Ares: Rolle und Bedeutung in der griechischen Mythologie
Ares ist in der griechischen Mythologie der Gott des Krieges – genauer gesagt: der Gott des rohen, blutigen und chaotischen Kampfes. Als Sohn des Göttervaters Zeus und der Götterkönigin Hera gehört er zu den zwölf olympischen Gottheiten, den sogenannten Olympioi. Trotz seiner göttlichen Herkunft und seiner Macht war Ares eine der am wenigsten geliebten Figuren des griechischen Pantheons – von Menschen gefürchtet, von den meisten Göttern verachtet und selbst von seinen eigenen Eltern gemieden.

Ares als olympischer Gott
Ares zählt zum Kernkreis der zwölf Olympier, jener mächtigen Götterschar, die auf dem Berg Olymp residierte. Seine Eltern sind Zeus und Hera, das Herrscherpaar des olympischen Pantheons – eine Abstammung, die seinen tatsächlichen Status im Göttergefüge jedoch kaum verbesserte. Zeus selbst bezeichnete ihn in Homers Ilias als den verhasstesten aller Götter und wies ihn bei einer Verwundung wenig mitfühlend ab.
Sein kultisches Ursprungsgebiet lag nach verbreiteter Überlieferung in Thrakien, der rauhen Region nördlich von Griechenland. Dieser Ursprung erklärt in gewissem Maße seinen wilden, ungezügelten Charakter – die Griechen assoziierten Thraker mit kriegerischer Rohheit und Leidenschaft.
Wesen und Charakter: Der ungezügelte Kriegsgott
Ares verkörpert einen bestimmten, dunklen Aspekt des Krieges: die unkontrollierte Gewalt, das Blutvergießen, den Lärm und das Chaos der Schlacht. Er ist kein rationaler Stratege, kein Beschützer der Polis – er ist der Geist der Gewalt selbst, rücksichtslos und unberechenbar. In Homers Ilias wird er als lärmend, grausam und doppelzüngig beschrieben; er wechselt im Trojanischen Krieg die Seiten nach persönlicher Laune, nicht nach Prinzipien.
Zu seinen ständigen Begleitern zählten:
- Phobos (Gott der Furcht) – sein Sohn und Wagenlenker
- Deimos (Gott des Schreckens) – ebenfalls sein Sohn
- Eris (Göttin der Zwietracht) – seine Schwester
- Enyo (Göttin des blutigen Krieges) – seine Kampfgefährtin
Diese düstere Entourage spiegelte wider, was der griechische Geist im Kriegsgott sah: nicht Ehre oder Heldenmut, sondern Angst, Schrecken und Zerstörung.
Ares und Athena: Zwei Aspekte des Krieges
Das antike Griechenland unterschied philosophisch und religiös zwischen zwei grundlegend verschiedenen Formen des Krieges und spiegelte diese Dualität in zwei Gottheiten wider: Ares und Athena. Während Ares den wilden, barbarischen Kampf ohne Vernunft oder Strategie verkörpert, steht Athena für den zivilisierten, geplanten und rechtmäßig geführten Krieg zur Verteidigung der Stadt und der Ordnung.
Diese Gegenüberstellung ist kein zufälliger Kontrast, sondern ein bewusstes ideologisches Konstrukt der griechischen Kultur. In der Ilias treten die beiden Götter direkt gegeneinander an, und Athena besiegt Ares – ein symbolisches Urteil der Griechen über die Überlegenheit von Vernunft gegenüber blinder Gewalt. Für die Bürger Athens, die Athena als Schutzgöttin verehrten, war dieser Sieg zugleich ein Sieg der Zivilisation über die Barbarei.
Wichtige Mythen um Ares
Die Affäre mit Aphrodite
Der bekannteste Mythos um Ares ist seine Liebesbeziehung mit Aphrodite, der Göttin der Liebe – obwohl diese mit dem Schmiedegott Hephaistos verheiratet war. Als Hephaistos von der Untreue erfuhr, schmiedete er ein unsichtbares, unzerreißbares Netz aus Metall, in dem er die beiden im Bett gefangen nahm, und rief die Götter des Olymp als Zeugen zusammen. Die Szene, von Homer im achten Gesang der Odyssee lebendig geschildert, zeigt Ares in seiner charakteristischen Rolle: mächtig und leidenschaftlich, aber letztlich der Situation nicht gewachsen und dem Spott der anderen Götter ausgesetzt.
Der Areopag: Ares vor Gericht
Ein zentraler Mythos, der eng mit dem historischen Athen verbunden ist, erzählt von einem Gericht auf einem Felsenhügel der Stadt. Poseidons Sohn Halirrhothios soll Ares' Tochter Alcippe vergewaltigt haben, woraufhin Ares ihn tötete. Poseidon klagte ihn bei den Olympiern an, und die Götter hielten Gericht auf einem Felsenhügel nordwestlich der Akropolis. Ares wurde freigesprochen. Dieser Hügel – der Areopag (griechisch: Ἄρειος πάγος, „Hügel des Ares") – wurde damit mythologisch zum Ort der ersten Gerichtsverhandlung überhaupt und gab später dem berühmten Gerichtshof Athens seinen Namen.
Ares im Trojanischen Krieg
Im Trojanischen Krieg kämpfte Ares auf der Seite der Trojaner, beeinflusst vor allem durch Aphrodite und die Göttin Eris. Sein Auftreten auf dem Schlachtfeld ist grandios und furchterregend – er wütet unter den Griechen wie ein Sturm. Doch auch hier erleidet er Niederlagen: Der griechische Held Diomedes verwundete ihn mit einem Speer, von Athena gelenkt. Der Kriegsgott floh schreiend zum Olymp und klagte Zeus sein Leid – eine Szene, die ihn wenig heroisch erscheinen lässt und das Muster seiner mythologischen Darstellung prägnant zusammenfasst.
Gefangenschaft durch die Aloadai
Ein weiterer Mythos erzählt, wie die Riesen Otos und Ephialtes – die sogenannten Aloadai – den Kriegsgott Ares gefangen nahmen und dreizehn Monate lang in einem ehernen Gefäß eingesperrt hielten. Erst durch die Intervention von Hermes gelang Ares die Befreiung. Diese Episode verdeutlicht ein wiederkehrendes Muster: Ares ist trotz seiner Macht verwundbar und besiegbar.
Familie und Nachkommen
Ares hatte zahlreiche Nachkommen, sowohl mit Göttinnen als auch mit sterblichen Frauen. Viele seiner Söhne galten als wilde Krieger oder Ungeheuer:
- Phobos und Deimos (von Aphrodite): Personifikationen von Furcht und Schrecken, ständige Kampfgefährten ihres Vaters
- Harmonia (von Aphrodite): Göttin der Harmonie und Eintracht, Frau des Kadmos, des mythischen Gründers von Theben
- Kyknos: Ein brutaler Räuber, der Reisende erschlug und ihre Köpfe als Opfergaben für Ares sammelte; von Herakles getötet
- Diomedes von Thrakien: Mythischer König, der seine Pferde mit Menschenfleisch fütterte – einer der von Herakles im Rahmen seiner zwölf Arbeiten bezwungenen Ungeheuer
- Eros und Anteros: In einigen Quellen ebenfalls Kinder des Ares und der Aphrodite
Kultische Verehrung und heilige Symbole
Trotz seiner unheimlichen Natur wurde Ares in der griechischen Welt kultisch verehrt – allerdings weniger als Schutzgott denn als Macht, die man beschwichtigen oder im Kampf um Beistand bitten wollte. In Athen stand ein bedeutender Tempel auf der Agora. In Sparta, dem kriegerischsten Stadtstaat Griechenlands, genoss Ares besonderes Ansehen: Spartiatische Krieger opferten ihm vor dem Kampf, und sein Kult war eng mit der Kriegerausbildung verknüpft. Auch in Theben und anderen Poleis gab es Heiligtümer zu seinen Ehren.
Heilige Tiere des Ares waren der Geier und der Hund – beide Geschöpfe, die man mit Schlachtfeldern assoziierte. Seine Farben waren Rot und Schwarz, die Farben von Blut und Tod. Als Waffen wurden ihm Speer und Schild zugeordnet; in der Kunst erscheint er meist gerüstet, oft auf einem von Phobos und Deimos gezogenen Wagen.
Ares und sein römisches Äquivalent Mars
In der römischen Religion wurde Ares mit Mars gleichgesetzt – dem bedeutendsten Kriegsgott der Römer. Mars nahm jedoch eine deutlich prominentere und positivere Stellung ein als sein griechisches Pendant. Als mythologischer Vater von Romulus und Remus, den Gründern Roms, war Mars einer der wichtigsten Götter des römischen Staatskultes. Während Ares im griechischen Kontext primär als destruktive Kraft galt, repräsentierte Mars für die Römer auch Schutz, militärische Tugend und die Grundlage der römischen Macht – ein Beispiel dafür, wie dieselbe Gottheit in unterschiedlichen kulturellen Kontexten völlig andere Bedeutungsebenen annehmen kann.
Häufig gestellte Fragen
Wer sind die Eltern von Ares?
Ares ist der Sohn von Zeus, dem Göttervater, und Hera, der Götterkönigin. Damit gehört er zur ersten Generation der olympischen Götter. Trotz dieser mächtigen Abstammung war Ares bei seinen Eltern – besonders bei Zeus – wenig beliebt, wie Homer in der Ilias ausdrücklich schildert.
Was ist der Unterschied zwischen Ares und Athena?
Beide sind mit Krieg verbunden, verkörpern aber völlig unterschiedliche Aspekte: Ares steht für rohe, ungezügelte Gewalt und das Chaos der Schlacht, Athena hingegen für Strategie, Vernunft und den rechtmäßig geführten Verteidigungskrieg. In der Ilias besiegt Athena Ares im direkten Duell – ein Symbol für die griechische Wertschätzung von Klugheit über blinde Stärke.
Welche Kinder hatte Ares mit Aphrodite?
Aus der Liebesaffäre zwischen Ares und Aphrodite stammen mehrere Kinder: Phobos (Gott der Furcht), Deimos (Gott des Schreckens) und Harmonia (Göttin der Eintracht) sowie in einigen Quellen auch Anteros und Eros. Phobos und Deimos begleiteten ihren Vater als Wagenlenker auf dem Schlachtfeld.
Warum war Ares bei den Griechen so unbeliebt?
Im Gegensatz zu anderen Göttern verkörperte Ares keine erstrebenswerten menschlichen Tugenden. Er stand nicht für Weisheit, Gerechtigkeit oder Schutz, sondern allein für Gewalt und Zerstörung um ihrer selbst willen. In Mythen wird er häufig als impulsiv, unbeständig und letztlich schwächer als erwartet dargestellt. Die Griechen verehrten ihn als notwendige Macht, mochten ihn aber nicht als Persönlichkeit.
Was ist der Areopag und was hat er mit Ares zu tun?
Der Areopag ist ein Felsenhügel nordwestlich der Akropolis in Athen; der Name bedeutet wörtlich „Hügel des Ares". Dem Mythos zufolge fand dort das erste Göttergericht statt, als Ares wegen der Tötung von Poseidons Sohn Halirrhothios angeklagt wurde. Er wurde freigesprochen. Der Hügel wurde später Sitz eines der ältesten Gerichtshöfe Athens.