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Trockenste Wüste der Erde: Atacama oder Antarktis?

Veröffentlicht 20. Juli 2025 Aktualisiert 15. Juni 2026

Welche Wüste gilt als der trockenste Ort der Erde?

Die Frage, welche Wüste als trockenster Ort der Erde gilt, hat nicht eine einzige, sondern zwei gleichermaßen korrekte Antworten – abhängig davon, welche Definition von „Wüste" und welches Messverfahren zugrunde gelegt wird. Unter den heißen, nicht-polaren Wüsten nimmt die Atacama-Wüste in Südamerika unbestritten den ersten Rang ein. Bezieht man jedoch alle Wüstentypen ein, einschließlich der Polarwüsten, dann übertrifft die Antarktis – insbesondere die McMurdo Dry Valleys – jede andere Region der Erde in ihrer extremen Trockenheit. Beide Wüsten gelten in der Wissenschaft als außergewöhnliche Zeugnisse planetarer Klimaextreme.

Welche Wüste gilt als der trockenste Ort der Erde?

Die Atacama-Wüste: Trockenste heiße Wüste der Erde

Die Atacama-Wüste erstreckt sich als schmaler Streifen entlang der Pazifikküste Südamerikas über rund 1.000 Kilometer, vorwiegend durch Chile und in Teilen Perus, Boliviens und Argentiniens. Sie gilt als die trockenste heiße Wüste der Welt und zählt zu den extremsten Lebensräumen auf dem Planeten.

Der durchschnittliche Jahresniederschlag liegt in weiten Teilen der Atacama bei unter einem Millimeter. An besonders trockenen Punkten, beispielsweise im Zentraltal zwischen der Küstenkordillere und den Anden, werden durchschnittliche Werte von nur 0,5 mm pro Jahr gemessen – und das über Jahrzehnte hinweg. Die Stadt Calama gilt als einer der Orte, an dem historisch über Jahrhunderte hinweg kein Regen gemessen wurde.

Ursachen der extremen Trockenheit

Die Trockenheit der Atacama entsteht durch das Zusammenwirken mehrerer geografischer und meteorologischer Faktoren:

  • Humboldt-Strom: Der kalte Meeresströmung vor der Westküste Südamerikas kühlt die aufsteigende Luft ab und verhindert Niederschlag. Die Luft nimmt beim Aufsteigen zwar Feuchtigkeit auf, kondensiert diese aber nicht als Regen, sondern als Küstennebel (Camanchaca), der nur geringe Niederschlagsmengen bringt.
  • Pazifisches Hochdruckgebiet: Ein stabiles Hochdrucksystem über dem Südpazifik unterdrückt aufsteigende Luftbewegungen und damit die Wolkenbildung dauerhaft.
  • Regenabschattung der Anden: Die Andenkordillere blockiert feuchte Luftmassen aus dem Amazonasbecken im Osten. Feuchtigkeit regnet an der Ostseite der Anden ab, bevor sie die Wüste erreichen kann.

Diese drei Faktoren gemeinsam erzeugen ein Klima, das nach Forschungsstand 2026 seit mindestens 15 Millionen Jahren in Teilen der Atacama hyperarid ist – länger als jede andere kontinentale Wüste der Erde.

Leben in der trockensten heißen Wüste

Trotz der extremen Bedingungen ist die Atacama nicht vollständig leblos. Eine Studie, die im März 2026 in ScienceDaily veröffentlicht wurde, zeigte, dass im Boden der Atacama eine überraschende Vielfalt an mikroskopisch kleinen Fadenwürmern (Nematoden) lebt, deren Artenvielfalt mit zunehmender Bodenfeuchtigkeit und Höhenlage steigt. Dieses Ergebnis widerlegt die lange geltende Vorstellung, dass der Atacamaboden nahezu steril sei.

Die McMurdo Dry Valleys: Trockenste Wüste der Erde insgesamt

Wer nach dem absolut trockensten Ort auf der Erde fragt, wird von der Wissenschaft in eine andere Richtung gelenkt: in die McMurdo Dry Valleys in der Viktorialand-Region der Antarktis. Diese Täler, etwa 100 Kilometer westlich der McMurdo-Station gelegen, bilden mit rund 4.500 Quadratkilometern die größte eisfreie Fläche des Kontinents.

Der jährliche Niederschlag liegt dort bei weniger als 25 bis 50 Millimeter Wasseräquivalent – und selbst diese Zahlen spiegeln die Realität kaum wider, denn der größte Teil davon verdunstet oder sublimiert sofort. Tatsächlich hat in manchen Teilen der Dry Valleys seit fast zwei Millionen Jahren kein signifikanter Regen oder Schnee die Oberfläche erreicht. Damit übertrifft diese Polarwüste die Atacama in ihrer Trockenheit bei weitem.

Warum regnet es in den Dry Valleys nicht?

Zwei Mechanismen machen die McMurdo Dry Valleys so außergewöhnlich trocken:

  • Transantarktisches Gebirge: Die Bergkette blockiert feuchte Meeresluft vom Südpolarmeer, bevor sie in die Täler eindringen kann.
  • Katabatische Winde: Extrem starke und kalte Fallwinde strömen vom antarktischen Hochplateau herab. Diese Winde sind so trocken und energiereich, dass sie Schnee und Eis direkt sublimieren – also von fest in gasförmig umwandeln – bevor sich Niederschlag am Boden sammeln kann.

Wissenschaftler bezeichnen die Dry Valleys als die marsähnlichste Umgebung auf der Erde. Die NASA nutzt sie regelmäßig als Testgelände für Marsmissionen, da die lebensfeindlichen Bedingungen denen auf dem Roten Planeten ähneln.

Ridge A: Der höchstgelegene und trockenste Punkt im Vergleich

Innerhalb der Antarktis gibt es einen weiteren Extrempunkt: Ridge A, ein Punkt auf dem antarktischen Hochplateau auf einer Höhe von etwa 4.053 Metern. Forscher beschreiben diesen Ort als möglicherweise den absolut trockensten, ruhigsten und kältesten Punkt der Erde. Die Atmosphäre über Ridge A ist so wasserarm, dass astronomische Teleskope dort astronomisch präzise Beobachtungen durchführen könnten – frei von der Wasserverzerrung, die an anderen Standorten die Sicht beeinträchtigt. Ridge A ist jedoch so abgelegen, dass kaum systematische Langzeitmessungen existieren.

Was ist also der trockenste Ort der Erde?

Die Antwort hängt von der Fragestellung ab:

  • Trockenste heiße (nicht-polare) Wüste: Die Atacama-Wüste in Chile, mit Jahresniederschlägen unter 0,5 mm an den trockensten Punkten.
  • Trockenste Wüste weltweit (alle Typen): Die McMurdo Dry Valleys in der Antarktis, die seit Millionen von Jahren praktisch keinen Niederschlag erhalten.
  • Trockenster einzelner Punkt: Möglicherweise Ridge A auf dem antarktischen Plateau, obwohl Langzeitdaten dort noch lückenhaft sind.

In populären Quellen wird die Atacama häufig als „trockenste Wüste der Welt" bezeichnet, was für die Kategorie der heißen Wüsten zutrifft. Die wissenschaftlich umfassendere Antwort schließt die Antarktis als Gesamtsieger ein. Beide Wüsten sind einzigartige Naturräume, die Forschern wertvolle Einblicke in das Funktionieren lebensfeindlicher Klimazonen bieten – und Hinweise darauf, wie Leben selbst unter extremsten Bedingungen weiter existieren kann.

Häufig gestellte Fragen

Welche Wüste gilt als die trockenste der Erde?

Es kommt auf die Definition an: Die Atacama-Wüste in Chile ist die trockenste heiße Wüste der Erde, mit Niederschlägen von unter 0,5 mm pro Jahr an manchen Stellen. Die McMurdo Dry Valleys in der Antarktis gelten jedoch insgesamt als der trockenste Ort der Erde, da dort seit fast zwei Millionen Jahren kein signifikanter Niederschlag gefallen ist.

Wie viel Regen fällt in der Atacama-Wüste pro Jahr?

Im Durchschnitt fällt in den trockensten Teilen der Atacama weniger als 1 mm Regen pro Jahr. An besonders trockenen Punkten im Zentraltal liegen die Messwerte bei nur 0,5 mm oder darunter. Einzelne Orte wie Calama haben historisch über Jahrhunderte hinweg überhaupt keinen Regen erhalten.

Warum ist die Antarktis eine Wüste?

Die Antarktis gilt als Wüste, weil der Jahresniederschlag auf dem inneren Kontinent sehr gering ist – oft unter 50 mm Wasseräquivalent. Eine Wüste wird nicht durch Wärme, sondern durch Trockenheit definiert. Die Antarktis ist die größte Wüste der Erde, fast dreimal so groß wie die Sahara.

Gibt es Leben in den trockensten Wüsten der Erde?

Ja, auch in extremen Wüsten gibt es Leben. In den McMurdo Dry Valleys wurden kälteresistente Mikroorganismen, Algen und Flechten gefunden. In der Atacama entdeckten Forscher 2026 eine überraschend hohe Diversität an Fadenwürmern (Nematoden) im Boden, die sich je nach Feuchtigkeit und Höhenlage unterschiedlich entwickeln.

Was ist Ridge A und warum gilt es als so trocken?

Ridge A ist ein Punkt auf dem antarktischen Hochplateau auf etwa 4.053 Metern Höhe. Die Atmosphäre dort enthält extrem wenig Wasserdampf, was ihn zu einem der trockensten Punkte der Erde macht. Aufgrund seiner Abgelegenheit fehlen jedoch systematische Langzeitmessungen, weshalb er in der Forschung als potenziell trockenster Ort diskutiert wird, aber schwer direkt mit anderen Standorten verglichen werden kann.

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