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Äquinoktien: Was die Tagundnachtgleiche bedeutet

Veröffentlicht 28. November 2024 Aktualisiert 15. Juni 2026

Was sind Äquinoktien und warum spielen sie eine Rolle?

Als Äquinoktium — Mehrzahl Äquinoktien — bezeichnet man jene zwei Zeitpunkte im Jahr, an denen die Sonne den Himmelsäquator überquert und Tag und Nacht auf der gesamten Erde nahezu gleich lang sind. Der Begriff stammt aus dem Lateinischen: aequus (gleich) und nox (Nacht). Im deutschen Sprachgebrauch ist auch die Bezeichnung Tagundnachtgleiche geläufig. Die beiden Äquinoktien markieren astronomisch den Beginn des Frühlings und des Herbstes — und sind seit Jahrtausenden Ankerpunkte für Kalender, Kulturen und religiöse Feste weltweit.

Was sind Äquinoktien und warum spielen sie eine Rolle?

Die Astronomie hinter dem Äquinoktium

Das Phänomen entsteht durch die Neigung der Erdachse gegenüber der Ekliptikebene — jener gedachten Fläche, auf der die Erde die Sonne umkreist. Diese Neigung beträgt etwa 23,44 Grad. Weil die Erdachse dauerhaft in dieselbe Richtung zeigt (auf den Himmelsnordpol nahe dem Polarstern), variiert der Winkel, unter dem Sonnenstrahlen auf die Erdoberfläche treffen, im Laufe eines Jahres erheblich.

Zweimal jährlich befindet sich die Erde in einer Position, in der keiner der beiden Pole stärker zur Sonne geneigt ist als der andere. In diesem Moment steht die Sonne genau über dem Erdäquator. Sie überquert dabei scheinbar den Himmelsäquator — die gedachte Verlängerung des Erdäquators in den Weltraum — und kreuzt damit die Ekliptik. Diese Schnittpunkte heißen Frühlingspunkt (Frühlings-Äquinoktium) und Herbstpunkt (Herbst-Äquinoktium).

Frühjahrs- und Herbst-Äquinoktium im Vergleich

Die beiden Äquinoktien unterscheiden sich nicht in ihrer astronomischen Natur, wohl aber in ihrer Bedeutung für die jeweilige Erdhalbkugel:

  • März-Äquinoktium (Frühjahrs-Äquinoktium): Auf der Nordhalbkugel markiert es den astronomischen Frühlingsanfang. Die Sonne wandert von der südlichen in die nördliche Himmelshälfte. Auf der Südhalbkugel beginnt gleichzeitig der Herbst.
  • September-Äquinoktium (Herbst-Äquinoktium): Die Sonne überquert den Himmelsäquator von Norden nach Süden. Im deutschsprachigen Raum beginnt damit der astronomische Herbst; auf der Südhalbkugel startet der Frühling.

Die Begriffe "Frühlings-" und "Herbst-Äquinoktium" sind also relativ: Was für Berlin der Herbstbeginn ist, ist für Sydney der Frühlingsanfang.

Wann genau findet das Äquinoktium 2026 statt?

In 2026 fallen die Äquinoktien auf folgende Zeitpunkte:

  • Frühjahrs-Äquinoktium: 20. März 2026 um 15:45 Uhr MEZ
  • Herbst-Äquinoktium: 23. September 2026 um 02:05 Uhr MESZ

Das genaue Datum schwankt von Jahr zu Jahr leicht — zwischen dem 19. und 21. März bzw. dem 22. und 24. September. Grund dafür ist, dass das Kalenderjahr (365 oder 366 Tage) nicht exakt mit dem tropischen Jahr übereinstimmt, also der Zeit, die die Erde benötigt, um die Sonne einmal zu umrunden (etwa 365,2422 Tage). Schalttage gleichen diese Abweichung näherungsweise aus.

Sind Tag und Nacht wirklich genau gleich lang?

Trotz des Namens ist die tatsächliche Tageslänge am Äquinoktium nicht exakt zwölf Stunden — aus zwei Gründen:

  • Refraktion der Atmosphäre: Die Erdatmosphäre bricht das Sonnenlicht, sodass die Sonne bereits sichtbar ist, bevor sie geometrisch über den Horizont tritt, und auch noch nach dem geometrischen Untergang sichtbar bleibt. Dies verlängert den scheinbaren Tag um einige Minuten.
  • Scheibengröße der Sonne: Sonnenauf- und -untergang werden nach dem oberen Rand der Sonnenscheibe gemessen, nicht nach der Mitte. Auch das dehnt die Tageslichtzeit leicht aus.

Der Zeitpunkt, an dem Tag und Nacht exakt gleich lang sind, nennt sich Äquilux und liegt je nach geografischer Breite einige Tage vor oder nach dem eigentlichen Äquinoktium. Am Äquator selbst sind die Abweichungen am geringsten.

Kulturelle und historische Bedeutung

Äquinoktien gehören zu den frühesten astronomischen Beobachtungen der Menschheitsgeschichte. Schon prähistorische Kulturen richteten ihre Bauwerke an ihnen aus — etwa die Passage des Megalithgrabes Newgrange in Irland, die zum Wintersolstitium ausgerichtet ist, oder Anlagen wie Stonehenge, bei dem Sonnenwendpunkte und Äquinoktien eine Rolle spielen.

Kalender und Zeitmessung

Das März-Äquinoktium bildete die Grundlage vieler Kalenderreformen. Der Julianische Kalender verankerte es als Referenzpunkt für die Frühjahrsgleiche um den 25. März. Als dieser Kalender im Laufe der Jahrhunderte gegenüber dem Sonnenjahr zurückfiel, verschob sich das Äquinoktium — ein Problem, das die Berechnung des Osterdatums zunehmend erschwerte. Papst Gregor XIII. ließ 1582 deshalb den Gregorianischen Kalender einführen, der das Äquinoktium wieder auf den 21. März fixierte.

Der iranische Kalender beginnt sein Jahr noch heute mit dem Frühjahrs-Äquinoktium. Das persische Neujahrsfest Nowruz ("Neuer Tag") wird am 20. März 2026 gefeiert — ein UNESCO-immaterielles Kulturerbe mit mehr als 3.000 Jahren Geschichte.

Religiöse Feste

Das christliche Osterfest ist direkt an das Frühjahrs-Äquinoktium gekoppelt: Es fällt auf den ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach dem 21. März — frühestens auf den 22. März, spätestens auf den 26. April. Diese Regel legte das Konzil von Nicäa im Jahr 325 n. Chr. fest. Damit hängt der Termin von drei Variablen ab: dem Äquinoktium, dem Mondphase und dem Wochentag.

Auch das jüdische Pessachfest orientiert sich am Frühlingsäquinoktium: Es findet im ersten Frühlingsmonat (Nisan) statt, stets nahe der Tagundnachtgleiche. In Babylon feierte man zu beiden Äquinoktien das Neujahrsfest Akitu, das zu den ältesten dokumentierten Festen der Menschheit zählt.

Weltkulturen

In Japan ist der Shunbun no Hi (Frühjahrs-Äquinoktium) ein gesetzlicher Feiertag, an dem Familien die Gräber ihrer Vorfahren besuchen. Die Maya richteten ihre Pyramiden — etwa die Pyramide des Kukulcán in Chichén Itzá — so aus, dass beim Äquinoktium ein faszinierendes Schattenspiel die herabsteigende Schlangengottheit symbolisiert. Zahlreiche heidnische und neuheidnische Traditionen feiern das Frühjahrs-Äquinoktium unter dem Namen Ostara als Frühlingsfest der Erneuerung.

Bedeutung für Wissenschaft und Navigation

In der Astronomie dienen die Äquinoktien als Referenzpunkte für das äquatoriale Koordinatensystem, das Positionen von Himmelskörpern beschreibt. Der Frühlingspunkt — also der Punkt, an dem die Sonne zum März-Äquinoktium steht — definiert den Nullpunkt der Rektaszension, dem himmlischen Äquivalent zum geografischen Längengrad. Durch das Phänomen der Präzession (eine langsame Kreiselbewegung der Erdachse mit einem Zyklus von etwa 26.000 Jahren) wandert dieser Punkt langsam durch die Tierkreiszeichen — er liegt heute nicht mehr im Widder, wie zur Zeit seiner Definition, sondern im Sternbild Fische.

Für Seefahrer war das Äquinoktium historisch essenziell: Zu diesen Terminen lässt sich der Ostpunkt und der Westpunkt des Horizonts besonders präzise bestimmen, was die Navigation erleichterte.

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet Äquinoktium auf Deutsch?

Äquinoktium bedeutet auf Deutsch "Tagundnachtgleiche". Der Begriff stammt aus dem Lateinischen: aequus (gleich) und nox (Nacht). An diesem Zeitpunkt sind Tag und Nacht auf der Erde nahezu gleich lang.

Wann sind die Äquinoktien 2026?

2026 findet das Frühjahrs-Äquinoktium am 20. März um 15:45 Uhr MEZ statt, das Herbst-Äquinoktium am 23. September um 02:05 Uhr MESZ. Diese Zeitpunkte markieren den astronomischen Beginn von Frühling und Herbst auf der Nordhalbkugel.

Warum ist das Äquinoktium für Ostern wichtig?

Das Osterdatum wird nach dem Frühjahrs-Äquinoktium berechnet: Ostern fällt auf den ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach dem 21. März. Diese Regel geht auf das Konzil von Nicäa (325 n. Chr.) zurück. Ohne das Äquinoktium als Fixpunkt ließe sich kein eindeutiges Osterdatum bestimmen.

Warum sind Tag und Nacht am Äquinoktium nicht exakt gleich lang?

Zwei Faktoren sorgen dafür, dass die Tageslänge am Äquinoktium etwas länger als zwölf Stunden ist: Die Erdatmosphäre bricht das Licht und lässt die Sonne früher aufgehen und später untergehen als geometrisch korrekt. Zudem wird der Sonnenuntergang nach dem oberen Rand der Sonnenscheibe gemessen, nicht nach der Mitte. Den Zeitpunkt exakt gleicher Tageslänge nennt man Äquilux.

Was ist der Unterschied zwischen Äquinoktium und Sonnenwende?

Beim Äquinoktium (Tagundnachtgleiche) stehen Tag und Nacht ungefähr im Gleichgewicht, weil die Sonne genau über dem Äquator steht. Bei der Sonnenwende (Solstitium) ist die Sonnenbahn am nördlichsten oder südlichsten Punkt: Die Tage sind am längsten (Sommersonnenwende) oder kürzesten (Wintersonnenwende). Äquinoktien markieren Frühlings- und Herbstanfang, Sonnenwenden markieren Sommer- und Winteranfang.

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