wirtschaft erheblich: Austernernte im Puget Sound (die "Olympia-Auster" wurde berühmt), Molkereiwirtschaft im Hinterland, Kartonagefabriken und Holzindustrie prägten die Region. Mit dem Ausbau der Eisenbahnverbindungen - die Northern Pacific Railroad erreichte Olympia 1891 - und später der Straßen wurde Olympia fest in das wirtschaftliche Netz des Bundesstaates eingebunden.
Olympia heute: Regierung, Wirtschaft und Gesellschaft
Heute ist Olympia vor allem eine Regierungsstadt. Der Staatsapparat Washingtons ist der größte Arbeitgeber der Region. Im Kapitolkomplex und den umliegenden Verwaltungsgebäuden arbeiten tausende Beschäftigte in Ministerien, Behörden und Gerichten des Bundesstaates. Wenn der Landtag (Legislature) in Session ist - in der Regel von Januar bis April - belebt sich die Stadt zusätzlich durch Abgeordnete, ihre Stäbe, Lobbyisten und politische Aktivisten.
Die Wirtschaft Olympias ist dabei breiter aufgestellt als oft wahrgenommen. Neben der staatlichen Verwaltung sind Holzverarbeitung, Nahrungsmittelindustrie, Gesundheitswesen, Bildung und der Einzelhandel wichtige Branchen. Das mittlere Haushaltseinkommen lag 2024 bei rund 76.930 US-Dollar und ist seit 2015 um 45 Prozent gestiegen - ein Zeichen für die wachsende wirtschaftliche Dynamik der gesamten Puget-Sound-Region. Die Arbeitslosenquote betrug im Dezember 2024 etwa 4,7 Prozent.
Seit Anfang 2025 ist Bob Ferguson der Gouverneur Washingtons. Er ist Demokrat und führt damit die Tradition fort, die den Gouverneursposten des Bundesstaates seit 1985 ununterbrochen hält. Im Februar 2025 verabschiedete der Stadtrat von Olympia eine Resolution, die die Stadt zur sogenannten Schutzstadt (Sanctuary City) für LGBTQ+-Menschen erklärt - ein Signal für die progressiv ausgerichtete politische Kultur der Stadt.
Sehenswürdigkeiten und Besonderheiten Olympias
Olympia ist trotz seiner vergleichsweise geringen Größe eine lebendige Stadt mit mehreren Sehenswürdigkeiten und einer ausgeprägten Kulturszene:
- Washington State Capitol Campus: Das Parlamentsgebäude mit den umliegenden Verwaltungsgebäuden und Gartenanlagen ist das Herzstück der Stadt und kostenlos zu besichtigen.
- Percival Landing: Eine attraktive Uferpromenade am Budd Inlet mit Aussicht auf den Puget Sound und die Olympic Mountains.
- Capitol Lake: Ein künstlicher See direkt neben dem Kapitol, der durch einen Damm im Deschutes River entstanden ist und zum Spazierengehen und Vogelbeobachten einlädt.
- Olympia Farmers Market: Einer der ältesten und beliebtesten Wochenmärkte im Bundesstaat, berühmt für regionale Produkte, Meeresfrüchte und Kunsthandwerk.
- The Evergreen State College: Eine renommierte Hochschule in Olympia mit besonderem interdisziplinärem pädagogischen Konzept, die keine Noten, sondern narrative Beurteilungen ausstellt.
- Washington Center for the Performing Arts: Das wichtigste Kulturzentrum der Stadt mit Theater-, Konzert- und Tanzaufführungen.
Die Stadt ist darüber hinaus für ihre lebendige Musikszene bekannt. In den 1990er Jahren war Olympia ein bedeutendes Zentrum der Indie-Rock- und Riot-Grrrl-Bewegung. Bands wie Sleater-Kinney und das einflussreiche Independent-Label Kill Rock Stars haben ihre Wurzeln in Olympia. Diese Musikszene hat der Stadt ein kulturelles Profil gegeben, das weit über ihre Einwohnerzahl hinausreicht.
Washington D.C. versus Washington State: Ein häufiges Missverständnis
Der Name "Washington" steht in den USA für zwei völlig verschiedene politische Einheiten, was regelmäßig zu Verwirrung führt - auch bei manchen Amerikanern selbst. Washington D.C. (District of Columbia) ist die Bundeshauptstadt der gesamten USA, gelegen an der Ostküste zwischen den Bundesstaaten Maryland und Virginia, und nach Präsident George Washington benannt. Es ist kein Bundesstaat, sondern ein eigens dafür geschaffenes Bundesdistrikt.
Der Bundesstaat Washington hingegen liegt im äußersten Nordwesten der USA, an der Grenze zu Kanada (British Columbia) und Oregon, und blickt auf den Pazifischen Ozean. Er wurde ebenfalls nach George Washington benannt, ist aber ein eigenständiges Bundesland mit gewähltem Gouverneur, eigenem Zwei-Kammer-Parlament und eigener Verfassung. Um die Verwechslung zu vermeiden, sprechen Bewohner des Bundesstaates oft von "Washington State". Die Postabkürzung "WA" steht für den Bundesstaat, "D.C." für die Bundeshauptstadt.
Olympia ist damit die Hauptstadt von Washington State (WA) - eine Tatsache, die auch in Quiz-Shows und Wissenstests gerne abgefragt wird, weil sie viele überrascht.
Häufig gestellte Fragen
Was ist die Hauptstadt von Washington State?
Die Hauptstadt des US-Bundesstaates Washington ist Olympia. Die Stadt liegt am südlichen Ende des Puget Sound im Nordwesten der USA und ist seit 1853 Regierungssitz des Bundesstaates. Nicht zu verwechseln mit Washington D.C., der Bundeshauptstadt der gesamten Vereinigten Staaten.
Warum ist nicht Seattle die Hauptstadt von Washington?
Als Washington 1853 zum Territorium erklärt wurde, war Olympia die bedeutendste Siedlung der Region, während Seattle kaum besiedelt war. Olympia wurde daraufhin zur Hauptstadt ernannt und behielt diesen Status, auch als Seattle im späteren 19. und 20. Jahrhundert zur größten Stadt des Bundesstaates heranwuchs. Politische Kontinuität und die etablierte Verwaltungsinfrastruktur verhinderten eine spätere Hauptstadtverlegung.
Wie groß ist Olympia, die Hauptstadt von Washington?
Olympia hat rund 56.600 Einwohner (2026) und ist damit deutlich kleiner als Seattle (rund 750.000 Einwohner). Der Großraum Olympia-Lacey-Tumwater umfasst zusammen etwa 280.000 Einwohner. Die Stadt wächst moderat, bleibt aber eine der kleineren Hauptstädte unter den US-Bundesstaaten.
Was ist das bekannteste Bauwerk in Olympia?
Das Washington State Capitol ist das bekannteste und architektonisch bedeutendste Gebäude Olympias. Seine Kuppel ist die viertgrößte freitragende Mauerwerkskuppel der Welt. Das Hauptgebäude (Legislative Building) wurde zwischen 1912 und 1928 im neoklassizistischen Stil errichtet und ist täglich kostenlos zu besichtigen.
Was bedeutet der Spitzname "Evergreen State" für Washington?
Der Spitzname "Evergreen State" (Immergrüner Staat) verweist auf die üppigen Nadelwälder, die weite Teile Washingtons bedecken. Die feuchten Winter und milden Sommer der Pazifikküste begünstigen das Wachstum von Douglasien, Hemlocktannen und anderen Nadelbäumen, die das Landschaftsbild prägen. Der Name findet sich auch im Namen der Olympia-Hochschule "The Evergreen State College" wieder.
Welche Wirtschaftszweige sind in Olympia wichtig?
Olympias Wirtschaft wird von der staatlichen Verwaltung dominiert, da die Stadt Regierungssitz des Bundesstaates ist. Daneben sind Gesundheitswesen, Bildung (insbesondere The Evergreen State College), Holzverarbeitung, Nahrungsmittelindustrie und der Einzelhandel bedeutende Wirtschaftszweige. Das mittlere Haushaltseinkommen liegt bei rund 76.930 US-Dollar pro Jahr (2024).