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Oktoberrevolution 1917: Was sie war und wie sie den Krieg beeinflusste

Veröffentlicht 22. Juni 2025 Aktualisiert 15. Juni 2026

Was war die Oktoberrevolution und wie beeinflusste sie den Krieg?

Die Oktoberrevolution von 1917 gehört zu den folgenreichsten politischen Umwälzungen des 20. Jahrhunderts. In wenigen Tagen stürzten die Bolschewiki unter Wladimir Lenin die russische Provisorische Regierung und legten damit den Grundstein für den ersten kommunistischen Staat der Welt. Für den laufenden Ersten Weltkrieg hatte diese Revolution unmittelbare und weitreichende Konsequenzen: Russland schied aus dem Krieg aus, die Ostfront brach zusammen, und Deutschland nutzte die freigewordenen Kräfte für eine letzte, verzweifelte Offensive im Westen.

Was war die Oktoberrevolution und wie beeinflusste sie den Krieg?

Russland vor der Revolution: ein Land am Rande des Zusammenbruchs

Um die Oktoberrevolution zu verstehen, muss man den Zustand Russlands im Jahr 1917 kennen. Das Zarenreich hatte seit 1914 an der Ostfront gegen Deutschland und Österreich-Ungarn gekämpft und dabei katastrophale Verluste erlitten – Schätzungen belaufen sich auf über zwei Millionen Tote und weitere Millionen Verwundete oder Gefangene bis 1917. Die Versorgungslage in den Städten war desolat, Hunger und Erschöpfung griffen um sich.

Im Februar 1917 (nach dem julianischen Kalender, der damals in Russland galt) hatte eine erste Revolution bereits Zar Nikolaus II. zum Abdanken gezwungen. Die neu eingesetzte Provisorische Regierung unter Alexander Kerenski hielt jedoch am Krieg fest – ein verhängnisvoller Fehler, der ihre Unterstützung in der Bevölkerung rasch erodieren ließ. Die Bolschewiki erkannten dieses Vakuum und setzten auf die schlichte, aber wirkmächtige Parole: „Brot, Land, Frieden".

Die Oktoberrevolution: Ablauf und Akteure

In der Nacht vom 24. auf den 25. Oktober 1917 (nach julianischem Kalender; nach gregorianischem Kalender der 6./7. November) schlugen die Bolschewiki zu. Leo Trotzki, Vorsitzender des Petrograder Sowjets und brillanter Stratege des Aufstands, koordinierte die militärischen Aktionen. Bewaffnete Einheiten der Roten Garden besetzten Bahnhöfe, Telegrafenämter, Brücken und andere strategisch wichtige Punkte der Hauptstadt Petrograd nahezu kampflos.

In der Nacht zum 26. Oktober gab der Panzerkreuzer Aurora einen symbolischen Schuss ab, der als Signal zum Sturm auf den Winterpalast galt – Sitz der Provisorischen Regierung. Der Widerstand war minimal: Die wenigen verbliebenen Verteidiger kapitulierten rasch. Lenin erklärte noch in der Nacht vom II. Allrussischen Sowjetkongress die Machtübernahme. Der gesamte Aufstand forderte kaum Opfer; nur etwa 25.000 bis 30.000 Menschen hatten aktiv daran teilgenommen.

Was wie ein geordneter Putsch begann, war in Wirklichkeit der Auftakt zu Jahren des blutigen Bürgerkriegs. Dennoch: In militärischer Hinsicht war die Übernahme der Macht durch die Bolschewiki binnen weniger Stunden vollzogen.

Der unmittelbare Einfluss auf den Ersten Weltkrieg

Noch am Abend des 26. Oktober 1917 verabschiedete der Sowjetkongress auf Lenins Initiative das sogenannte Friedensdekret: Es forderte alle kriegführenden Mächte zu sofortigen Verhandlungen über einen Frieden ohne Annexionen und Reparationen auf. Damit signalisierte die neue Regierung deutlich, dass sie den Krieg beenden wollte – und zwar schnell, um die eigene Herrschaft im Innern zu konsolidieren.

Am 15. Dezember 1917 trat an der Ostfront ein Waffenstillstand in Kraft. Die russischen Truppen stellten die Kampfhandlungen gegen Deutschland und Österreich-Ungarn ein. Die Ostfront, die seit 1914 enorme deutsche und österreichische Kräfte gebunden hatte, brach damit faktisch zusammen. Für die Mittelmächte war dies ein strategischer Glücksfall von erheblichem Ausmaß: Plötzlich standen Dutzende von Divisionen zur freien Verfügung.

Der Frieden von Brest-Litowsk (März 1918)

Die Waffenstillstandsverhandlungen mündeten am 3. März 1918 im Friedensvertrag von Brest-Litowsk – einem der härtesten Friedensdiktate der modernen Geschichte. Russland musste enorme Gebiete abtreten:

  • Polen und das Baltikum (Estland, Lettland, Litauen) kamen unter deutschen Einfluss
  • Finnland erhielt Unabhängigkeit
  • Die Ukraine wurde als eigenständige Republik anerkannt und stand fortan unter deutschem Schutz
  • Russland verlor rund ein Drittel seines europäischen Territoriums sowie etwa ein Drittel seiner Bevölkerung
  • Hinzu kamen massive wirtschaftliche Zugeständnisse, darunter Reparationszahlungen und Rohstofflieferungen

Trotzki, der die russische Delegation zunächst geführt hatte, versuchte die Verhandlungen mit der Formel „Weder Krieg noch Frieden" in die Länge zu ziehen – in der Hoffnung, eine europäische Arbeiterrevolution werde die Situation verändern. Deutschland reagierte mit einer erneuten militärischen Offensive im Februar 1918, woraufhin die Bolschewiki die noch härteren Bedingungen des endgültigen Vertrags akzeptierten.

Strategische Konsequenzen: Deutschlands letzte Chance im Westen

Der Zusammenbruch der Ostfront gab der deutschen Obersten Heeresleitung unter Erich Ludendorff und Paul von Hindenburg ein enges Zeitfenster. Mehr als 40 Divisionen konnten von der Ost- an die Westfront verlegt werden. Deutschland verfügte dort zeitweilig über numerische Überlegenheit – aber nur für kurze Zeit, denn die USA, die im April 1917 in den Krieg eingetreten waren, verlegten in einem atemberaubenden Tempo Truppen nach Europa.

Ludendorff plante daher eine groß angelegte Offensive, bevor die amerikanische Truppenstärke ihre volle Wirkung entfalten konnte. Am 21. März 1918 begann „Operation Michael" – die deutsche Frühjahrsoffensive an einem 70 Kilometer breiten Frontabschnitt zwischen Arras und La Fère. Mit neuartigen Sturmtruppentaktiken gelangen anfangs erhebliche Geländegewinne; die Front bewegte sich erstmals seit Jahren wieder.

Dennoch scheiterte die Offensive letztlich. Die strategischen Ziele – die Einnahme von Amiens und die Trennung der britischen und französischen Verbände – wurden nicht erreicht. Die Deutschen erlitten hohe Verluste, gerieten in der zweiten Jahreshälfte 1918 in die Defensive und mussten am 11. November 1918 den Waffenstillstand unterzeichnen.

Weitere Auswirkungen der Revolution auf den Krieg

Über die direkte strategische Dimension hinaus veränderte die Oktoberrevolution den Krieg auf mehreren Ebenen:

Propagandistische Wirkung: Das Friedensdekret der Bolschewiki und ihre Forderung nach einem Frieden ohne Annexionen und Entschädigungen setzte die anderen Kriegsmächte unter Druck. In Deutschland und Österreich-Ungarn wuchsen Streikbewegungen und Friedensforderungen; das revolutionäre Beispiel Russlands wirkte als Katalysator für soziale Unruhen.

Intervention der Alliierten: Großbritannien, Frankreich, die USA und Japan intervenierten ab 1918 militärisch in Russland, offiziell um die Ostfront wiederaufzuerrichten, de facto aber auch um die Bolschewiki zu bekämpfen. Diese Interventionen prägten das feindliche Verhältnis zwischen der Sowjetunion und dem Westen nachhaltig.

Auflösung der Mittelmächte-Koalition: Der Brest-Litowsker Vertrag zeigte Österreich-Ungarn und dem Osmanischen Reich, wie rücksichtslos Deutschland seine eigenen Interessen durchsetzte – er schadete der inneren Kohäsion der Mittelmächte.

Langfristige Weltordnung: Das Ende des russischen Kaiserreichs und die Entstehung der Sowjetunion veränderten die europäische Mächtekonstellation grundlegend und legten die Weichen für Jahrzehnte ideologischer Konfrontation, die ihren Höhepunkt im Kalten Krieg finden sollten.

Häufig gestellte Fragen

Wann fand die Oktoberrevolution statt?

Die Oktoberrevolution fand in der Nacht vom 24. auf den 25. Oktober 1917 nach dem damals in Russland geltenden julianischen Kalender statt – nach dem gregorianischen Kalender, der im Rest Europas gebräuchlich war, entspricht das dem 6./7. November 1917. Ihr Name leitet sich vom russischen Kalender ab.

Warum wollten die Bolschewiki den Ersten Weltkrieg sofort beenden?

Die Bolschewiki benötigten den Frieden, um ihre Macht im Innern zu konsolidieren. Russland war kriegsmüde, die Wirtschaft lag am Boden, und der Rückhalt der Bevölkerung für die neue Regierung hing wesentlich von der Erfüllung des Versprechens „Frieden" ab. Zudem befürchteten Lenin und Trotzki, ein anhaltender Krieg könne die Revolution gefährden.

Was verlor Russland im Frieden von Brest-Litowsk?

Im Vertrag von Brest-Litowsk (3. März 1918) musste Russland Polen, das Baltikum, Finnland und die Ukraine abtreten – insgesamt rund ein Drittel seines europäischen Territoriums mit etwa einem Drittel der Bevölkerung, dazu erhebliche Reparationen. Der Vertrag wurde nach der deutschen Niederlage im November 1918 durch den Versailler Vertrag hinfällig.

Hat die Oktoberrevolution Deutschland im Ersten Weltkrieg geholfen?

Kurzfristig ja: Der Waffenstillstand an der Ostfront ermöglichte Deutschland, Dutzende Divisionen an die Westfront zu verlegen und 1918 eine große Offensive zu starten. Doch reichten die Gewinne nicht aus, um den Krieg zu gewinnen, bevor US-amerikanische Truppen das Kräfteverhältnis zu Gunsten der Alliierten wendeten.

Welche langfristigen Folgen hatte die Oktoberrevolution für Europa?

Die Revolution führte zur Gründung der Sowjetunion (1922), löste eine Welle von Revolutionsversuchen in Mitteleuropa aus (u. a. in Deutschland und Ungarn) und begründete die ideologische Spaltung Europas in demokratisch-kapitalistische und kommunistisch-sowjetische Blöcke, die das 20. Jahrhundert bis 1991 prägte.

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