Guangzhou FC: Heimat, Stadion und das Ende eines Klubs
Guangzhou FC, jahrelang der dominante Fußballklub Chinas und zweifacher Gewinner der AFC Champions League, ist in der Volksrepublik China eng mit einer einzigen Stadt verbunden: Guangzhou, der Hauptstadt der südchinesischen Provinz Guangdong. Doch die Frage, wo der Klub heute noch spielt, hat seit Anfang 2025 eine ernüchternde Antwort: Der einst mächtige Verein existiert als Profiklub nicht mehr.

Guangzhou – die Heimatstadt des Klubs
Guangzhou (früher im Deutschen oft als Kanton bekannt) liegt im Perlflussdelta im Süden Chinas und ist mit rund 18 Millionen Einwohnern eine der größten Metropolen des Landes. Die Stadt ist das wirtschaftliche Zentrum der Provinz Guangdong und gilt als Wiege des modernen chinesischen Fußballs. Es war hier, dass Guangzhou FC – lange unter dem Namen Guangzhou Evergrande bekannt – zu einem der erfolgreichsten Vereine Asiens aufstieg.
Das Tianhe-Stadion: Jahrelange Heimstätte
Das wichtigste Heimstadion von Guangzhou FC war das Tianhe-Stadion (chinesisch: 天河体育中心), ein Mehrzweckstadion im Tianhe-Bezirk der Stadt. Mit einer Kapazität von rund 54.856 Zuschauern diente es dem Klub seit seiner Blütezeit als primäre Spielstätte. Das Stadion verfügt über eine Leichtathletikanlage und wurde 1987 fertiggestellt – es war ursprünglich für die sechsten Nationalspiele Chinas gebaut worden.
In der Ära der großen Erfolge unter dem Trainer Marcello Lippi und später dem Italiener Fabio Cannavaro hallten im Tianhe-Stadion regelmäßig die Jubelfanfaren zehntausender Anhänger wider. Auch das Huadu-Stadion im Norden Guangzhous wurde zeitweise als Ausweichspielstätte genutzt.
Der Traum vom weltgrößten Fußballstadion
Das ehrgeizigste Bauprojekt des Vereins war der geplante Guangzhou Football Park – ein Stadion, das unter dem Namen „Guangzhou Evergrande Football Stadium" international Schlagzeilen machte. Entworfen vom amerikanischen Architekturbüro Gensler, sollte es das größte reine Fußballstadion der Welt werden. Die erste Planung sah eine Kapazität von 100.000 Zuschauern vor, die Baukosten wurden auf umgerechnet rund 1,57 Milliarden Euro veranschlagt.
Das Design wurde mehrfach überarbeitet: Eine frühe Version war von einer Lotusblüte inspiriert, eine spätere Version orientierte sich an einem Diamanten – eine Anspielung auf die Bedeutung des Stadtbezirks Panyu als Schmuckzentrum. Die endgültige Entwurfsvariante nahm Motive von Drachen- und Phönix-Artefakten aus dem Mausoleum des Nanyue-Königs auf.
Doch der Bau wurde zum Symbol einer gebrochenen Ära: Im Jahr 2022 wurde die Baustelle stillgelegt, als der Haupteigentümer und Sponsor, der Immobilienkonzern China Evergrande Group, in eine der größten Schuldenkrisen der Wirtschaftsgeschichte geriet. Mit Verbindlichkeiten von über 300 Milliarden US-Dollar kollabierte Evergrande – und riss den Verein mit in den Abgrund. Was von dem geplanten Stadion übrig blieb, war eine weithin sichtbare Bauruine.
Im März 2024 wurde der Bau unter neuer Federführung des China Construction Fourth Engineering Bureau zwar wiederaufgenommen – mit einem neuen Vertrag über 2,356 Milliarden Yuan und reduzierter Kapazität von nun 73.000 Plätzen. Ob und wann das Stadion fertiggestellt wird und welchem Verein es dann dienen soll, blieb 2026 noch offen.
Der Aufstieg: Acht Meistertitel in neun Jahren
Um zu verstehen, was Guangzhou FC einst bedeutete, lohnt ein Blick zurück. Der Verein wurde 1954 gegründet und professionalisierte sich 1993. Den entscheidenden Aufschwung brachte die Übernahme durch die Evergrande-Gruppe im Jahr 2010. Mit massiven Investitionen in ausländische Starspieler und Weltklassetrainer wurde Guangzhou innerhalb weniger Jahre zur dominierenden Kraft im chinesischen und asiatischen Fußball:
- 8 Chinesische Superliga-Meistertitel (2011 bis 2019)
- 2 AFC Champions League-Titel (2013 und 2015)
- Trainer wie Marcello Lippi (Weltmeister-Coach 2006) und Fabio Cannavaro
- Spieler wie Paulinho, Jackson Martínez und Graziano Pellè
Der Klub galt als Vorzeigeprojekt Chinas ambitioniertem Plan, bis 2050 eine globale Fußballmacht zu werden.
Der Absturz: Abstieg, Schulden, Auflösung
Mit dem Zusammenbruch von Evergrande ab 2021 verließen Starspieler und Trainerstab den Verein in rascher Folge. Am Ende der Saison 2022 stieg Guangzhou FC aus der Superliga in die China League One ab – ein Schock für den vielleicht berühmtesten Verein des Landes.
Die finanzielle Lage verschlimmerte sich weiter. Im Januar 2025 verweigerte der Chinesische Fußballverband (CFA) dem Klub die Lizenz für die professionelle Liga, da die historischen Schulden nicht ausreichend beglichen werden konnten. Guangzhou FC gab daraufhin offiziell seine Auflösung bekannt. Ein Klub, der Asien dominiert hatte, existiert seitdem nicht mehr als Profiverein.
Häufig gestellte Fragen
In welcher Stadt spielt Guangzhou FC?
Guangzhou FC ist in Guangzhou beheimatet, der Hauptstadt der südchinesischen Provinz Guangdong. Das langjährige Heimstadion war das Tianhe-Stadion im Tianhe-Bezirk der Stadt.
Existiert Guangzhou FC noch?
Nein. Im Januar 2025 wurde dem Verein die Profizulassung durch den Chinesischen Fußballverband verweigert, da die Schulden aus der Evergrande-Insolvenz nicht beglichen werden konnten. Der Klub gab daraufhin seine Auflösung bekannt.
Was ist das Guangzhou Football Park-Stadion?
Das Guangzhou Football Park ist ein geplantes Fußballstadion in Guangzhou, das ursprünglich 100.000 Zuschauer fassen sollte und das weltgrößte reine Fußballstadion hätte werden sollen. Nach dem Evergrande-Bankrott wurde der Bau 2022 gestoppt und 2024 mit reduzierter Kapazität (73.000 Plätze) unter neuer Federführung wieder aufgenommen.
Warum ist Guangzhou FC bankrottgegangen?
Der Hauptgrund war der Kollaps des Sponsors und Eigentümers China Evergrande Group, eines der größten Immobilienunternehmen der Welt, das ab 2021 in eine massive Schuldenkrise geriet. Ohne Finanzierung verlor der Verein seine Starspieler, stieg ab und konnte seine Schulden nicht mehr bedienen.