H&M: Die Geschichte der schwedischen Modemarke
Kaum eine Modemarke ist so eng mit dem Alltagsbild europäischer Innenstädte verknüpft wie H&M. Hinter dem eingängigen Kürzel verbirgt sich eine fast achtzigjährige Unternehmensgeschichte, die mit einem einzigen Damenbekleidungsgeschäft im schwedischen Västerås begann und heute ein globales Modeimperium mit Tausenden Filialen umfasst. Die Geschichte von H&M ist zugleich eine Geschichte des Aufstiegs der sogenannten Fast Fashion, der Dominanz einer Unternehmerfamilie über Generationen hinweg und einer wachsenden öffentlichen Debatte über die Schattenseiten des Massenmodels.
Die Gründung: Erling Persson und der erste „Hennes"-Laden
Im Jahr 1946 reiste der schwedische Kaufmann Erling Persson in die Vereinigten Staaten. Was er dort in den großen Warenhäusern – allen voran Macy's in New York – sah, beeindruckte ihn nachhaltig: modische Kleidung zu erschwinglichen Preisen, produziert in großen Stückzahlen für ein breites Massenpublikum. Persson erkannte das Potenzial dieses Geschäftsmodells für den schwedischen Markt.
Ein Jahr später, 1947, eröffnete er in Västerås, einer Industriestadt westlich von Stockholm, seinen ersten Laden. Das Geschäft trug den Namen Hennes – Schwedisch für „für sie" – und war zunächst ausschließlich auf Damenbekleidung spezialisiert. Das Angebot war schlicht, die Preise niedrig, das Konzept jedoch neuartig für Schweden: modische Teile, nicht als Luxusgut, sondern als alltagstaugliches Konsumprodukt.
Das Konzept fand schnell Anklang. 1952 eröffnete die erste Filiale in Stockholm, der schwedischen Hauptstadt. In den folgenden Jahren wuchs das Filialnetz stetig innerhalb Schwedens.
Von Hennes zu Hennes & Mauritz: Die Übernahme von 1968
Ein entscheidender Schritt in der Unternehmensgeschichte war die Übernahme des Stockholmer Jagdausrüsters Mauritz Widforss im Jahr 1968. Das Geschäft befand sich ebenfalls in Stockholm und handelte mit Outdoorbekleidung und Herrenmoden. Mit dem Kauf erwarb Erling Persson nicht nur das Warenlager, sondern vor allem die Möglichkeit, das Sortiment auf Männer auszudehnen.
Das Unternehmen wurde daraufhin in Hennes & Mauritz umbenannt – ein Name, der beide Segmente widerspiegelte. Bereits 1964 hatte Persson den ersten internationalen Schritt gewagt und eine Filiale in Norwegen eröffnet. Die Übernahme von Mauritz Widforss gab dem Unternehmen jedoch eine neue strategische Grundlage: ein vollständiges Modehaus für Frauen und Männer.
Börsengang und internationale Expansion in den 1970er Jahren
1973 erweiterte das Unternehmen sein Sortiment um Unterwäsche. Im Jahr 1974 folgte ein weiterer Meilenstein: Die Aktie von Hennes & Mauritz wurde an der Stockholmer Börse notiert, und das Unternehmen führte die bis heute bekannte Abkürzung H&M offiziell ein. Der Börsengang verschaffte dem Unternehmen Kapital für die beschleunigte Expansion.
In den 1970er und frühen 1980er Jahren eröffnete H&M Filialen in Dänemark, Großbritannien und der Schweiz. Die Internationalisierungsstrategie folgte einem klaren Muster: zunächst europäische Märkte mit ähnlichem Konsumverhalten und wirtschaftlicher Struktur, dann schrittweise Ausweitung in weitere Regionen.
Generationenwechsel: Stefan Persson übernimmt
1982 trat Gründer Erling Persson von der Unternehmensführung zurück. Sein Sohn Stefan Persson übernahm die Leitung und prägte das Unternehmen über die folgenden Jahrzehnte maßgeblich. Unter seiner Führung wurde H&M zu einem der wertvollsten Modekonzerne der Welt. Stefan Persson gilt zeitweise als einer der reichsten Menschen Schwedens.
In den 1990er Jahren begann H&M, gezielt auf prominente Designer- und Kooperationspartnerschaften zu setzen – ein Marketingkonzept, das die Marke in einem neuen Licht erscheinen ließ. Die Kollektionen mit Designern wie Karl Lagerfeld (2004) sorgten für weltweites Aufsehen und lange Warteschlangen vor den Filialen.
Globale Expansion: USA, Asien und das digitale Zeitalter
Im Jahr 2000 eröffnete H&M sein erstes Geschäft in den Vereinigten Staaten, in New York City – dort, wo Erling Persson einst seine Inspiration gefunden hatte. Der Schritt in den amerikanischen Markt war ein symbolischer wie strategischer Triumph. 2007 folgte der Markteintritt in China.
Parallel dazu diversifizierte die H&M Group ihr Portfolio durch neue Eigenmarken: COS (2007) für ein gehobenes, minimalistisches Segment, Monki, Weekday, & Other Stories und Arket. Damit positionierte sich der Konzern breiter und erschloss unterschiedliche Zielgruppen und Preissegmente – vom günstigeren H&M-Kernsortiment bis zu qualitätsbetonteren Linien.
Mit dem Aufstieg des E-Commerce investierte H&M zunehmend in digitale Verkaufskanäle. Der Onlineshop wurde in zahlreichen Märkten eingeführt, und die Zahl der physischen Filialen stabilisierte sich nach einer langen Wachstumsphase bei rund 4.000 bis 5.000 Standorten weltweit.
Führung und Eigentümerstruktur heute
Im Jahr 2009 übergab Stefan Persson die Rolle des Konzernchefs an seinen Sohn Karl-Johan Persson, der das Unternehmen bis 2020 als CEO führte und seither als Aufsichtsratsvorsitzender amtiert. Seit Januar 2024 ist Daniel Erver der Präsident und CEO der H&M Group. Die Familie Persson hält weiterhin einen mehrheitlichen Anteil an den Stimmrechten des börsennotierten Unternehmens – eine Kontrolle, die über drei Generationen aufrechterhalten wurde.
Gemessen am Umsatz zählte die H&M Group im Geschäftsjahr 2025 zu den umsatzstärksten Modekonzernen der Welt mit einem Gesamtumsatz von über 21 Milliarden Euro. Der Konzern beschäftigt weltweit mehr als 170.000 Menschen und ist in über 75 Märkten präsent.
Fast Fashion, Greenwashing-Kritik und die Nachhaltigkeitsdebatte
Das Geschäftsmodell von H&M – schnell wechselnde Kollektionen zu niedrigen Preisen – wurde zu einem der prägenden Merkmale der sogenannten Fast Fashion, die ab den 2000er Jahren die Modeindustrie veränderte. Dieses Modell steht jedoch seit Jahren in der Kritik: Überproduktion, kurze Produktlebenszyklen, Arbeitsbedingungen in Zuliefererbetrieben sowie die Umweltbelastung durch Textilabfälle sind zentrale Vorwürfe.
H&M reagierte mit Nachhaltigkeitsinitiativen und Eigenbezeichnungen wie dem Conscious Choice-Label für angeblich nachhaltigere Produkte. 2022 wurde dieses Label jedoch nach Rügen durch die niederländische Verbraucheraufsichtsbehörde ACM eingestellt – ein Rückschlag, der das Unternehmen in die Greenwashing-Debatte zog.
Stand 2026 gibt der Konzern an, über 30 Prozent recycelte Materialien in seinen Produkten einzusetzen, und strebt eine weitere Reduktion der CO₂-Emissionen entlang der Lieferkette an. Kritiker bemängeln jedoch, dass diese Schritte angesichts des fundamentalen Fast-Fashion-Geschäftsmodells strukturell begrenzt bleiben.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet H&M und woher kommt der Name?
H&M steht für Hennes & Mauritz. „Hennes" ist Schwedisch für „für sie" und war der ursprüngliche Name des 1947 gegründeten Damenmodengeschäfts. „Mauritz" stammt vom 1968 übernommenen Jagdausrüster Mauritz Widforss in Stockholm. Das Kürzel H&M wurde 1974 mit dem Börsengang offiziell eingeführt.
Wer hat H&M gegründet?
H&M wurde 1947 von dem schwedischen Unternehmer Erling Persson gegründet. Er eröffnete den ersten Laden namens Hennes in Västerås, Schweden, inspiriert von einer Reise in die USA, wo er das Konzept günstiger Massenmode bei Warenhäusern wie Macy's kennenlernte.
Ist H&M ein schwedisches Unternehmen?
Ja. H&M hat seinen Ursprung in Schweden und ist bis heute dort ansässig. Der Konzernsitz der H&M Group befindet sich in Stockholm. Das Unternehmen ist an der Stockholmer Börse (Nasdaq Stockholm) notiert, und die Gründerfamilie Persson hält die Stimmrechtsmehrheit.
Wer führt H&M heute?
Seit Januar 2024 ist Daniel Erver Präsident und CEO der H&M Group. Karl-Johan Persson, Enkel des Gründers Erling Persson, ist Vorsitzender des Aufsichtsrats. Die Familie Persson übt damit weiterhin maßgeblichen Einfluss auf das Unternehmen aus.
Wie viele Filialen hat H&M weltweit?
Die H&M Group betreibt Stand 2026 rund 4.000 bis 5.000 Filialen in über 75 Ländern und beschäftigt weltweit mehr als 170.000 Menschen. Hinzu kommen Onlineshops in zahlreichen Märkten sowie Eigenmarken wie COS, Arket, Monki und & Other Stories.