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Ramses II.: Wer er war und seine größten Erfolge

Veröffentlicht 22. Mai 2026 Aktualisiert 15. Juni 2026

Wie war Ramses II. und was waren seine größten Erfolge?

Ramses II., auch bekannt als Ramses der Große, zählt zu den faszinierendsten und einflussreichsten Herrschern der gesamten Weltgeschichte. Seine Regierungszeit von rund 66 Jahren (1279-1213 v. Chr.) war geprägt von gewaltigen Bauprojekten, wegweisender Diplomatie und militärischen Feldzügen, die bis heute in Museen, Geschichtsbüchern und archäologischen Stätten sichtbar sind. Wer er war und was seine Herrschaft so außergewöhnlich machte, lässt sich anhand seiner bedeutendsten Hinterlassenschaften nachvollziehen.

Wie war Ramses II. und was waren seine größten Erfolge?

Herkunft und Aufstieg zur Macht

Ramses II. wurde um 1303 v. Chr. als Sohn des Pharaos Sethos I. und der Königin Tuya geboren. Schon früh wurde er in die Regierungsgeschäfte eingeführt: Bereits im Alter von etwa zehn Jahren begleitete er seinen Vater auf Feldzügen. Mit ungefähr 14 Jahren wurde er zum Kronprinzen ernannt und übernahm aktiv militärische Aufgaben.

Nach dem Tod seines Vaters Sethos I. bestieg Ramses II. um 1279 v. Chr. den Thron. Er war zu diesem Zeitpunkt etwa 25 Jahre alt und herrschte dann über sechs Jahrzehnte lang - eine Regierungszeit, die selbst für einen ägyptischen Pharao außergewöhnlich lang war. Sein langes Leben (er soll fast 90 Jahre alt geworden sein) und seine zahllosen Kinder - Quellen sprechen von über 100 Söhnen und Töchtern - machten ihn zur legendären Figur noch zu Lebzeiten.

Die Schlacht von Kadesch: Militärische Meisterleistung oder Propaganda?

Der bekannteste militärische Höhepunkt der Herrschaft Ramses' II. war die Schlacht von Kadesch um 1274 v. Chr. gegen die Hethiter. Diese Auseinandersetzung um die Stadt Kadesch am Orontes-Fluss (im heutigen Syrien) gilt als eine der frühesten gut dokumentierten Schlachten der Geschichte.

Ramses II. führte vier Armeekorps nach Norden, wurde aber durch eine List der Hethiter in einen Hinterhalt gelockt. Zwei seiner Armeekorps wurden von den hethitischen Streitwagentruppen überrascht und in die Flucht geschlagen. Ramses selbst soll in dieser kritischen Situation persönlich eingegriffen und durch seinen Mut die Wende herbeigeführt haben - zumindest laut der ägyptischen Propagandaversion, dem sogenannten "Kadesh-Gedicht".

Historisch betrachtet endete die Schlacht ohne klaren Sieger. Beide Seiten erlitten schwere Verluste, und keine konnte die Stadt dauerhaft einnehmen. Dennoch ließ Ramses seine angebliche Heldentat auf zahlreichen Tempeln im ganzen Reich darstellen - ein frühes Beispiel für politische Propaganda im großen Stil.

Der erste Friedensvertrag der Geschichte

Was aus der unentschiedenen Schlacht von Kadesch folgte, war jedoch wirklich historisch: Im 21. Jahr seiner Herrschaft, etwa 1259 v. Chr., schloss Ramses II. mit dem hethitischen König Hattusili III. den ältesten bekannten Friedensvertrag der Weltgeschichte. Dieser Vertrag ist in zwei Versionen erhalten - einer ägyptischen in Hieroglyphen und einer hethitischen in Keilschrift.

Der Vertrag enthielt eine gegenseitige Nichtangriffspakte, Regelungen über die Auslieferung von Flüchtlingen und die gegenseitige Unterstützung im Falle eines Angriffs durch Dritte. Eine Kopie dieses historischen Dokuments hängt heute im Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York als Symbol für internationale Diplomatie und Friedensbemühungen.

Die Bauprojekte: Ramses als größter Bauherr Ägyptens

Kein anderer Pharao hinterließ so viele monumentale Bauwerke wie Ramses II. Über seine mehr als sechs Jahrzehnte währende Regierungszeit ließ er im gesamten ägyptischen Reich und in Nubien Tempel, Statuen und Monumentalbauten errichten. Dabei war er auch nicht zimperlich, Werke seiner Vorgänger mit seinem eigenen Namen zu versehen oder umzubauen.

Abu Simbel: Das Wunder am Nil

Das eindrucksvollste Bauwerk Ramses' II. ist zweifellos der Felsentempel von Abu Simbel in Nubien. Dieser gewaltige Tempel wurde aus dem Fels gehauen und zeigt vier kolossale Sitzstatuen des Pharaos an der Fassade, jede etwa 20 Meter hoch. Das Innere des Tempels ist so ausgerichtet, dass zweimal im Jahr - am 22. Februar und 22. Oktober - die aufgehende Sonne tief in das Allerheiligste fällt und die Statuen der Götter sowie Ramses' eigene Statue beleuchtet.

Ein zweiter, kleinerer Felsentempel daneben wurde seiner Lieblingsfrau Nefertari gewidmet - ein einzigartiger Akt, da Tempel normalerweise nur Göttern geweiht wurden. In den 1960er Jahren drohte der Assuan-Staudamm den Tempel zu überfluten. In einer beispiellosen internationalen Rettungsaktion wurden beide Tempel in einer aufwändigen Aktion um 65 Meter bergwärts versetzt und gerettet.

Weitere bedeutende Bauwerke

  • Der Ramesseum: Ramses' eigener Totentempel am Westufer von Theben, ein gewaltiger Baukomplex mit einem einst 17 Meter hohen Koloss des Pharaos
  • Erweiterungen des Karnak-Tempels: Ramses ließ den bereits riesigen Tempel des Amun in Karnak durch eine beeindruckende Säulenhalle (Hypostyle Hall) erweitern
  • Pi-Ramesse: Eine ganz neue Hauptstadt, die Ramses im Nildelta errichten ließ und die als prächtiger Regierungssitz galt
  • Zahlreiche Tempel in ganz Ägypten und Nubien, darunter in Abydos, Luxor und Gerf Hussein

Ramses II. und die Diplomatie

Über seine militärischen Feldzüge hinaus war Ramses II. auch ein geschickter Diplomat. Der Friedensvertrag mit den Hethitern war nicht nur ein historischer Meilenstein, sondern auch der Beginn einer langen Periode der Stabilität zwischen den beiden damals mächtigsten Reichen der Welt.

Im 34. Jahr seiner Herrschaft festigte Ramses das Bündnis durch eine Heirat mit einer hethitischen Prinzessin, Tochter des Königs Hattusili III. Ägyptische Quellen berichten, dass die Prinzessin - der Name Maathorneferure wurde ihr in Ägypten gegeben - in den Harem des Pharaos aufgenommen wurde und hohe Ehrungen erhielt.

Auch der intensive Briefwechsel Ramses' II. mit anderen Herrschern ist überliefert. Die sogenannten Amarna-Briefe, obwohl hauptsächlich aus der Zeit seines Vorgängers Echnaton stammend, zeigen ein System der internationalen Korrespondenz, das Ramses aktiv fortführte. Die damalige internationale Sprache der Diplomatie war Akkadisch (Babylonisch), und ägyptische Schreiber beherrschten diese Sprache ebenso wie fremde Gesandte Ägyptisch lernten.

Familie und Nachkommen

Ramses II. war für seine außergewöhnlich große Familie bekannt. Er hatte mehrere Hauptgemahlinnen, darunter die berühmte Nefertari, sowie zahlreiche Nebenfrauen. Inschriften und Reliefs nennen über 100 Söhne und mehr als 50 Töchter. Diese schiere Zahl war auch politisch wichtig: Ein Pharao mit so vielen Nachkommen sicherte die Kontinuität der Dynastien und konnte Söhne als Gouverneure und Generäle einsetzen.

Dass er seine Söhne überlebte, war eine Tragödie: Ramses II. soll mindestens zwölf seiner ältesten Söhne überlebt haben, bevor schließlich sein Sohn Merenptah die Herrschaft übernahm. Merenptah war bereits ein alter Mann, als er Pharao wurde, und war wahrscheinlich der 13. oder 14. Sohn des großen Pharaos.

Nefertari, seine Lieblingsgemahlin, ist besonders wegen der prachtvollen Wandgemälde in ihrem Grab im Tal der Königinnen bekannt. Diese Gemälde gelten als zu den schönsten im alten Ägypten erhaltenen Kunstwerken. Moderne Forschungen, einschließlich DNA-Analysen der in ihrem Grab gefundenen Mumienreste, bestätigen, dass es sich um eine europide Frau mittleren Alters handelte.

Ramses II. und die ägyptische Religion

Religion war für Ramses II. nicht nur eine private Angelegenheit, sondern ein zentrales Instrument der Herrschaft. Als Pharao galt er selbst als Gottheit - als lebender Horus auf Erden und nach seinem Tod als Osiris. Diese göttliche Rolle drückte sich in der Religionspolitik deutlich aus.

Ramses II. war ein überzeugter Anhänger des Amun-Kultes von Theben, widmete aber auch anderen Göttern wie Ptah, Re-Harachte und sogar sich selbst als vergöttlichtem Pharao Tempel. In Abu Simbel wurde er als göttliche Figur neben drei anderen Göttern dargestellt - eine Selbstvergöttlichung noch zu Lebzeiten, die in der ägyptischen Geschichte außergewöhnlich war.

Die religiösen Bauprojekte erfüllten dabei mehrere Zwecke gleichzeitig. Sie dienten der Verehrung der Götter, der Legitimation des Pharaos als deren irdischer Stellvertreter, der wirtschaftlichen Verwaltung (Tempel besaßen großen Landbesitz), der Unterhaltung der Priesterschaft und der politischen Botschaft an die Untertanen und Nachbarvölker. Ein gewaltiger Tempel mit einem riesigen Abbild des Pharaos signalisierte Macht, Reichtum und göttlichen Schutz.

Auch die Erneuerung älterer Monumente fiel in Ramses' religiöse Politik. Er ließ ältere Statuen und Reliefs mit seinem eigenen Namen versehen, was spätere Historiker als eine Art "Markendiebstahl" bezeichneten. Diese Praxis, die ägyptisch "Usurpation" genannt wird, bedeutete, dass Ramses' Name auf Hunderten von Monumenten prangt, die er selbst nicht hatte errichten lassen.

Feldzüge und militärische Organisation

Neben Kadesch führte Ramses II. zahlreiche weitere Feldzüge durch. Früh in seiner Herrschaft zog er gegen Libyer und syrische Städte, und mehrere Feldzüge in den Süden (Nubien) dienten der Kontrolle der dortigen Goldminen, die für den Reichtum des Reiches unverzichtbar waren.

Das ägyptische Militär unter Ramses bestand aus berufsmäßigen Soldaten sowie Abteilungen fremder Söldner, darunter Nubier, Libyer und später sogar Seevölker-Krieger. Die Streitwagen-Einheiten waren die Elite der Armee und entschieden oft über Sieg oder Niederlage auf offenem Feld. Die Armee war in Divisionen eingeteilt, die nach ägyptischen Gottheiten benannt wurden - Re, Amun, Ptah und Sutekh.

Die Verwaltung der Militärkampagnen und die Versorgung der Truppen erforderten ein ausgefeiltes logistisches System. Schreiber begleiteten die Armee und hielten Beute, Verluste und Kriegsgefangene genau fest. Die erbeuteten Sklaven und Ressourcen aus erfolgreichen Feldzügen flossen in die Tempel und den Staatshaushalt.

Das Erbe des Ramses II.

Die Nachwirkungen der Herrschaft Ramses' II. können kaum überschätzt werden. Schon zu seinen Lebzeiten wurde er als Gottheit verehrt, eine Auszeichnung, die sonst nur wenigen Pharaonen zuteilwurde. Nach seinem Tod um 1213 v. Chr. wurde er als "der Große" bezeichnet, und neun spätere Pharaonen nahmen seinen Namen Ramses an - ein klarer Hinweis auf seine legendäre Stellung.

Manche Historiker vermuten zudem, dass Ramses II. der Pharao war, gegen den der biblische Moses kämpfte, obwohl diese Gleichsetzung historisch umstritten ist. Die Übereinstimmung der Zeiträume und der Kontext der ägyptischen Herrschaft über hebräische Sklaven beim Bau von Pi-Ramesse passt zeitlich zumindest grob zu den biblischen Berichten.

Heute ruht die Mumie Ramses' II. im Ägyptischen Museum in Kairo und zieht jährlich Tausende von Besuchern an. Sie ist eine der am besten erhaltenen Pharaonenmumien und ermöglicht es Forschern, über den Tod hinaus Rückschlüsse auf sein Aussehen und seine Gesundheit zu ziehen. Untersuchungen zeigten, dass er im Alter an Arthritis, Arteriosklerose und Zahnproblemen litt - ganz menschliche Leiden eines sonst göttlich verehrten Herrschers.

Häufig gestellte Fragen

Wann lebte Ramses II. und wie lange regierte er?

Ramses II. lebte etwa von 1303 bis 1213 v. Chr. und regierte ungefähr 66 Jahre, von 1279 bis 1213 v. Chr. Damit gehört er zu den am längsten regierenden Pharaonen der ägyptischen Geschichte. Er starb im Alter von fast 90 Jahren, was für die damalige Zeit außergewöhnlich war.

Was war der bedeutendste Erfolg von Ramses II.?

Der diplomatisch bedeutendste Erfolg war der Friedensvertrag mit den Hethitern (um 1259 v. Chr.), der als ältester bekannter Friedensvertrag der Weltgeschichte gilt. Baukünstlerisch war der Felsentempel von Abu Simbel seine spektakulärste Hinterlassenschaft. Militärisch hinterließ er eine stabile Nordgrenze, auch wenn die Schlacht von Kadesch selbst unentschieden blieb.

Warum ließ Ramses II. so viele Tempel bauen?

Tempel in Ägypten dienten mehreren Zwecken: Sie waren religiöse Zentren für die Götterverehrung, Propaganda-Instrumente zur Glorifizierung des Pharaos und wirtschaftliche Institutionen, die großen Landbesitz und Personal verwalteten. Ramses nutzte seine langen Regierungsjahre und den Reichtum seines Reiches, um ein bleibendes Monument seiner Herrschaft zu schaffen - und damit sicherzustellen, dass sein Name und sein Ruhm ewig fortbestehen.

Wie viele Kinder hatte Ramses II.?

Überlieferungen und Tempelinschriften berichten von über 100 Söhnen und mehr als 50 Töchtern. Die tatsächliche Zahl ist schwer zu verifizieren, da antike Quellen zur Übertreibung neigten. Sicher ist, dass Ramses II. viele Kinder hatte und mehrere seiner ältesten Söhne überlebte, bevor Merenptah als Nachfolger auf den Thron kam.

Ist Ramses II. der Pharao aus der Bibel?

Diese Frage ist historisch umstritten. Die zeitliche Übereinstimmung zwischen der Regierungszeit Ramses' II. und dem biblischen Exodus-Bericht sowie der Bau der Stadt Pi-Ramesse durch israelitische Sklaven laut Bibel legen eine Verbindung nahe. Dennoch gibt es keine eindeutigen ägyptischen Belege für Moses oder den Auszug der Israeliten, weshalb Historiker hier vorsichtig bleiben und die Gleichsetzung als Hypothese betrachten.

Wo ist die Mumie von Ramses II. heute?

Die gut erhaltene Mumie von Ramses II. befindet sich im Ägyptischen Museum in Kairo. Sie wurde ursprünglich in seiner Grabanlage im Tal der Könige (KV7) gefunden, dort aber von Priestern in der späteren Pharaonenzeit in ein Versteck (Deir el-Bahari) umgebettet, um sie vor Grabräubern zu schützen. Seit ihrer Entdeckung im 19. Jahrhundert ist sie eines der wertvollsten Objekte des Museums.

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