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Geschichte des Saarlandes: Von den Kelten bis heute

Veröffentlicht 22. Mai 2026 Aktualisiert 15. Juni 2026

Was ist die Geschichte des Saarlandes im Überblick?

Das Saarland blickt auf eine bewegte Geschichte zurück, die von keltischen Stämmen, römischer Herrschaft, mittelalterlichen Territorialstreitigkeiten und dem langen Tauziehen zwischen Deutschland und Frankreich geprägt wurde. Kein anderes deutsches Bundesland hat in so kurzer Zeit so viele politische Zugehörigkeiten erlebt wie das kleine Land an der Saar.

Was ist die Geschichte des Saarlandes im Überblick?

Frühgeschichte: Kelten und Römer im Saarland

Archäologische Funde belegen menschliche Besiedlung im heutigen Saarland seit mehr als 20.000 Jahren. Jäger und Sammler der Altsteinzeit hinterließen Spuren in Höhlen und entlang der Flusstäler. Mit der Bronzezeit entwickelten sich sesshaftere Siedlungsformen, und ab etwa 800 v. Chr. prägten keltische Stämme das Gebiet nachhaltig.

Die Kelten errichteten im Saarland bedeutende Oppida, also befestigte Höhensiedlungen, und betrieben regen Handel über weiträumige Netzwerke. Ihre Kultur hinterließ zahlreiche Funde in Form von Schmuck, Waffen und Tongefäßen. Der Hunnenring bei Otzenhausen, eine gewaltige keltische Ringwallanlage aus dem 4. bis 1. Jahrhundert v. Chr., zählt bis heute zu den eindrucksvollsten keltischen Bauwerken nördlich der Alpen.

Mit dem Gallischen Krieg (58 bis 51 v. Chr.) unter Gaius Julius Caesar kam das Gebiet unter römische Kontrolle. Das Saarland wurde Teil der Provinz Gallia Belgica. Die Römer brachten Straßenbau, Städtegründungen und eine neue wirtschaftliche Ordnung. Zahlreiche Villa-rustica-Anlagen entstanden in der Landschaft; die bedeutendste ist die Römeranlage Borg bei Perl. Trier, das nur wenige Kilometer vom Saarland entfernt liegt, entwickelte sich zur mächtigsten Römerstadt nördlich der Alpen.

Ende der römischen Herrschaft

Im 4. Jahrhundert begann die römische Macht zu bröckeln. Ein Einfall der Alamannen im Jahr 352 n. Chr. zerstörte viele gallo-römische Siedlungen entlang der Saar. Mit der Völkerwanderung des 5. Jahrhunderts endete die römische Ära endgültig, und germanische Stämme, allen voran die Franken, übernahmen die Kontrolle über das Gebiet.

Mittelalter: Fränkisches Reich und territoriale Zersplitterung

Nach dem Zusammenbruch des Weströmischen Reiches erlangte der Frankenkönig Chlodwig I. um 500 n. Chr. die Vorherrschaft über weite Teile Galliens einschließlich des Saargebiets. Er siegte über die Alamannen und trat zum Katholizismus über, was dem fränkischen Reich eine religiöse Einheit gab. Das Saargebiet gehörte fortan zum fränkischen Kernland.

Nach der Teilung des Karolingerreiches (Vertrag von Verdun 843) fiel das Saargebiet an das Ostfränkische Reich. 925 wurde es endgültig Teil des Heiligen Römischen Reiches. Im Hochmittelalter zersplitterte das Territorium in eine Vielzahl kleiner Herrschaftsbereiche. Verschiedene Grafschaften, kirchliche Territorien und Reichsstädte teilten sich die Kontrolle über das Gebiet. Besonders bedeutsam waren die Grafen von Saarbrücken, die im 12. und 13. Jahrhundert eine wichtige Rolle spielten.

Lothringen und der französische Einfluss

Das Herzogtum Lothringen, zu dem Teile des heutigen Saarlandes gehörten, geriet früh in den Einflussbereich Frankreichs. Durch Erbschaft, Heirat und militärische Auseinandersetzungen wechselten Gebiete immer wieder den Besitzer. Die Saarregion wurde so zu einem Grenzgebiet zwischen dem Heiligen Römischen Reich und dem Königreich Frankreich, ein Zustand, der die Geschichte der Region über Jahrhunderte bestimmen sollte.

Frühe Neuzeit: Bergbau und Umkämpfte Grenzen

Mit dem Aufstieg des Steinkohlebergbaus im 18. Jahrhundert gewann das Saargebiet erheblich an wirtschaftlicher Bedeutung. Die reichen Kohlevorkommen im Saarkohlenbecken zogen Investoren und Arbeiter an und machten die Region zu einem frühen Zentrum der Industrialisierung. König Ludwig XIV. von Frankreich bemächtigte sich im Zuge seiner Expansionspolitik vorübergehend verschiedener Saargebiete; durch den Frieden von Rijswijk (1697) musste Frankreich jedoch viele Gewinne wieder abtreten.

Im 18. Jahrhundert stand das Saargebiet weitgehend unter dem Einfluss des Hauses Nassau-Saarbrücken. Graf Wilhelm Heinrich (1718 bis 1768) förderte intensiv den Bergbau und legte damit den Grundstein für die industrielle Entwicklung der Region. Mit der Französischen Revolution und den napoleonischen Kriegen änderte sich die politische Lage grundlegend: Das linke Rheinufer und damit das gesamte Saargebiet wurde 1793 von Frankreich annektiert und blieb es bis 1815.

19. Jahrhundert: Preußen, Industrialisierung und Nationalismus

Nach dem Wiener Kongress (1815) fiel der größte Teil des Saargebiets an Preußen und Bayern. Unter preußischer Verwaltung erlebte die Region einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung. Die Steinkohleförderung wurde systematisch ausgebaut, Hütten- und Stahlwerke entstanden, und Saarbrücken entwickelte sich zur Industriestadt. Die Eisenbahn verband das Saargebiet mit den wichtigsten deutschen Wirtschaftszentren.

Mit dem Aufkommen des deutschen Nationalismus im 19. Jahrhundert stärkte sich das Zugehörigkeitsgefühl der Saarbevölkerung zum deutschen Kulturraum. Der Deutsch-Französische Krieg (1870 bis 1871) und die Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871 festigten die Einbindung des Saargebiets in den deutschen Staat. Saarbrücken war während des Krieges kurzzeitig Schauplatz der ersten Kampfhandlungen auf deutschem Boden.

Weimarer Republik, Völkerbund und das Saargebiet 1920 bis 1935

Der Erste Weltkrieg endete für Deutschland mit der Niederlage und dem Vertrag von Versailles (1919). Das Saargebiet wurde für 15 Jahre dem Völkerbund unterstellt und wirtschaftlich Frankreich angegliedert, das die Kohlengruben als Reparationsleistung übernahm. Eine internationale Kommission verwaltete das Territorium, das damit weder zu Deutschland noch zu Frankreich gehörte.

Am 13. Januar 1935 fand die Saarabstimmung statt. Mit überwältigender Mehrheit von 90,73 Prozent stimmten die Saarbewohner für die Rückkehr zu Deutschland. Nur 0,4 Prozent stimmten für den Anschluss an Frankreich, 8,8 Prozent für den Status quo unter dem Völkerbund. Dieses Ergebnis spiegelte sowohl das starke Heimatgefühl als auch die nationalsozialistische Propaganda wider. Am 1. März 1935 wurde das Saargebiet formell wieder Teil des Deutschen Reiches.

Nach dem Zweiten Weltkrieg: Französisches Protektorat und Rückkehr zu Deutschland

Nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands im Mai 1945 übernahmen amerikanische Truppen zunächst das Saargebiet, übergaben es aber im Juli 1945 an Frankreich. Die französische Militärverwaltung etablierte sich am 30. August 1945. Frankreich verfolgte das Ziel, das Saargebiet dauerhaft von Deutschland zu trennen und wirtschaftlich sowie politisch an sich zu binden.

Am 17. Dezember 1947 trat die erste Saarländische Verfassung in Kraft. Das Saarland erhielt einen autonomen Status mit eigener Staatsangehörigkeit, eigener Währung (zunächst Reichsmark, dann Saarfrankreich und schließlich Franc), eigenem Fußballverband und eigenem Olympia-Team. In der Wirtschafts- und Außenpolitik war das Saarland jedoch fest an Frankreich gebunden.

Die Volksabstimmung von 1955

Im Rahmen der Pariser Verträge von 1954 einigten sich Bundeskanzler Konrad Adenauer und der französische Ministerpräsident Pierre Mendès France auf ein Saarstatut, das das Saarland als autonomes Territorium unter europäischer Aufsicht vorgesehen hätte. Am 23. Oktober 1955 stimmte die Saarbevölkerung über dieses Statut ab. Bei einer Rekordbeteiligung von 97,5 Prozent lehnten 67,7 Prozent den europäischen Status ab. Die Bevölkerung sprach sich damit indirekt für die Rückkehr nach Deutschland aus.

Der Luxemburger Vertrag zwischen Deutschland und Frankreich (1956) regelte die Einzelheiten der Eingliederung. Am 1. Januar 1957 wurde das Saarland das zehnte Bundesland der Bundesrepublik Deutschland. Die wirtschaftliche Eingliederung (Rückkehr zur D-Mark, Zollanschluss) folgte am 6. Juli 1959.

Das Saarland als Bundesland seit 1957

Als jüngstes Bundesland der alten Bundesrepublik musste das Saarland eine doppelte Transformation vollziehen: die politische Eingliederung in die Bundesrepublik und den wirtschaftlichen Strukturwandel. Die jahrzehntelange Abhängigkeit von Kohle und Stahl erwies sich als Hypothek, als beide Industrien ab den 1970er Jahren in eine tiefe Krise gerieten.

Die Schließung von Gruben und Hüttenwerken führte zu hoher Arbeitslosigkeit und Abwanderung. Das Saarland reagierte mit massiven Strukturwandelprogrammen und investierte in neue Wirtschaftszweige: Automobilzulieferung, IT, Biotechnologie und Tourismus. Die Universität des Saarlandes, 1948 gegründet, entwickelte sich zu einem wichtigen Forschungsstandort, insbesondere in der Informatik und den Materialwissenschaften.

Deutsch-Französische Aussöhnung und Großregion

Eine besondere Stellung nimmt das Saarland in der deutsch-französischen Aussöhnung ein. Als Grenzregion ist es Teil der Großregion SaarLorLux (Saarland, Lothringen, Luxemburg, Rheinland-Pfalz, Wallonien), einem der bedeutendsten grenzüberschreitenden Kooperationsräume Europas. Täglich pendeln Zehntausende Arbeitnehmer über die Grenzen. Zweisprachigkeit und kulturelle Offenheit prägen die saarländische Identität bis heute.

Das Saarland ist heute das flächenmäßig drittkleinste Bundesland Deutschlands mit rund einer Million Einwohnern. Die Landeshauptstadt Saarbrücken liegt unmittelbar an der französischen Grenze und verkörpert wie keine andere deutsche Stadt die europäische Integration im Alltag.

Das Saarland in der Gegenwart: Kultur, Politik und Identität

Das heutige Saarland ist das flächenmäßig drittkleinste Bundesland Deutschlands mit etwa 2.570 Quadratkilometern und knapp einer Million Einwohnern. Diese Kompaktheit ist gleichzeitig Stärke und Schwäche: Kurze Wege, überschaubare Verhältnisse und ein starkes regionales Zusammengehörigkeitsgefühl prägen das Leben. Gleichzeitig kämpft das Saarland mit demografischem Rückgang und der Abwanderung junger Fachkräfte in wirtschaftsstärkere Bundesländer.

Politisch ist das Saarland traditionell ein Wechselwähler-Bundesland, in dem SPD und CDU abwechselnd die Landesregierung stellten. Die saarländische Identität ist eng mit der Geschichte des Grenzlandes verknüpft: Man ist deutsch und doch nicht nur deutsch, ist vom französischen Lebensstil beeinflusst und stolz auf die eigene Geschichte. Der saarländische Dialekt, eine mitteldeutsche Mundart mit moselfränkischen und rheinfränkischen Einflüssen, ist ein weiteres Erkennungszeichen der regionalen Kultur.

Kulturell hat das Saarland trotz seiner Kleinheit einiges zu bieten. Das Weltkulturerbe Völklinger Hütte, eine ehemalige Eisenhütte aus der Industrieepoche, zieht jährlich Hunderttausende Besucher an und gilt als eines der bedeutendsten Industriedenkmäler Europas. Das Saarbrücker Staatstheater ist eines der bedeutendsten Bühnen im Südwesten Deutschlands. Das Saarland Museum in Saarbrücken beherbergt bedeutende Sammlungen zur Kunst- und Kulturgeschichte der Region.

Die Universität des Saarlandes hat sich als Forschungszentrum im Bereich Informatik und Computerwissenschaften international einen Namen gemacht. Das CISPA Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit in Saarbrücken ist eine der renommiertesten Forschungseinrichtungen für Cybersicherheit in Europa und zieht Wissenschaftler aus aller Welt an. Diese akademische Stärke ist ein wichtiger Pfeiler für die wirtschaftliche Zukunft des Bundeslandes.

Die geografische Lage zwischen Deutschland und Frankreich bleibt auch im 21. Jahrhundert ein entscheidender Faktor. Täglich pendeln über 100.000 Menschen über die Grenzen der Großregion. Das Saarland profitiert vom europäischen Binnenmarkt wie kaum ein anderes Bundesland: Güter, Dienstleistungen und Arbeitskräfte bewegen sich frei über Grenzen, die vor wenigen Generationen noch hart umkämpft waren. Diese gelebte europäische Integration ist das vielleicht bedeutendste Erbe der turbulenten saarländischen Geschichte.

Häufig gestellte Fragen

Wann wurde das Saarland Teil der Bundesrepublik Deutschland?

Das Saarland wurde am 1. Januar 1957 offiziell das zehnte Bundesland der Bundesrepublik Deutschland. Die vollständige wirtschaftliche Eingliederung, einschließlich der Rückkehr zur Deutschen Mark und des Zollanschlusses, erfolgte am 6. Juli 1959.

Was war das Saarland zwischen 1947 und 1957?

Zwischen 1947 und 1957 war das Saarland ein autonomes Protektorat unter französischer Schirmherrschaft. Es hatte eine eigene Verfassung, Staatsangehörigkeit, Währung und sogar ein eigenes Olympia-Team, war aber in Außen- und Wirtschaftspolitik fest an Frankreich gebunden.

Warum lehnten die Saarländer 1955 das europäische Statut ab?

Bei der Volksabstimmung am 23. Oktober 1955 lehnten 67,7 Prozent der Saarbevölkerung das vorgeschlagene europäische Saarstatut ab. Das Hauptmotiv war der Wunsch nach Rückkehr zu Deutschland und zur deutschen Kulturnation, verstärkt durch Ablehnung der bestehenden wirtschaftlichen Anbindung an Frankreich.

Welche Rolle spielten die Kelten im Saarland?

Die Kelten siedelten ab etwa 800 v. Chr. im Saargebiet und hinterließen bedeutende Spuren. Der Hunnenring bei Otzenhausen, eine keltische Ringwallanlage aus dem 4. bis 1. Jahrhundert v. Chr., zählt zu den beeindruckendsten keltischen Bauwerken Mitteleuropas und ist noch heute gut erhalten besuchbar.

Wie hat sich das Saarland nach dem Ende des Bergbaus entwickelt?

Nach dem Niedergang von Kohle und Stahl ab den 1970er Jahren durchlief das Saarland einen tiefgreifenden Strukturwandel. Neue Wirtschaftszweige wie Automobilzulieferung, Informationstechnologie, Biotechnologie und Tourismus wurden gefördert. Die Universität des Saarlandes etablierte sich als bedeutender Forschungsstandort, besonders in der Informatik.

Was ist die Großregion SaarLorLux?

Die Großregion SaarLorLux ist ein grenzüberschreitender Kooperationsraum, der das Saarland, Lothringen (Frankreich), Luxemburg, Rheinland-Pfalz und die belgische Region Wallonien umfasst. Sie ist eine der am stärksten integrierten Grenzregionen Europas, in der täglich Zehntausende Arbeitnehmer die Grenzen überschreiten.

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