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Rosalind Franklins Schlüsselrolle bei der DNA-Entdeckung

Veröffentlicht 25. Juli 2025 Aktualisiert 15. Juni 2026

Wie spielte die Schlüsselrolle in der DNA-Entdeckung?

Die Entdeckung der Doppelhelixstruktur der DNA im Jahr 1953 gilt als einer der bedeutendsten wissenschaftlichen Durchbrüche des 20. Jahrhunderts. Zwar werden häufig James Watson und Francis Crick als die „Väter" dieser Entdeckung gefeiert – doch das vollständige Bild ist erheblich komplexer: Ohne die bahnbrechende Röntgenforschung von Rosalind Franklin wäre das Modell der Doppelhelix nie zustande gekommen. Die Geschichte dieser Entdeckung ist zugleich eine Geschichte über wissenschaftliche Zusammenarbeit, Rivalität und die lange verschwiegene Schlüsselrolle einer Frau.

Wie spielte die Schlüsselrolle in der DNA-Entdeckung?

Die wichtigsten Akteure im Überblick

An der Aufklärung der DNA-Struktur waren vier Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler maßgeblich beteiligt:

  • James Watson – US-amerikanischer Biologe, arbeitete am Cavendish Laboratory in Cambridge
  • Francis Crick – britischer Physiker und Molekularbiologe, ebenfalls in Cambridge
  • Maurice Wilkins – neuseeländisch-britischer Biophysiker am King's College London
  • Rosalind Franklin – britische Chemikerin und Röntgenkristallografin, ebenfalls am King's College London

Hinzu kommt Raymond Gosling, Franklins Doktorand, der ihr bei den Röntgenaufnahmen assistierte und eine technisch unverzichtbare Rolle spielte.

Rosalind Franklin und das Foto 51

Im Jahr 1951 begann Rosalind Franklin am King's College London mit der systematischen Röntgenkristallografie der DNA. Mit äußerster Präzision gelang es ihr und Gosling, zwei verschiedene Formen der DNA – die sogenannte A-Form und die B-Form – zu unterscheiden und separat zu untersuchen. Im Mai 1952 entstand das berühmteste Röntgenbeugungsbild der Wissenschaftsgeschichte: „Photo 51". Es zeigt die B-Form der DNA und liefert das bis dahin schärfste und aussagekräftigste Bild der Molekülstruktur. Auf dem Bild sind deutlich die charakteristischen X-förmigen Reflexionsmuster zu erkennen – ein unmissverständlicher Hinweis auf eine helikale, also spiralförmige Struktur.

Franklin selbst war methodisch und vorsichtig: Sie wollte die Daten vollständig auswerten, bevor sie Schlussfolgerungen zog. Ihre Messdaten enthielten präzise Informationen über den Abstand der Basenpaare, den Durchmesser der Helix und den Winkel der Spirale – Angaben, die für den Modellbau unverzichtbar waren.

Der heimliche Datentransfer: Wie Watson und Crick zum Modell kamen

Die entscheidende Wendung in dieser Geschichte ereignete sich Anfang 1953. Maurice Wilkins, der mit Franklin in einem schwierigen kollegialen Verhältnis stand, zeigte James Watson das „Photo 51" – ohne Franklins Wissen und ohne ihre Zustimmung. Watson erkannte sofort die Tragweite des Bildes: Es bestätigte die helikale Struktur der DNA eindeutig. Gleichzeitig gelangte ein interner Fortschrittsbericht Franklins an den Chemiker Max Perutz, der ihn an Watson und Crick weitergab.

Mit diesen Daten konnten Watson und Crick ihr Modell der Doppelhelix vervollständigen. Im April 1953 erschienen in der Fachzeitschrift Nature drei parallele Artikel: der berühmte Watson-Crick-Artikel mit dem Modell der Doppelhelix, ein Artikel von Wilkins sowie ein Artikel von Franklin und Gosling mit den Röntgendaten. Die Anordnung suggerierte, Franklins Arbeit sei lediglich eine Bestätigung des Watson-Crick-Modells gewesen – tatsächlich war sie dessen Grundlage.

Francis Crick selbst räumte später ein: „Ohne Franklins Daten wäre die Formulierung unserer Struktur höchst unwahrscheinlich, wenn nicht unmöglich gewesen."

Der Nobelpreis 1962 – ohne Franklin

Im Jahr 1962 wurden Watson, Crick und Wilkins mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin ausgezeichnet – für ihre Entdeckungen über die molekulare Struktur von Nukleinsäuren. Rosalind Franklin war zu diesem Zeitpunkt bereits tot: Sie starb 1958 im Alter von nur 37 Jahren an Eierstockkrebs, möglicherweise mitverursacht durch ihre intensive Arbeit mit Röntgenstrahlung. Da der Nobelpreis nicht posthum vergeben wird, blieb ihr Name in der offiziellen Auszeichnung ungenannt.

Wilkins erwähnte Franklin in seiner Nobelpreisrede mit keinem Wort. Watson hingegen gab in seinem 1968 erschienenen Buch The Double Helix ein abwertend-sexistisches Bild von Franklin wieder, was die öffentliche Wahrnehmung ihrer Person jahrzehntelang prägte.

Historische Neubewertung und aktuelle Würdigungen

Seit den 1970er-Jahren, insbesondere durch die Biografin Anne Sayre, begann eine schrittweise Rehabilitation von Franklins Ruf. Heute gilt sie in der Wissenschaftsgeschichte weithin als gleichberechtigte Mitentdeckerin der DNA-Struktur, deren Beitrag lange systematisch unterschätzt und verschwiegen wurde.

Die Neubewertung setzt sich bis in die Gegenwart fort:

  • Im September 2025 erwarb das Science History Institute (USA) das Archiv des J. Craig Venter Institute, das einzigartiges Material von Franklin, Crick, Watson, Wilkins und Linus Pauling enthält. Die Sammlung wird digitalisiert und weltweit kostenlos zugänglich gemacht.
  • Im Januar 2026 wurde Rosalind Franklin in die Liste der auf dem Eiffelturm verewigten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aufgenommen – eine symbolische Anerkennung ihrer welthistorischen Bedeutung.
  • Die Europäische Weltraumorganisation ESA benannte ihren Mars-Rover nach ihr: „Rosalind Franklin".

In Bildungssystemen weltweit, auch in Deutschland, ist Franklins Fall heute fester Bestandteil von Debatten über Geschlechtergerechtigkeit in der Wissenschaft und über die ethischen Grundsätze wissenschaftlicher Praxis.

Was die DNA-Entdeckung über Wissenschaft lehrt

Die Geschichte der DNA-Entdeckung zeigt exemplarisch, dass wissenschaftliche Durchbrüche selten das Werk einzelner Genies sind. Sie entstehen im Zusammenspiel vieler Beiträge – und sind anfällig für Machtungleichgewichte, die bestimmen, wer am Ende den Ruhm erhält. Franklin lieferte die empirische Grundlage; Watson und Crick bauten das Modell. Wilkins war das Bindeglied, das – ob bewusst oder nicht – die Daten weitergab. Alle vier leisteten unverzichtbare Beiträge.

Die anhaltende wissenschaftliche und gesellschaftliche Auseinandersetzung mit diesem Fall hat dazu beigetragen, Standards für gute wissenschaftliche Praxis, Datenschutz in der Forschung und die faire Anerkennung von Mitautorenschaft zu schärfen.

Häufig gestellte Fragen

Wer hat die DNA wirklich entdeckt?

Die Struktur der DNA – die Doppelhelix – wurde 1953 von James Watson und Francis Crick modelliert, wesentlich gestützt auf Röntgendaten von Rosalind Franklin und Maurice Wilkins. Franklin lieferte mit „Photo 51" die entscheidende empirische Grundlage. Eine alleinige „Entdeckerin" oder einen alleinigen „Entdecker" gibt es nicht; es war ein kollektiver, wenn auch ungleicher wissenschaftlicher Prozess.

Warum erhielt Rosalind Franklin keinen Nobelpreis?

Rosalind Franklin starb 1958 an Krebs, vier Jahre bevor Watson, Crick und Wilkins 1962 den Nobelpreis erhielten. Da der Nobelpreis nicht posthum verliehen wird, konnte sie nicht ausgezeichnet werden. Ihr Beitrag wurde zu Lebzeiten und auch in der Nobelpreisrede weitgehend übergangen.

Was ist „Photo 51" und warum ist es so bedeutend?

„Photo 51" ist eine Röntgenbeugungsaufnahme der DNA, die Rosalind Franklin und Raymond Gosling 1952 anfertigten. Sie zeigte erstmals mit höchster Klarheit die helikale Struktur der DNA und lieferte präzise Messdaten über Abstände und Winkel – Angaben, die Watson und Crick für ihr Modell der Doppelhelix verwendeten.

Wurde Rosalind Franklins Arbeit ohne ihr Wissen weitergegeben?

Ja. Maurice Wilkins zeigte Watson „Photo 51" ohne Franklins Zustimmung. Außerdem gelangte ein interner Forschungsbericht Franklins über Dritte an Watson und Crick. Franklin selbst erfuhr davon nicht.

Wie wird Rosalind Franklin heute gewürdigt?

Heute gilt Franklin als gleichberechtigte Mitentdeckerin der DNA-Doppelhelix. Sie ist Namensgeberin des ESA-Mars-Rovers „Rosalind Franklin", wurde 2026 auf dem Eiffelturm geehrt, und ihr Archivmaterial wird seit 2025 durch das Science History Institute der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

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