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Teddybär: Woher der Name stammt – die ganze Geschichte

Veröffentlicht 4. November 2024 Aktualisiert 15. Juni 2026

Was steckt hinter dem Namen Teddybär? Die Geschichte erklärt!

Der Teddybär gehört zu den bekanntesten Spielzeugen der Welt – doch nur wenige wissen, dass sein Name auf einen US-Präsidenten zurückgeht. Hinter dem harmlosen Kuscheltier steckt eine überraschend konkrete Entstehungsgeschichte, die sich im November 1902 im amerikanischen Mississippi ereignete und innerhalb weniger Monate zwei Kontinente erfasste.

Was steckt hinter dem Namen Teddybär? Die Geschichte erklärt!

Teddy Roosevelt: Der Präsident, der einem Bären das Leben schenkte

Theodore Roosevelt, der 26. Präsident der Vereinigten Staaten, war ein passionierter Großwildjäger. Im November 1902 reiste er nach Mississippi, um auf Einladung des dortigen Gouverneurs an einer Bärenjagd teilzunehmen. Die Jagd verlief zunächst erfolglos – Roosevelt hatte nach mehreren Tagen keinen Bären zu Gesicht bekommen. Daraufhin fingen einige Begleiter einen alten, erschöpften Schwarzbären, banden ihn an einen Weidenbaum und boten Roosevelt so einen sicheren Schuss an.

Der Präsident lehnte ab. Einen gefesselten, wehrlosen Bären zu erschießen galt ihm als unritterlich und dem Geist der Jagd widersprechend. Er soll das Tier am Ende sogar aus Gründen der Gnade töten lassen haben – nicht durch seine Hand, sondern um das Leiden des verletzten Tieres zu beenden. Diese Geste der Schonung sollte Weltgeschichte schreiben.

Die Karikatur, die alles auslöste

Am 16. November 1902 erschien in der Washington Post eine politische Karikatur des Zeichners Clifford K. Berryman mit dem Titel „Drawing the Line in Mississippi". Sie zeigte Roosevelt, wie er sich von einem an einen Baum gefesselten kleinen Bären abwendet – verweigernde Geste, aufrechte Haltung, klare Botschaft. Die Karikatur hatte eine doppelte Bedeutung: Sie spielte auch auf einen damaligen Grenzstreit zwischen Mississippi und Louisiana an. Doch das Publikum interessierte vor allem das Bild des mitfühlenden Präsidenten.

Berryman erkannte das Potenzial des kleinen Bären als Symbol und verwendete ihn in zahlreichen weiteren Karikaturen über Roosevelt. Das niedliche Bärenjunge wurde zur wiederkehrenden Begleitfigur des Präsidenten in der Presse – und damit zu einem der ersten viralen Bilder der Mediengeschichte.

Morris Michtom: Der Kaufmann, der den Namen erfand

In Brooklyn, New York, führte der aus Russland eingewanderte Morris Michtom gemeinsam mit seiner Frau Rose einen kleinen Süßwaren- und Spielzeugladen. Als er Berrymans Karikatur sah, nähte Rose Michtom aus Plüschstoff einen kleinen Bären und stellte ihn ins Schaufenster – versehen mit einem handgeschriebenen Schild: „Teddy's Bear".

Der Spitzname „Teddy" war zu dieser Zeit der vertraute Kosename für den Präsidenten, der unter diesem Namen in der Bevölkerung bekannt und beliebt war – obwohl Roosevelt selbst angeblich nicht besonders viel für diesen Rufnamen übrig hatte. Michtom schrieb dem Präsidenten einen Brief und bat um Erlaubnis, seinen Namen für das Spielzeug verwenden zu dürfen. Roosevelt soll geantwortet haben, er bezweifle, dass sein Name dem Spielzeugbären viel nütze, erteile aber seine Zustimmung. Der originale Brief gilt als verschollen.

Die Nachfrage überstieg schnell Michtoms Kapazitäten. 1907 gründete er die Ideal Novelty and Toy Company, die zu einem der bedeutendsten Spielzeugkonzerne der USA werden sollte. Der Name „Teddy Bear" verbreitete sich rasch als feststehender Begriff für den Plüschbären.

Steiff: Die deutsche Parallele aus Giengen an der Brenz

Nahezu zeitgleich und vollständig unabhängig entwickelte sich auf der anderen Seite des Atlantiks die zweite Säule der Teddybär-Geschichte. Margarete Steiff, eine Spielzeugherstellerin aus Giengen an der Brenz in Baden-Württemberg, die seit Kindheit an den Folgen einer Kinderlähmung litt und im Rollstuhl saß, hatte sich seit den 1880er Jahren mit handgefertigtem Filz- und Plüschspielzeug einen Namen gemacht.

Ihr Neffe Richard Steiff, der als Designer ins Unternehmen eingestiegen war, entwarf 1902 einen neuartigen Plüschbären: das Modell 55 PB – die Bezeichnung stand für 55 Zentimeter Größe, Plüsch und bewegliche (B für „beweglich") Gliedmaßen. Es war das erste Stofftier überhaupt, dessen Arme, Beine und Kopf drehbar waren. Dieser Gelenkbär unterschied sich fundamental von allen bisherigen Spielzeugfiguren.

Auf der Leipziger Mustermesse 1903 präsentierte Steiff den neuen Bären. Zunächst zeigte das Fachpublikum kaum Interesse. Erst am letzten Messetag kam ein amerikanischer Einkäufer an den Stand und bestellte auf der Stelle 3.000 Exemplare – eine für damalige Verhältnisse gewaltige Bestellung. Damit begann der globale Siegeszug des Steiff-Bären. Im Rekordjahr 1907 produzierte die Firma fast eine Million Teddybären in verschiedenen Größen.

Zwei Erfindungen, ein Name

Die Forschung hat heute Einigkeit darüber hergestellt, dass Michtom und Steiff ihre Bären unabhängig voneinander und nahezu gleichzeitig entwickelten – ohne gegenseitiges Wissen, auf verschiedenen Kontinenten, im selben Jahrfenster 1902/1903. Was den Namen betrifft, stammt er eindeutig aus Amerika: Es war Morris Michtom, der die Verbindung zu Roosevelts Spitznamen herstellte und den Begriff „Teddy Bear" prägte.

Der deutsche Steiff-Bär übernahm den anglisierten Namen, als die Spielzeuge auf dem Weltmarkt zusammentrafen. Im deutschsprachigen Raum etablierte sich das Kompositum „Teddybär" als direkte Übernahme aus dem Englischen – ein seltener Fall, in dem ein Eigenname eines lebenden Politikers dauerhaft zum Gattungsnamen eines Alltagsgegenstands wurde.

Vom Politiker-Souvenir zum Kulturphänomen

Der Teddybär breitete sich in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts rasend schnell aus. Bücher wie A. A. Milnes Winnie-the-Pooh (1926) oder Michael Bonds Paddington Bear (1958) verankerten den Teddybären tief in der Kindheitsliteratur und im kollektiven Gedächtnis. Heute gilt er als eines der meistproduzierten Spielzeuge der Welt und ist in zahlreichen Museen, darunter dem Smithsonian Institution in Washington D.C., als kulturgeschichtliches Exponat vertreten.

Steiff feierte 2023 das 120-jährige Jubiläum des Teddybären und erinnerte damit an die Mustermesse-Bestellung von 1903. Das Unternehmen produziert bis 2026 weiterhin Sammlerstücke in Giengen an der Brenz und gilt als eine der ältesten lebenden Verbindungen zur Ursprungsgeschichte des Kuscheltieres.

Häufig gestellte Fragen

Warum heißt der Teddybär „Teddy"?

Der Name leitet sich vom Spitznamen des US-Präsidenten Theodore Roosevelt ab, der allgemein „Teddy" genannt wurde. Nachdem Roosevelt 1902 auf einer Jagd einen gefesselten Bären verschonte, schuf der New Yorker Kaufmann Morris Michtom einen Plüschbären und nannte ihn „Teddy's Bear" – woraus der Begriff „Teddy Bear" entstand.

Wer hat den Teddybären erfunden – Amerika oder Deutschland?

Beide unabhängig voneinander: Morris Michtom in Brooklyn erfand den Namen und das Konzept nach einer Roosevelt-Karikatur von 1902. Gleichzeitig entwickelte Richard Steiff in Giengen an der Brenz für die Firma Steiff einen Plüschbären mit beweglichen Gliedmaßen, der 1903 auf der Leipziger Messe seinen Durchbruch erlebte. Den Namen „Teddy Bear" prägte die amerikanische Seite.

Welche Karikatur löste die Teddybär-Geschichte aus?

Die Karikatur „Drawing the Line in Mississippi" von Clifford K. Berryman, erschienen am 16. November 1902 in der Washington Post. Sie zeigte Roosevelt, wie er sich weigert, einen gefesselten Bären zu erschießen, und wurde zur Vorlage für das erste kommerziell verkaufte „Teddy's Bear".

Hat Theodore Roosevelt den Namen genehmigt?

Laut überlieferter Geschichte schrieb Morris Michtom dem Präsidenten und erhielt seine Zustimmung, den Spitznamen für das Spielzeug zu verwenden. Roosevelt soll geschrieben haben, er bezweifle den Nutzen seines Namens für ein Spielzeug, erteile aber seine Erlaubnis. Der Originalbrief ist heute nicht mehr auffindbar.

Wann wurde der erste Steiff-Teddybär verkauft?

Auf der Leipziger Mustermesse 1903 bestellte ein amerikanischer Händler am letzten Messetag 3.000 Exemplare des Steiff-Modells 55 PB – dem ersten Plüschbären mit beweglichen Gliedmaßen. Dieser Auftrag gilt als der Startschuss für den weltweiten Erfolg des Steiff-Teddybären.

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