Anthony Fokker: Pionier der Luftfahrt und seine Bedeutung
Anthony Fokker (6. April 1890 – 23. Dezember 1939) gehört zu den einflussreichsten Persönlichkeiten der frühen Luftfahrtgeschichte. Als niederländischer Flugzeugkonstrukteur, Unternehmer und Pilot prägte er sowohl den militärischen Luftkampf des Ersten Weltkriegs als auch die zivile Luftfahrt der Zwischenkriegszeit entscheidend mit. Keine andere Einzelperson hatte im frühen 20. Jahrhundert einen vergleichbar großen Einfluss auf die technische Entwicklung von Flugzeugen und auf die kommerzielle Luftfahrt.

Herkunft und frühe Jahre
Anthony Herman Gerard Fokker wurde am 6. April 1890 in Blitar, damals Niederländisch-Ostindien (heute Indonesien), als Sohn einer wohlhabenden Kaffeeplantagen-Besitzerfamilie geboren. Schon als Kind zeigte er ausgeprägte technische Neigungen. Sein Vater schickte ihn 1910 nach Deutschland, um eine Ausbildung als Kraftfahrzeugmechaniker an der Bingener Technischen Schule zu absolvieren. Fokker interessierte sich jedoch weit mehr für das Fliegen als für den Automobil- oder Maschinenbau und wechselte bald in ein Ausbildungsprogramm mit Flugschwerpunkt. Bereits im Alter von 20 Jahren baute er sein erstes eigenes Flugzeug, die Spin (dt. Spinne) – das erste in den Niederlanden konstruierte und geflogene Motorflugzeug. Kurz darauf erwarb er seinen Pilotenschein.
Unternehmensgründung und erste Erfolge
Im Jahr 1912 gründete Fokker in Berlin die Fokker Aeroplanbau GmbH, sein erstes Luftfahrtunternehmen. Deutschland bot ihm zu jener Zeit ein günstiges Umfeld für seine Ambitionen: Die Kaiser-Luftwaffe hatte Bedarf an leistungsfähigen Flugzeugen, und die rasante technische Entwicklung eröffnete innovativen Konstrukteuren große Spielräume. Fokker stellte sich als äußerst pragmatischer Ingenieur heraus: weniger akademischer Theoretiker als intuitiver Tüftler, der Lösungen bevorzugte, die schnell funktionieren und sich bewähren. Damit legte er die Grundlage für ein Unternehmen, das in den folgenden Jahrzehnten zu einem der bedeutendsten der Welt werden sollte.
Der Erste Weltkrieg und die Fokker-Geißel
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 entschied sich Fokker – obwohl niederländischer Staatsbürger und damit Angehöriger eines neutralen Landes – für eine Zusammenarbeit mit dem Deutschen Kaiserreich. Diese Entscheidung war vorwiegend geschäftlicher Natur: Deutschland war der größte Abnehmer, und die Regierung bot attraktive Konditionen.
Die Erfindung des Synchronisationsgetriebes
Fokkers bedeutendste technische Leistung des Krieges war die Entwicklung des Synchronisationsgetriebes im Mai 1915. Zuvor war es kaum möglich, mit einem starr eingebauten Maschinengewehr durch den Propellerkreis eines Flugzeuges zu feuern, ohne die eigenen Propellerblätter zu zerstören. Fokker konstruierte in kürzester Zeit einen Mechanismus, der die Schussfrequenz des Maschinengewehrs mit der Umdrehungsgeschwindigkeit des Propellers synchronisierte – das Gewehr feuerte exakt in den Lücken zwischen den Propellerblättern. Diese Lösung gab deutschen Piloten für rund ein halbes Jahr entscheidende Luftüberlegenheit, ein Zeitraum, der in der Militärhistorie als „Fokker-Geißel" (engl. Fokker Scourge) bekannt ist.
Militärische Flugzeugmodelle
Während des Krieges produzierte Fokker eine Reihe technisch wegweisender Jagdflugzeuge für die deutsche Luftwaffe:
- Fokker Eindecker (E.I–E.IV): Die ersten Serienflugzeuge mit integriertem Synchronisationsgetriebe; sie dominierten 1915/16 den Luftkampf über der Westfront.
- Fokker Dr.I: Das legendäre Dreidecker, das vor allem durch den Roten Baron Manfred von Richthofen berühmt wurde.
- Fokker D.VII: Von vielen Fachhistorikern als bestes Jagdflugzeug des Ersten Weltkriegs betrachtet. So gefürchtet war die D.VII, dass sie als einziges Flugzeug namentlich im Waffenstillstandsvertrag von 1918 zur Auslieferung aufgeführt wurde.
Insgesamt lieferte das Unternehmen etwa 700 Militärflugzeuge an die deutsche Luftwaffe sowie weitere Maschinen an die deutsche Marine und die österreichisch-ungarischen Streitkräfte.
Rückkehr in die Niederlande und zivile Luftfahrt
Mit der deutschen Niederlage 1918 und dem Versailler Vertrag, der Deutschland die Flugzeugproduktion untersagte, stand Fokkers Unternehmen vor dem Ende. Fokker reagierte entschlossen: Er ließ heimlich große Mengen an Flugzeugmaterial, Triebwerken und Werkzeugmaschinen per Güterzug in die Niederlande schaffen und gründete dort 1919 die Nederlandsche Vliegtuigenfabriek Fokker in Amsterdam (später Schiphol). Aus den Resten des Kriegsbetriebs entstand so ein neues Unternehmen, das nun auf zivile Luftfahrt ausgerichtet war.
Die Zwischenkriegszeit war Fokkers kommerziell erfolgreichste Phase. Besonders der Fokker F.VII/3m, ein dreimotoriges Verkehrsflugzeug, avancierte zum meistverkauften Verkehrsflugzeug seiner Zeit. Fokker-Maschinen wurden von zahlreichen aufstrebenden Fluggesellschaften in Europa und Amerika eingesetzt. Zwischen 1911 und 1928 entwickelte sich das Unternehmen zeitweise zum größten Flugzeughersteller der Welt.
Fokker-Flugzeuge spielten auch bei historischen Rekordflügen eine wichtige Rolle: Das Expeditionsflugzeug von Richard Byrd für seine Arktis-Expedition 1926 war ein Fokker, ebenso das Flugzeug, mit dem Amelia Earhart 1928 als erste Frau den Atlantik überquerte.
Umzug in die USA und späte Jahre
1922 ließ sich Anthony Fokker endgültig in den Vereinigten Staaten nieder und erwarb die amerikanische Staatsbürgerschaft. Ein Jahr später gründete er die Atlantic Aircraft Corporation, die ab 1927 als Fokker Aircraft Corp. of America firmierte. In den USA baute er sein Geschäft weiter aus und erwarb Lizenzrechte für amerikanische Flugzeugtypen für den europäischen Markt. In seinen letzten Lebensjahren gehörte er zu den wohlhabendsten Männern der amerikanischen Luftfahrtindustrie.
Seinen letzten Lebensjahren trübten gesundheitliche Probleme. Am 23. Dezember 1939 starb Anthony Fokker im Murray-Krankenhaus in New York City an einer bakteriellen Meningitis (Gehirnhautentzündung). Er wurde nur 49 Jahre alt. Seine Asche wurde 1940 in die Niederlande überführt und auf dem Friedhof Westerveld in Driehuis (Provinz Nordholland) beigesetzt.
Bedeutung und Vermächtnis
Anthony Fokkers Bedeutung für die Luftfahrtgeschichte ist kaum zu überschätzen. Er vereinte in seltener Weise technischen Erfindergeist, unternehmerisches Geschick und fliegerisches Können. Das nach ihm benannte Unternehmen überlebte ihn um Jahrzehnte: Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Fokker-Fabrik in den Niederlanden wieder aufgebaut. Mit staatlicher Unterstützung entstanden erfolgreiche Nachkriegsmodelle wie die Fokker F27 Friendship und die Fokker F28 Fellowship, die bis in die 1980er und 1990er Jahre bei zahlreichen Regionalfluggesellschaften weltweit im Einsatz waren. Das Unternehmen bestand in verschiedenen Formen bis 1996, als es Insolvenz anmeldete.
In den Niederlanden gilt Fokker bis heute als nationale Ikone der Technik- und Luftfahrtgeschichte. Sein Name lebt im Flughafen Schiphol und in verschiedenen Forschungs- und Technologieprojekten fort. Als Konstrukteur, dessen Ideen sowohl den Luftkampf des Ersten Weltkriegs als auch die frühe kommerzielle Luftfahrt fundamental beeinflussten, bleibt Anthony Fokker eine der prägendsten Figuren der gesamten Aviationsgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Was hat Anthony Fokker erfunden?
Anthony Fokker ist vor allem für die Entwicklung des Synchronisationsgetriebes im Jahr 1915 bekannt. Dieses System ermöglichte es, ein Maschinengewehr durch den rotierenden Propellerkreis eines Flugzeuges zu feuern, ohne die eigenen Propellerblätter zu beschädigen. Zuvor konstruierte er auch zahlreiche Flugzeugtypen, darunter den Fokker Eindecker, den Dr.I-Dreidecker und die D.VII.
Für welches Land hat Anthony Fokker im Ersten Weltkrieg gearbeitet?
Obwohl Fokker niederländischer Staatsbürger war – die Niederlande blieben im Ersten Weltkrieg neutral –, arbeitete er für das Deutsche Kaiserreich. Sein Unternehmen belieferte die deutsche Luftwaffe mit Kampfflugzeugen, da Deutschland der bei weitem größte Auftraggeber war.
Was war die „Fokker-Geißel"?
Als „Fokker-Geißel" (engl. Fokker Scourge) bezeichnet die Militärhistorie einen Zeitraum von etwa sechs Monaten im Jahr 1915/16, in dem deutsche Piloten mit Fokker-Eindeckern und dem Synchronisationsgewehr eine deutliche Luftüberlegenheit über der Westfront besaßen. Alliierte Piloten erlitten in dieser Phase sehr hohe Verluste.
Wann und wo ist Anthony Fokker gestorben?
Anthony Fokker starb am 23. Dezember 1939 im Murray-Krankenhaus in New York City an einer Meningitis. Er war 49 Jahre alt. Seine Asche wurde 1940 in die Niederlande überführt und auf dem Friedhof Westerveld in Driehuis beigesetzt.
Was wurde aus der Firma Fokker nach seinem Tod?
Das Unternehmen Fokker bestand nach Anthony Fokkers Tod weiter. In den Niederlanden wurde die Fabrik nach dem Zweiten Weltkrieg wiederaufgebaut. Es entstanden erfolgreiche Passagierflugzeuge wie die Fokker F27 Friendship und die Fokker F28 Fellowship. Das Unternehmen meldete schließlich 1996 Insolvenz an.