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ATACMS-Raketen: Kosten, Reichweite und technische Daten

Veröffentlicht 28. November 2024 Aktualisiert 15. Juni 2026

Was kosten ATACMS-Raketen und wie hoch ist ihre Reichweite?

Das Army Tactical Missile System (ATACMS) ist eine taktische ballistische Kurzstreckenrakete des US-amerikanischen Rüstungskonzerns Lockheed Martin. Seit den 1990er-Jahren im Dienst der US-Armee, erlangte die Rakete ab 2023 internationale Aufmerksamkeit durch ihren Einsatz im Ukraine-Krieg. Wer sich fragt, was eine ATACMS-Rakete kostet und wie weit sie fliegen kann, stößt auf ein System mit erheblicher Bandbreite – sowohl bei Varianten als auch bei Preisen.

Technische Grunddaten

Das ATACMS-System trägt die offizielle Bezeichnung MGM-140. Die Rakete ist rund 4 Meter lang und hat einen Durchmesser von 610 Millimetern. Als Antrieb dient ein Feststoffraketentriebwerk; die Lenkung erfolgt über eine Kombination aus GPS und trägheitsnavigatorischen Systemen (INS), was eine hohe Präzision auch gegen bewegliche oder stark befestigte Ziele ermöglicht. Die Fluggeschwindigkeit ist überschallschnell.

Abgefeuert werden kann ATACMS von zwei weit verbreiteten Plattformen:

  • M270 MLRS (Multiple Launch Rocket System) – ein Kettenfahrzeug
  • M142 HIMARS (High Mobility Artillery Rocket System) – ein Radfahrzeug mit höherer Mobilität

Beide Systeme sind bereits bei zahlreichen NATO-Partnern im Einsatz, was die Integration von ATACMS-Munition verhältnismäßig unkompliziert macht.

Reichweite: Je nach Variante bis zu 300 km

Die Reichweite des ATACMS variiert je nach Modellversion erheblich. Die wichtigsten im Einsatz befindlichen Varianten sind:

MGM-140A (Block I)

Die älteste Serienversion hat eine effektive Reichweite von rund 165 Kilometern. Der Gefechtskopf ist mit 950 M74-Submunitionen (Streumunition) bestückt. Diese Variante wurde zuerst an die Ukraine geliefert, um russische Logistikrouten und Luftabwehrstellungen auf der Krim sowie im Hinterland zu bedrohen.

MGM-140B (Block IA)

Die weiterentwickelte Version verfügt über eine Reichweite von bis zu 300 Kilometern (rund 190 Meilen). Erkauft wird die größere Reichweite durch eine reduzierte Submunitionslast: Der Gefechtskopf enthält nur noch 300 M74-Streukörper. Dennoch gilt diese Variante als besonders wertvoll für präzise Tiefschläge gegen hochwertige Ziele wie Kommandozentralen, Munitionsdepots oder Luftabwehrsysteme.

Unitary-Varianten (Block IVA)

Neuere Versionen mit einheitlichem Gefechtskopf (statt Streumunition) wurden entwickelt, um internationalen Verboten für Streumunition zu entsprechen. Sie sind ebenfalls auf eine Reichweite von bis zu 300 Kilometern ausgelegt und gelten heute als Standard für Neubestellungen.

Kosten: Was kostet eine ATACMS-Rakete?

Der Stückpreis einer ATACMS-Rakete ist nicht einheitlich – er hängt stark von der bestellten Variante, der Losgröße und den im Vertrag enthaltenen Leistungen (Training, Logistik, Integration) ab. Bekannte Referenzwerte:

  • In einem US-Rüstungsvertrag aus dem Jahr 2020 wurde ein Stückpreis von rund 1,065 Millionen US-Dollar ausgewiesen.
  • Finnland erwarb 2012 ATACMS-Raketen zu einem Preis von etwa 1,9 Millionen US-Dollar pro Einheit – ein höherer Preis, der auch Transfer- und Integrationskosten enthielt.
  • Als grobe Bandbreite gelten aktuell (2026) 820.000 bis 2 Millionen US-Dollar pro Rakete.

Im Vergleich zu anderen Präzisionssystemen ist ATACMS damit kein billiges Verbrauchsmittel. Bei Stückkosten von teils über einer Million Dollar pro Abschuss sind die Raketen für hochpriorisierte Ziele reserviert, nicht für den Flächeneinsatz. Angesichts begrenzter Lagerbestände auch der US-Armee zählen Lieferungen an Verbündete stets zu politisch sensiblen Entscheidungen.

Einsatz im Ukraine-Krieg ab 2023

Im Oktober 2023 bestätigten US-Regierungsvertreter offiziell, dass die Ukraine ATACMS-Raketen erhalten hatte und im Gefecht einsetzte. Zunächst wurden die kürzreichweitigen MGM-140A-Varianten geliefert, später auch die weitreichenden 300-km-Versionen. Bekannte Ziele waren russische Luftverteidigungsanlagen (S-300/S-400-Radargeräte und Abschussvorrichtungen) sowie auf dem Boden abgestellte Kampfflugzeuge auf der besetzten Krim.

Der Einsatz zeigte deutlich die strategische Stärke des Systems: Durch die Reichweite von 300 Kilometern konnten Ziele tief im russisch kontrollierten Hinterland erreicht werden, ohne dass die Abschussfahrzeuge in die Frontzone vordringen mussten.

Nachfolger: Precision Strike Missile (PrSM)

Das US-Militär arbeitet seit Jahren an einem Nachfolgesystem: der Precision Strike Missile (PrSM), ebenfalls von Lockheed Martin entwickelt. Im Juli 2025 erreichte das Programm den Meilenstein C und trat damit offiziell in die Serienproduktionsphase ein. Im September 2025 wurden erste operative Tests erfolgreich abgeschlossen.

Im März 2026 kündigte Lockheed Martin an, die PrSM-Produktion zu vervierfachen – auf Basis eines US-Army-Vertrags in Höhe von bis zu 4,94 Milliarden US-Dollar. Die PrSM-Rakete ist für dieselben Abschussplattformen (HIMARS und M270) ausgelegt wie ATACMS, soll aber eine größere Reichweite bieten und modernere Zielsystemoptionen mitbringen. ATACMS wird damit mittelfristig abgelöst.

Parallel dazu entwickelt Großbritannien im Auftrag der Regierung seit August 2025 eine eigene bodengestützte Rakete namens Nightfall mit einer angestrebten Reichweite von 600 Kilometern – primär als mögliche Ergänzung für ukrainische Streitkräfte gedacht.

Häufig gestellte Fragen

Was kostet eine ATACMS-Rakete?

Der Stückpreis liegt je nach Variante und Vertragskonditionen zwischen rund 820.000 und 2 Millionen US-Dollar. Ein US-Vertrag aus 2020 wies etwa 1,065 Millionen Dollar pro Rakete aus; Finnland zahlte 2012 rund 1,9 Millionen Dollar pro Stück inklusive Nebenleistungen.

Wie weit fliegt eine ATACMS-Rakete?

Die Reichweite hängt von der Variante ab. Die ältere MGM-140A erreicht rund 165 Kilometer, während die modernere MGM-140B sowie aktuelle Unitary-Varianten bis zu 300 Kilometer weit fliegen können.

Von welchen Fahrzeugen wird ATACMS abgefeuert?

ATACMS kann sowohl vom Kettenfahrzeug M270 MLRS als auch vom radgetriebenen M142 HIMARS abgefeuert werden. Beide Systeme sind weit verbreitet unter NATO-Verbündeten und ermöglichen so eine einfache Integration der ATACMS-Munition.

Welches System ersetzt ATACMS?

Der offizielle Nachfolger ist die Precision Strike Missile (PrSM) von Lockheed Martin. Sie ist seit Juli 2025 in Serienproduktion und soll auf denselben Abschussplattformen (HIMARS, M270) eingesetzt werden. Im März 2026 wurde die Produktion auf Basis eines Milliarden-Dollar-Vertrags vervierfacht.

Hat die Ukraine ATACMS-Raketen erhalten?

Ja. Ab Oktober 2023 erhielt die Ukraine zunächst die kürzreichweitigen MGM-140A-Varianten, später auch die 300-km-fähigen Versionen. Der Einsatz richtete sich vor allem gegen russische Luftabwehrsysteme und Militärflugzeuge auf der besetzten Krim.

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