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Luxemburgs Geschichte: Von Kelten bis EU-Herzstück

Veröffentlicht 30. Oktober 2025 Aktualisiert 15. Juni 2026

Was ist die spannende Geschichte Luxemburgs im Überblick?

Luxemburg ist eines der kleinsten Länder Europas – und eines mit der dichtesten Geschichte. Auf gerade einmal 2.586 Quadratkilometern schrieben Kelten, Römer, Franken, mittelalterliche Kaiser, Burgunder, Habsburger, Franzosen und Niederländer ihre Spuren in das Land, das sich heute als stabiler Kleinstaat und Herz der Europäischen Union behauptet. Die Geschichte Luxemburgs ist eine Geschichte von Annexionen und Befreiungen, von Kaiserkronen und Besatzung, von Stahlwerken und Bankentürmen.

Was ist die spannende Geschichte Luxemburgs im Überblick?

Antike und frühe Besiedlung: Kelten und Römer

Das Gebiet des heutigen Luxemburg war bereits in der Altsteinzeit besiedelt. Archäologische Funde aus Oetringen belegen menschliches Leben vor über 15.000 Jahren. In der Eisenzeit siedelten die Treverer, ein keltischer Stamm, in der Region. Ihr Hauptort, das heutige Trier, lag unmittelbar jenseits der Grenze. Im 1. Jahrhundert v. Chr. eroberten die Römer das Gebiet; die Via Agrippa, eine der wichtigsten Römerstraßen, verlief mitten durch das heutige Luxemburg-Stadt.

Nach dem Zerfall des Weströmischen Reiches im 5. Jahrhundert ging das Land in das Fränkische Reich über. Unter Karl dem Großen wurde es Teil der karolingischen Kernlande und gehörte nach der Reichsteilung 843 zum Mittelfrankenreich, später zur Lotharingia. Diese geographische Zwischenposition zwischen dem heutigen Deutschland und Frankreich sollte das Schicksal Luxemburgs für Jahrhunderte bestimmen.

963: Die Geburtsstunde Luxemburgs

Das Jahr 963 gilt als das Gründungsdatum Luxemburgs. Graf Siegfried erwarb in diesem Jahr durch einen Tausch mit der Abtei Sankt Maximin in Trier einen Felsvorsprung – den sogenannten Bockfelsen – hoch über dem Fluss Alzette. Dort ließ er eine Burg errichten, die er „Lucilinburhuc" nannte, was sich als „kleine Burg" übersetzen lässt. Aus diesem Kern wuchs die spätere Hauptstadt Luxemburg-Stadt heran, die Siedlung unterhalb der Festung entwickelte sich rasch zur Stadt.

Die Grafschaft Luxemburg war damit begründet. Graf Konrad I. trug als Erster ausdrücklich den Titel comes de Luccelemburc. Unter seinen Nachfolgern wuchs das Territorium durch Heiraten, Erbschaften und militärische Expansion stetig an.

Der Aufstieg zur Kaiserdynastie

Das Mittelalter brachte Luxemburg seine größten Machtentfaltungen. Im Jahr 1308 wurde Graf Heinrich VII. zum römisch-deutschen König gewählt – ein Aufstieg, der die Luxemburger schlagartig in das Zentrum europäischer Politik katapultierte. Sein Sohn Johann, genannt „Johann der Blinde", wurde 1310 König von Böhmen und verlieh der Dynastie weiteres Gewicht. Obwohl er 1346 in der Schlacht von Crécy fiel – trotz seiner Blindheit kämpfte er bis zuletzt –, ist Johann bis heute eine der schillerndsten Figuren der luxemburgischen Geschichte.

Johanns Sohn Karl IV. erhob die luxemburgischen Stammlande 1354 zum Herzogtum und galt als einer der fähigsten Herrscher des mittelalterlichen Europa. Mit der Goldenen Bulle von 1356 gab er dem Reich eine Verfassung. Insgesamt stellte das Haus Luxemburg im 14. und 15. Jahrhundert vier römisch-deutsche Kaiser: Heinrich VII., Karl IV., Wenzel und Sigismund. Kaum eine andere Adelsdynastie dieser Epoche war einflussreicher.

Doch der Glanz verblasste rasch. Als Kaiser Sigismund 1437 ohne männlichen Erben starb, erlosch die Hauptlinie. 1441 verkaufte Elisabeth von Görlitz, die letzte Herzogin aus dem Haus Luxemburg, das Territorium an das Haus Burgund – ein Schritt, der das Ende der eigenständigen luxemburgischen Herrschaft einläutete.

Unter fremden Herrschern: Burgund, Habsburg und Frankreich

Durch die burgundische Erbschaft gelangte Luxemburg 1477 an die Habsburger. Für fast drei Jahrhunderte war das Herzogtum ein Teil der Spanischen (und später Österreichischen) Niederlande. Luxemburg-Stadt entwickelte sich in dieser Zeit zu einer der bestbefestigten Festungen Europas; Vauban, der berühmte Festungsbaumeister Ludwigs XIV., bezeichnete sie als „Gibraltar des Nordens".

Die Stadt und das Herzogtum wechselten mehrfach zwischen spanischer, französischer und österreichischer Kontrolle. Im Zuge der Französischen Revolution besetzten französische Truppen Luxemburg 1795, und das Land wurde als Département des Forêts vollständig in die Französische Republik eingegliedert. Für knapp zwei Jahrzehnte war Luxemburg faktisch ein Teil Frankreichs.

Das Großherzogtum entsteht: 1815 bis 1914

Der Wiener Kongress von 1815 schuf eine neue Ordnung: Luxemburg wurde zum Großherzogtum erhoben, trat dem Deutschen Bund bei, und der niederländische König Wilhelm I. wurde in Personalunion auch Großherzog von Luxemburg. Gleichzeitig erhielten die Preußen das Besatzungsrecht über die Festung.

Der Londoner Vertrag von 1839 war ein weiterer Einschnitt: Der westliche, frankophone Teil Luxemburgs wurde Belgien zugeschlagen. Das verbliebene Großherzogtum gewann dadurch paradoxerweise an politischer Eigenständigkeit. Eine weitere Zäsur brachte die Luxemburg-Krise von 1867: Die europäischen Großmächte einigten sich im zweiten Londoner Vertrag darauf, Luxemburg für dauerhaft neutral zu erklären und die Festungsanlagen zu schleifen. Die preußische Besatzung endete, und das Land begann sein modernes Leben als souveräner Kleinstaat.

Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts brachte mit der Industrialisierung einen wirtschaftlichen Umbruch. Im Süden des Landes, dem sogenannten „roten Land" wegen seiner eisenhaltigen Erde, entstanden gewaltige Stahlwerke. Luxemburg wurde zu einem der wichtigsten Stahlproduzenten Europas, Arbeiter aus Italien, Polen und dem Deutschen Reich strömten ins Land.

Zwei Weltkriege und die Behauptung der Unabhängigkeit

Der Erste Weltkrieg brachte Luxemburg trotz seines Neutralitätsstatus die deutsche Besatzung von 1914 bis 1918. Das Land wurde wirtschaftlich ausgebeutet, blieb aber weitgehend unversehrt. Nach Kriegsende entschieden die Luxemburger in einem Referendum, an ihrer Eigenständigkeit festzuhalten.

Weit dramatischer war der Zweite Weltkrieg. Am 10. Mai 1940 marschierte die Wehrmacht ein. Großherzogin Charlotte und die Regierung flohen zunächst nach Portugal, dann nach Kanada, schließlich nach London, von wo aus sie die Bevölkerung über BBC-Radio zur Standhaftigkeit aufriefen. Die Nationalsozialisten zielten auf die vollständige Germanisierung Luxemburgs: Französisch wurde verboten, luxemburgische Namen zwangsweise eingedeutscht, und ab 1942 wurden luxemburgische Männer zwangsweise in die Wehrmacht eingezogen.

Der Widerstand war beachtlich. Illegale Netzwerke sammelten Informationen für die Alliierten, halfen Flüchtlingen und versteckten Deserteure. Die rund 1.300 luxemburgischen Juden wurden deportiert; nur 69 von ihnen überlebten. Insgesamt verlor Luxemburg während der Besatzung rund 5.700 Menschenleben – etwa 2 Prozent der Gesamtbevölkerung. Im September 1944 befreiten amerikanische Truppen das Land, und im Dezember 1944 tobte in der Ardennenoffensive noch einmal erbitterte Kampf auf luxemburgischem Boden.

Wiedergeburt als europäisches Herzstück

Aus dem Trauma der Besatzung zog Luxemburg eine klare politische Konsequenz: Die Zukunft lag in der europäischen Integration. 1944 schlossen Luxemburg, Belgien und die Niederlande die Benelux-Zollunion; 1949 wurde Luxemburg Gründungsmitglied der NATO.

Der entscheidende Schritt folgte 1950: Robert Schuman, in Luxemburg geboren und geprägter Europäer, stellte am 9. Mai 1950 seinen Plan zur Schaffung einer europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl vor – die Schuman-Erklärung gilt bis heute als die Geburtsstunde der Europäischen Union. 1951 war Luxemburg eines der sechs Gründungsländer der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS), 1957 Unterzeichner der Römischen Verträge, die die EWG schufen. Luxemburg-Stadt wurde als erster Sitz der europäischen Institutionen gewählt – eine Rolle, die das Land bis heute prägt.

Die Stahlindustrie, lange das wirtschaftliche Rückgrat, brach in den 1970er und 1980er Jahren unter dem Weltmarktdruck zusammen. Luxemburg vollzog einen bemerkenswerten Strukturwandel: Aus dem Stahlstandort wurde ein globales Finanzzentrum. Heute beherbergt Luxemburg-Stadt Hunderte von Investmentfonds und ist nach den USA der zweitgrößte Fondsstandort der Welt. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf zählt zu den höchsten weltweit.

Heute ist Luxemburg ein stabiles, mehrsprachiges Land – Luxemburgisch, Französisch und Deutsch sind alle drei Amtssprachen –, in dem mehr als 47 Prozent der Bevölkerung keine luxemburgische Staatsangehörigkeit besitzen. Es ist ein Land, das aus seiner Geschichte gelernt hat: Offenheit, europäische Einbindung und wirtschaftliche Flexibilität bilden die Pfeiler einer Identität, die gerade aus ihrer Vielschichtigkeit Stärke zieht.

Häufig gestellte Fragen

Wann wurde Luxemburg gegründet?

Als Gründungsdatum gilt das Jahr 963, als Graf Siegfried den Bockfelsen von der Abtei Sankt Maximin in Trier erwarb und dort eine Burg errichten ließ. Der Name „Lucilinburhuc" (kleine Burg) entwickelte sich zur heutigen Hauptstadt Luxemburg-Stadt.

Welche Kaiser kamen aus dem Haus Luxemburg?

Das Haus Luxemburg stellte im 14. und 15. Jahrhundert vier römisch-deutsche Kaiser: Heinrich VII., Karl IV., Wenzel und Sigismund. Karl IV. erhob Luxemburg 1354 zum Herzogtum und gilt als einer der bedeutendsten Herrscher des mittelalterlichen Europas.

Was geschah mit Luxemburg im Zweiten Weltkrieg?

Deutschland besetzte Luxemburg ab dem 10. Mai 1940. Die Nationalsozialisten versuchten das Land zu germanisieren, verboten Französisch und zogen luxemburgische Männer zwangsweise in die Wehrmacht ein. Die Exilregierung unter Großherzogin Charlotte operierte von London aus. Im September 1944 befreiten US-Truppen das Land. Rund 5.700 Luxemburger kamen ums Leben.

Warum ist Luxemburg so bedeutend für die EU?

Luxemburg war 1951 Gründungsmitglied der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl und 1957 Unterzeichner der Römischen Verträge. Luxemburg-Stadt wurde erster Sitz der europäischen Institutionen. Robert Schuman, Architekt des europäischen Einigungsprojekts, wurde 1886 in Luxemburg geboren.

Wie entwickelte sich Luxemburgs Wirtschaft nach dem Niedergang der Stahlindustrie?

Als die Stahlindustrie in den 1970er und 1980er Jahren zusammenbrach, vollzog Luxemburg einen erfolgreichen Wandel zum Finanzdienstleistungsstandort. Heute ist Luxemburg-Stadt nach den USA der zweitgrößte Investmentfondsplatz der Welt, und das Pro-Kopf-BIP gehört zu den höchsten weltweit.

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