CCitopendia

Wer hat Madame Bovary geschrieben? Gustave Flaubert

Veröffentlicht 18. Dezember 2024 Aktualisiert 15. Juni 2026

Wer hat Madame Bovary geschrieben? Jetzt entdecken!

Madame Bovary wurde von dem französischen Schriftsteller Gustave Flaubert (1821–1880) verfasst. Der Roman gilt als eines der bedeutendsten Werke der Weltliteratur und als Meilenstein des literarischen Realismus. Er erschien erstmals 1856 in Fortsetzungen, bevor er 1857 als Buch veröffentlicht wurde – und löste sofort einen Skandalprozess aus, der den Roman endgültig berühmt machte.

Wer hat Madame Bovary geschrieben? Jetzt entdecken!

Gustave Flaubert – der Autor

Gustave Flaubert wurde am 12. Dezember 1821 in Rouen, der Hauptstadt der Normandie, geboren. Sein Vater war leitender Arzt am dortigen Hôtel-Dieu, was Flaubert ein bürgerliches, wohlhabendes Umfeld sicherte. Er studierte ab 1841 Rechtswissenschaften in Paris – ohne Begeisterung und ohne Abschluss. Eine mysteriöse Nervenkrankheit, die ihn ab 1843 heimsuchte und möglicherweise epileptischer Natur war, beendete seine juristische Laufbahn endgültig. Fortan lebte Flaubert zurückgezogen auf dem elterlichen Landsitz in Croisset bei Rouen und widmete sich vollständig der Literatur.

Flaubert war ein besessener Stilist. Er rang um jedes Wort, schrieb langsam und verwarf ganze Kapitel, wenn sie seinem Qualitätsanspruch nicht genügten. Sein Credo lautete: le mot juste – das genaue, treffende Wort. Er starb am 8. Mai 1880 in Croisset.

Entstehung des Romans: ein wahrer Fall als Vorlage

Den Anstoß zur Madame Bovary gaben Flauberts Freunde Maxime du Camp und Louis Bouilhet im Jahr 1849. Sie hatten sein frühes Werk La Tentation de saint Antoine gelesen und für misslungen befunden. Ihr Rat: Er solle etwas Nüchternes, Bürgerliches schreiben – und verwiesen ihn auf einen realen Kriminalfall aus der Normandie.

Die Vorlage war die Geschichte von Delphine Delamare, Ehefrau eines Landarztes aus Ry bei Rouen. Sie hatte ihren Mann betrogen, die Familie in Schulden gestürzt und sich 1848 das Leben genommen. Flaubert recherchierte den Fall, sprach mit Zeugen und machte die Figur zur Grundlage seiner literarischen Emma Bovary.

Die Entstehung des Romans lässt sich heute dank Flauberts umfangreichem Briefwechsel mit seiner Geliebten Louise Colet lückenlos rekonstruieren. Fünf Jahre schrieb er an dem Werk – von 1851 bis 1856 –, arbeitete oft nächtelang und fehlte selten weniger als eine Seite pro Woche. Das Ergebnis war ein Roman von außergewöhnlicher sprachlicher Präzision.

Veröffentlichung und Skandalprozess

Madame Bovary erschien vom 1. Oktober bis 15. Dezember 1856 in sechs Fortsetzungen in der Revue de Paris. Noch bevor die letzte Folge gedruckt war, schritt die Staatsanwaltschaft ein: Flaubert wurde wegen Verstoßes gegen die öffentliche Moral, gute Sitten und die Religion angeklagt.

Der Prozess fand im Januar 1857 vor einem Pariser Strafgericht statt und wurde zum Aufsehen erregenden Ereignis. Flaubert hatte einen glänzenden Verteidiger: Maître Jules Sénard argumentierte, der Roman sei eine ernsthafte literarische Charakterstudie, kein moralisches Pamphlet – und die Figur der Emma werde letztlich für ihre Ausschweifungen bestraft. Am 7. Februar 1857 wurde Flaubert freigesprochen.

Der Effekt war das Gegenteil der Absicht der Ankläger: Als Madame Bovary im April 1857 als Buch in zwei Bänden erschien, war es bereits ein Skandal- und Gesprächsthema in ganz Frankreich. Das Buch wurde zum Bestseller.

Inhalt: Worum geht es in Madame Bovary?

Der Roman schildert das Leben von Emma Bovary, Tochter eines Normandiebauern, die den Landarzt Charles Bovary heiratet. Emma ist gebildet, hat romantische Vorstellungen vom Leben – und wird von der trostlosen Provinzrealität schnell enttäuscht. Sie flüchtet in Liebesaffären mit dem Gutsbesitzer Rodolphe und später dem Studenten Léon, häuft heimlich Schulden an und endet schließlich durch Selbstvergiftung.

Flaubert schildert das alles mit kühler, schonungsloser Distanz. Er wertet nicht, er kommentiert nicht. Seine Erzähltechnik der erlebten Rede (freie indirekte Rede) taucht den Leser in Emmas innere Welt ein, ohne dass der Erzähler je Partei ergreift. Das war 1857 revolutionär – und wirkt bis heute modern.

Literarische Bedeutung

Madame Bovary gilt als Begründung des modernen objektiven Erzählens. Mit diesem Roman, so die literaturwissenschaftliche Einschätzung, beginnt eine neue Epoche in der Geschichte des europäischen Romans. Flaubert löste sich vom Erzähler als moralischer Instanz und setzte an seine Stelle die neutrale, beobachtende Darstellung. Das beeinflusste Generationen von Schriftstellern – von Guy de Maupassant bis Henry James, von Franz Kafka bis zu den französischen Nouveaux Romanciers der 1950er-Jahre.

Der Roman ist bis heute in Dutzenden Sprachen lieferbar, wird an Schulen und Universitäten weltweit gelesen und wurde mehrfach verfilmt. Im deutschsprachigen Raum existieren verschiedene Übersetzungen, darunter Klassiker von Arthur Schurig sowie neuere Ausgaben bei dtv und anderen Verlagen.

Häufig gestellte Fragen

Wer hat Madame Bovary geschrieben?

Madame Bovary wurde von dem französischen Schriftsteller Gustave Flaubert (1821–1880) geschrieben. Der Roman erschien 1856 zuerst als Fortsetzung in der Zeitschrift Revue de Paris und 1857 als Buch.

Wann wurde Madame Bovary veröffentlicht?

Die Erstveröffentlichung als Zeitschriftenserie erfolgte von Oktober bis Dezember 1856. Die Buchausgabe in zwei Bänden erschien im April 1857, kurz nach Flauberts Freispruch im Obszönitätsprozess.

Basiert Madame Bovary auf einer wahren Geschichte?

Ja. Die Vorlage war der reale Fall von Delphine Delamare, einer Landarztehefrau aus der Normandie, die ihren Mann betrog, Schulden anhäufte und sich 1848 das Leben nahm. Flaubert kannte den Fall und machte ihn zur literarischen Grundlage seines Romans.

Warum wurde Flaubert wegen Madame Bovary angeklagt?

Die französische Staatsanwaltschaft sah in dem Roman einen Verstoß gegen öffentliche Moral, gute Sitten und Religion, weil er Ehebruch ohne moralische Verurteilung schilderte. Flaubert wurde im Februar 1857 freigesprochen. Der Prozess machte den Roman berühmt.

Zu welcher literarischen Epoche gehört Madame Bovary?

Madame Bovary wird dem literarischen Realismus zugerechnet und gilt als eines seiner Schlüsselwerke. Flauberts Stilprinzipien – emotionale Distanz, Neutralität, sprachliche Präzision – prägten den modernen Roman entscheidend.

{"@context":"https://schema.org","@type":"FAQPage","mainEntity":[{"@type":"Question","name":"Wer hat Madame Bovary geschrieben?","acceptedAnswer":{"@type":"Answer","text":"Madame Bovary wurde von dem französischen Schriftsteller Gustave Flaubert (1821–1880) geschrieben. Der Roman erschien 1856 zuerst als Fortsetzung in der Zeitschrift Revue de Paris und 1857 als Buch."}},{"@type":"Question","name":"Wann wurde Madame Bovary veröffentlicht?","acceptedAnswer":{"@type":"Answer","text":"Die Erstveröffentlichung als Zeitschriftenserie erfolgte von Oktober bis Dezember 1856. Die Buchausgabe in zwei Bänden erschien im April 1857, kurz nach Flauberts Freispruch im Obszönitätsprozess."}},{"@type":"Question","name":"Basiert Madame Bovary auf einer wahren Geschichte?","acceptedAnswer":{"@type":"Answer","text":"Ja. Die Vorlage war der reale Fall von Delphine Delamare, einer Landarztehefrau aus der Normandie, die ihren Mann betrog, Schulden anhäufte und sich 1848 das Leben nahm. Flaubert kannte den Fall und machte ihn zur literarischen Grundlage seines Romans."}},{"@type":"Question","name":"Warum wurde Flaubert wegen Madame Bovary angeklagt?","acceptedAnswer":{"@type":"Answer","text":"Die französische Staatsanwaltschaft sah in dem Roman einen Verstoß gegen öffentliche Moral, gute Sitten und Religion, weil er Ehebruch ohne moralische Verurteilung schilderte. Flaubert wurde im Februar 1857 freigesprochen. Der Prozess machte den Roman berühmt."}},{"@type":"Question","name":"Zu welcher literarischen Epoche gehört Madame Bovary?","acceptedAnswer":{"@type":"Answer","text":"Madame Bovary wird dem literarischen Realismus zugerechnet und gilt als eines seiner Schlüsselwerke. Flauberts Stilprinzipien – emotionale Distanz, Neutralität, sprachliche Präzision – prägten den modernen Roman entscheidend."}}]}

Verwandte Artikel