Die Geschichte Pennsylvanias: Freiheit, Krieg und Industriemacht
Pennsylvania zählt zu den historisch bedeutsamsten Bundesstaaten der Vereinigten Staaten. Hier wurde die Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet, die amerikanische Verfassung ausgehandelt und eine der blutigsten Schlachten des Bürgerkriegs ausgefochten. Dazu kommt eine einzigartige Gründungsgeschichte im Zeichen religiöser Toleranz – und ein bemerkenswert starkes deutsches Erbe, das bis heute sichtbar ist.

Vor der Kolonisierung: Die ursprünglichen Bewohner
Lange bevor europäische Siedler das Land betraten, war das Gebiet des heutigen Pennsylvania dicht besiedelt. Die Lenape (auch Delaware genannt) lebten im östlichen Teil, während die Susquehannock das Inland beherrschten und die Iroquois-Konföderation im Norden Einfluss ausübte. Diese Völker betrieben Ackerbau, Jagd und Handel und hatten über Jahrhunderte eine komplexe politische Ordnung entwickelt.
Die ersten dauerhaften europäischen Niederlassungen entstanden im frühen 17. Jahrhundert durch schwedische und niederländische Händler entlang des Delaware River. Die Kolonie Neu-Schweden (gegründet 1638) war kurzlebig – sie fiel 1655 an die Niederlande und 1664 schließlich an England.
Das Heilige Experiment: William Penn und die Gründung (1681)
Die eigentliche Geschichte Pennsylvanias beginnt mit einem ungewöhnlichen Akt königlicher Freigiebigkeit. Am 14. März 1681 übertrug der englische König Karl II. ein riesiges Landstück an den Quäker William Penn – als Ausgleich für eine Schuld von 16.000 Pfund, die die Krone gegenüber Penns verstorbenem Vater, Admiral William Penn, angehäuft hatte. Der Name „Pennsylvania" (lateinisch: Penn's Waldland) war eine Hommage des Königs an den Vater.
William Penn war für seine Zeit eine außergewöhnliche Gestalt. Als Mitglied der Quäker – einer in England verbotenen protestantischen Bewegung – hatte er religiöse Verfolgung aus eigener Erfahrung gekannt. Sein Ziel war es, eine Kolonie zu gründen, in der vollständige Religionsfreiheit herrschte. Dieses Vorhaben nannte er das „Heilige Experiment".
Penn traf 1682 in Nordamerika ein und gründete noch im gleichen Jahr die Hauptstadt Philadelphia – griechisch für „Stadt der brüderlichen Liebe". Sein Regierungsentwurf, der Frame of Government, legte Gewaltenteilung und Bürgerrechte fest und galt als einer der fortschrittlichsten seiner Zeit. Penn schloss außerdem Verträge mit den Lenape, die auf gegenseitigem Respekt basierten – ein Kontrast zur brutalen Verdrängungspolitik anderer Kolonien.
Deutsche Einwanderer und die Pennsylvania Dutch
Penns Versprechen religiöser Freiheit sprach sich in ganz Europa herum. Besonders aus den deutschen Landen – vor allem aus der Pfalz, dem Elsass und der Schweiz – strömten Zehntausende Einwanderer nach Pennsylvania. Viele von ihnen waren Angehörige verfolgter Glaubensgemeinschaften: Mennoniten, Amische, Lutheraner, Reformierte.
Sie prägten die Region so nachhaltig, dass ihre Nachkommen als „Pennsylvania Dutch" bekannt wurden. Das Wort „Dutch" ist dabei eine anglisierte Verformung von „Deutsch" – ein sprachliches Relikt, das bis heute erhalten ist. Die Pennsylvania-German-Sprache, ein Dialekt auf der Grundlage des Pfälzischen mit englischen Einflüssen, wird heute noch von konservativen Amischen und Old-Order-Mennoniten aktiv gesprochen und an Kinder weitergegeben.
Bis heute ist der Einfluss dieser Einwanderergruppe im Lancaster County und im sogenannten „Dutch Country" unübersehbar: in der Architektur, der Küche, dem Handwerk und der Lebensweise der Amish-Gemeinden, die an ihrer traditionsreichen Lebensform festhalten.
Wiege der amerikanischen Demokratie
Im 18. Jahrhundert wurde Pennsylvania zum politischen Nervenzentrum der entstehenden Nation. Philadelphia war die größte Stadt Britisch-Nordamerikas und überflügelte in den 1750er-Jahren sogar Boston als geschäftigsten Hafen des Kontinents.
Als die Spannung zwischen den amerikanischen Kolonien und der britischen Krone eskalierte, traf sich der Erste Kontinentalkongress 1774 in Philadelphia, der Zweite 1775. Am 4. Juli 1776 wurde in der Pennsylvania State House – heute bekannt als Independence Hall – die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten unterzeichnet.
Elf Jahre später versammelten sich die Gründerväter erneut in Philadelphia zur Verfassungskonvention von 1787. Das Dokument, das dort ausgehandelt wurde, ist bis heute die älteste in Kraft befindliche Verfassung der Welt. Pennsylvania ratifizierte die Verfassung am 12. Dezember 1787 als zweiter Staat der Union – nur wenige Tage nach Delaware.
Von 1790 bis 1800 war Philadelphia sogar Hauptstadt der jungen Vereinigten Staaten, bis Washington D.C. fertiggestellt war.
Der Bürgerkrieg und die Schlacht bei Gettysburg
Pennsylvania war einer der Nordstaaten und stellte im amerikanischen Bürgerkrieg (1861–1865) mehr als 360.000 Soldaten für die Unionsarmee. Die dramatischste Episode jedoch spielte sich auf pennsylvanischem Boden selbst ab: die Schlacht bei Gettysburg vom 1. bis 3. Juli 1863.
General Robert E. Lees Konföderierte Armee war in den Norden vorgestoßen – ein letzter, waghalsiger Versuch, den Krieg auf feindliches Territorium zu tragen und eine Entscheidung zu erzwingen. Unionsgeneral George Meade stoppte den Vorstoß in drei Tagen erbitterter Kämpfe. Das Ergebnis war verheerend: mehr als 50.000 Tote, Verwundete und Vermisste auf beiden Seiten – die verlustreichste Schlacht in der Geschichte amerikanischen Bodens bis zu diesem Zeitpunkt.
Die Niederlage bei Gettysburg markierte die Wende des Bürgerkriegs. Lee musste den Rückzug antreten und sollte nie wieder in den Norden eindringen. Am 19. November 1863 weihte Präsident Abraham Lincoln den Gettysburg National Cemetery ein und hielt dabei die berühmte Gettysburg Address – eine 271 Wörter kurze Rede, die die moralische Bedeutung des Krieges für die Nachwelt definierte.
Industriemacht im Gilded Age
Nach dem Bürgerkrieg erlebte Pennsylvania einen wirtschaftlichen Aufstieg ohnegleichen. Der Staat wurde zur Stahlhauptstadt der Welt. Andrew Carnegie baute in Pittsburgh sein Stahlimperium auf, das zur größten Stahlproduktion der Erde avancierte. Charles M. Schwab gründete die Bethlehem Steel Company, die Schienen, Träger und Kriegsschiffe für eine aufstrebende Weltmacht lieferte.
Noch bedeutsamer war eine Entdeckung im Westen des Staates: Am 27. August 1859 bohrte Edwin Drake in Titusville, Pennsylvania, das erste kommerzielle Erdölbohrloch der Welt. Damit wurde Pennsylvania zur Geburtsstätte der modernen Ölindustrie. In den folgenden Jahrzehnten versorgte Pennsylvanisches Petroleum den Großteil der Welt mit Kerosin und Schmieröl – lange bevor Texas oder Saudi-Arabien auch nur in Betracht kamen.
Kohle, Stahl und Öl verwandelten den Staat. Pittsburgh – einst beschauliches Handelsstädtchen an der Mündung des Ohio River – wurde zum Synonym für industrielle Macht und rauchende Hochöfen. Millionen Einwanderer aus Irland, Italien, Polen, der Ukraine und anderen Ländern ließen sich nieder, um in den Minen und Stahlwerken zu arbeiten.
Niedergang und Wandel im 20. und 21. Jahrhundert
Der wirtschaftliche Boom endete für viele Pennsylvanier abrupt. Als die US-amerikanische Stahlindustrie ab den 1970er-Jahren dem globalen Wettbewerb erlag, verlor Pennsylvania Hunderttausende Industriearbeitsplätze. Der sogenannte „Rust Belt" – der Rostgürtel des Mittleren Westens und Ostens – umfasste weite Teile des Staates. Pittsburgh und andere Industriestädte kämpften jahrzehntelang mit Abwanderung und Verfall.
Der Wandel gelang jedoch zumindest teilweise: Pittsburgh reinventierte sich als Technologie- und Medizinstandort, geprägt durch die Carnegie Mellon University und die Universität Pittsburgh. Philadelphia ist heute ein bedeutendes Zentrum für Pharmazie, Bildung und Gesundheitswesen. Das ländliche Pennsylvania pflegt Tourismus, Landwirtschaft und – nach wie vor – die einzigartige Kultur der Amish-Gemeinden.
Politisch hat Pennsylvania in der jüngsten Vergangenheit als entscheidender Swing State nationale Bedeutung erlangt. Bei mehreren Präsidentschaftswahlen entschied Pennsylvania mit hauchdünnen Mehrheiten über das Ergebnis – ein Echo auf seine lange Geschichte als Kreuzungspunkt unterschiedlichster Interessen, Völker und Ideen.
Häufig gestellte Fragen
Warum wurde Pennsylvania gegründet?
Pennsylvania wurde 1681 als Kolonie für religiöse Toleranz gegründet. König Karl II. übertrug das Land an William Penn, einen Quäker, der eine Zuflucht für verfolgte Glaubensgemeinschaften schaffen wollte. Penn nannte sein Vorhaben das „Heilige Experiment".
Was bedeutet „Pennsylvania Dutch"?
„Pennsylvania Dutch" bezeichnet deutschsprachige Einwanderer und ihre Nachkommen, die ab dem späten 17. Jahrhundert nach Pennsylvania kamen. „Dutch" ist eine anglisierte Verformung von „Deutsch". Ihre Sprache, das Pennsylvania German (oder Pennsylvania Dutch), wird heute noch von Amischen und Old-Order-Mennoniten gesprochen.
Welche Bedeutung hatte die Schlacht bei Gettysburg?
Die dreitägige Schlacht vom 1.–3. Juli 1863 gilt als Wendepunkt des amerikanischen Bürgerkriegs. Die Union besiegte die Konföderierten unter General Lee und stoppte damit den letzten großen Nordvorstoß der Südstaaten. Mit über 50.000 Opfern war es die verlustreichste Schlacht auf amerikanischem Boden. Präsident Lincoln hielt hier anschließend die berühmte Gettysburg Address.
Welche Rolle spielte Pennsylvania bei der Gründung der USA?
Eine zentrale Rolle: In Philadelphia wurde 1776 die Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet und 1787 die US-Verfassung ausgehandelt. Philadelphia war von 1790 bis 1800 die erste Hauptstadt der Vereinigten Staaten. Pennsylvania war der zweite Staat, der die Verfassung ratifizierte.
Wo wurde die amerikanische Ölindustrie geboren?
In Titusville, Pennsylvania. Am 27. August 1859 bohrte Edwin Drake dort das erste kommerzielle Erdölbohrloch der Welt. In den Folgejahrzehnten versorgte Pennsylvania den Großteil der Welt mit Petroleum – lange bevor andere Regionen zu Ölproduzenten wurden.