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Erste britische Siedlung in Australien: Sydney Cove 1788

Veröffentlicht 27. Februar 2025 Aktualisiert 15. Juni 2026

Was war die erste britische Siedlung in Australien?

Die erste britische Siedlung in Australien entstand am 26. Januar 1788 an der Sydney Cove im heutigen Hafen von Sydney. Gouverneur Arthur Phillip ließ dort die britische Flagge hissen und begründete damit die Kolonie New South Wales — zunächst als Strafkolonie konzipiert, später als Keimzelle eines ganzen Kontinents unter britischer Herrschaft. Dieser Tag wird in Australien bis heute als Australia Day gefeiert, ist aber zugleich ein umstrittenes nationales Symbol.

Was war die erste britische Siedlung in Australien?

Vorgeschichte: James Cook und der britische Anspruch

Der Weg zur Gründung der ersten Siedlung begann im Jahr 1770, als der britische Seefahrer James Cook die Ostküste des australischen Kontinents erkundete und sie für die britische Krone in Besitz nahm. Er nannte das Gebiet New South Wales und empfahl es als geeignetes Territorium für eine zukünftige Niederlassung. Besonders Botany Bay, eine Bucht südlich des heutigen Sydney, erwähnte Cook in seinen Berichten lobend — eine Einschätzung, die sich später als zu optimistisch herausstellen sollte.

Großbritannien befand sich in dieser Zeit in einer innenpolitischen Notlage: Die Gefängnisse und Gefängnisschiffe (hulks) des Landes waren überfüllt. Nachdem die amerikanischen Kolonien durch die Unabhängigkeit 1776 als Deportationsziel weggefallen waren, suchte die Krone dringend nach einer neuen Lösung. Australien, am anderen Ende der Welt, schien der ideale Ort für eine neue Strafkolonie.

Die First Fleet: Aufbruch ins Unbekannte

Am 13. Mai 1787 verließ die sogenannte First Fleet — eine Flotte von elf Schiffen — den Hafen von Portsmouth. Das Geschwader stand unter dem Kommando von Gouverneur Arthur Phillip und transportierte insgesamt rund 1.400 Menschen: etwa 780 bis 800 verurteilte Strafgefangene sowie rund 600 freie Personen, darunter Marinesoldaten, Matrosen, Kolonialbeamte und eine kleine Zahl freier Siedler.

Die Reise führte über die Kanarischen Inseln, die Küste Brasiliens und das Kap der Guten Hoffnung. Nach 252 Seetagen und einer zurückgelegten Strecke von über 24.000 Kilometern erreichte die Flotte am 18. Januar 1788 Botany Bay — bemerkenswert ist, dass dabei kein einziges Schiff verloren ging.

Botany Bay: Die erste Enttäuschung

Was die Expeditionsteilnehmer in Botany Bay vorfanden, entsprach nicht Cooks enthusiastischen Berichten. Die Bucht bot kaum natürlichen Schutz vor Wind und Wellen, das Wasser war zu seicht, um die Schiffe nah an die Küste zu bringen, Trinkwasser war knapp, und der Boden erwies sich als karg und wenig fruchtbar. Gouverneur Phillip erkannte schnell, dass Botany Bay als dauerhafter Siedlungsort ungeeignet war.

Er unternahm daher persönlich eine Erkundungsfahrt nach Norden und entdeckte den tief eingeschnittenen Port Jackson — einen der natürlichsten und sichersten Tiefwasserhäfen der Welt. Phillip beschrieb ihn als den feinsten Hafen, den er je gesehen hatte, mit Platz für tausend Schiffe.

Sydney Cove: Gründung der Kolonie

Am 26. Januar 1788 ankerte die Flotte in einer kleinen Einbuchtung des Port Jackson, die Phillip Sydney Cove taufte — zu Ehren von Thomas Townshend, 1. Viscount Sydney, dem damaligen britischen Innenminister, der die Expedition maßgeblich politisch unterstützt hatte. An diesem Tag wurden die britische Flagge gehisst und die Kolonie offiziell ausgerufen.

Am 7. Februar 1788 wurde die Gründung der Kolonie New South Wales förmlich proklamiert. Arthur Phillip übernahm das Amt des ersten Gouverneurs. Die frühe Siedlung war eine reine Zweckgründung: Kasernen, Lagerhäuser, einfache Hütten und Unterkünfte für die Gefangenen entstanden in Holzbauweise auf dem lehmigen Boden rund um die Cove. Eine geplante Stadtanlage oder gepflegte Infrastruktur gab es zunächst nicht.

Schwierige Anfangsjahre

Die ersten Jahre der Kolonie waren von harten Entbehrungen geprägt. Die mitgebrachten Nahrungsvorräte reichten nicht lange, die lokale Landwirtschaft lieferte zunächst kaum Erträge, und die Nachschublieferungen aus England kamen unregelmäßig. Im Jahr 1790 drohte der Kolonie eine Hungersnot; die Rationen für alle Kolonisten — Gefangene wie Freie — wurden drastisch gekürzt. Erst mit der Ankunft weiterer Versorgungsschiffe stabilisierte sich die Lage allmählich.

Hinzu kam die fehlende Erfahrung vieler Deportierter im Umgang mit Landwirtschaft und Handwerk. Anders als ursprünglich geplant, ließen sich nur wenige Strafgefangene nach Verbüßung ihrer Strafe als freie Farmer nieder. Der Aufbau einer funktionierenden Agrarwirtschaft zog sich über viele Jahre hin.

Arthur Phillip und sein Umgang mit den Aborigines

Gouverneur Phillip verfolgte einen vergleichsweise moderaten Kurs gegenüber den indigenen Bewohnern des Landes, vor allem den Eora, dem Volk, das die Küstenregion um Port Jackson bewohnte. Er erteilte seinen Soldaten strikte Anweisung, die Ureinwohner nicht ohne Anlass anzugreifen, und bemühte sich um ersten Kontakt und Verständigung.

Dennoch brachte die britische Besiedlung für die Aborigines verheerende Folgen. Bereits 1789 brach eine Pockenepidemie aus, die einen Großteil der einheimischen Bevölkerung der Region tötete. In den Jahrzehnten und Jahrhunderten danach führte die Ausweitung der Besiedlung zu systematischer Verdrängung, Gewalt und kultureller Zerstörung. Diese Geschichte bildet den Kern der heutigen Kontroverse um den Australia Day.

Von der Strafkolonie zur Stadt Sydney

Aus der provisorischen Lageranlage an der Sydney Cove entwickelte sich im Laufe des 19. Jahrhunderts eine wachsende Stadt. 1840 wurde die Deportation von Strafgefangenen nach New South Wales offiziell beendet. 1851 löste der Goldrausch in der Kolonie Victoria einen enormen Bevölkerungszustrom aus, der auch Sydney beflügelte. 1901 schlossen sich die australischen Kolonien zum Commonwealth of Australia zusammen — ein unabhängiger Bundesstaat unter der britischen Krone.

Heute ist Sydney mit über fünf Millionen Einwohnern die größte Stadt Australiens. Die historische Sydney Cove, heute besser bekannt als Circular Quay, gilt als Geburtsort der Nation und ist ein zentraler Ort des kollektiven Gedächtnisses.

Australia Day und die heutige Debatte

Der 26. Januar wird in Australien als Australia Day mit Feiern, Feuerwerk und Einbürgerungszeremonien begangen. Für einen wachsenden Teil der Bevölkerung — insbesondere für indigene Australier und ihre Unterstützer — steht dieses Datum jedoch für den Beginn von Kolonisierung, Enteignung und kultureller Auslöschung. Sie bezeichnen den Tag als Invasion Day oder Day of Mourning.

Die Debatte über eine Verlegung des Nationalfeiertags auf ein anderes Datum ist in Australien seit Jahren ein politisch brisantes Thema. Mehrere Kommunen und Städte haben bereits aufgehört, am 26. Januar offizielle Feiern auszurichten. Eine bundesweite Einigung auf ein alternatives Datum steht Stand 2026 jedoch noch aus.

Häufig gestellte Fragen

Wann und wo wurde die erste britische Siedlung in Australien gegründet?

Die erste britische Siedlung wurde am 26. Januar 1788 an der Sydney Cove im heutigen Hafen von Sydney gegründet. Gouverneur Arthur Phillip ließ dort die britische Flagge hissen und proklamierte die Kolonie New South Wales.

Warum wurde Botany Bay als Siedlungsort abgelehnt?

Botany Bay bot keinen ausreichenden natürlichen Schutz, das Wasser war zu flach für die Schiffe, Trinkwasser war knapp und der Boden war wenig fruchtbar. Gouverneur Arthur Phillip entschied sich stattdessen für den besser gelegenen Port Jackson weiter nördlich.

Was war die First Fleet?

Die First Fleet war ein Geschwader von elf Schiffen, das am 13. Mai 1787 von Portsmouth aufbrach. Es transportierte rund 1.400 Menschen, darunter etwa 780–800 Strafgefangene sowie Marinesoldaten, Beamte und freie Siedler, nach Australien.

Warum wurde Australien als Strafkolonie gegründet?

Großbritanniens Gefängnisse waren überfüllt, und nach der amerikanischen Unabhängigkeit 1776 stand das bisherige Deportationsziel Nordamerika nicht mehr zur Verfügung. Australien bot sich als abgelegenes und kaum besiedeltes Territorium als Ersatz an.

Was bedeutet Australia Day für indigene Australier?

Für viele indigene Australier markiert der 26. Januar den Beginn von Kolonisierung, Landraub und kultureller Zerstörung. Sie bezeichnen ihn als „Invasion Day". Die Debatte über eine Verlegung des Feiertags ist in Australien politisch aktiv und bis 2026 ungelöst.

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