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Welche Könige führten im Hundertjährigen Krieg?

Veröffentlicht 22. Mai 2026 Aktualisiert 15. Juni 2026

Welche Könige führten im Hundertjährigen Krieg?

Der Hundertjährige Krieg (1337-1453) war einer der längsten und folgenreichsten Konflikte des europäischen Mittelalters. Er prägte die Geschichte Englands und Frankreichs nachhaltig und formte die nationale Identität beider Länder. Im Mittelpunkt dieses Krieges standen Könige und Dynastien, die um Territorium, Thronrechte und Macht kämpften. Insgesamt regierten auf beiden Seiten mehr als ein Dutzend Monarchen während dieser über 116 Jahre andauernden Auseinandersetzung.

Ursachen und dynastische Hintergründe des Krieges

Der Ausgangspunkt des Hundertjährigen Krieges lag in einem komplexen dynastischen Konflikt. Als der französische König Karl IV. 1328 ohne männlichen Erben starb, entstand ein Streit um die Nachfolge. Der englische König Eduard III. beanspruchte als Enkel des französischen Königs Philipp IV. den französischen Thron für sich. Die französischen Adeligen lehnten dies jedoch ab und wählten stattdessen Philipp VI. aus dem Haus Valois als neuen König, da sie die Weitergabe des Throns über die weibliche Linie ablehnten.

Hinzu kam der Streit um das Herzogtum Gascogne im Südwesten Frankreichs, das die englischen Könige als Lehen des französischen Königs besaßen. Eduard III. weigerte sich, Philipp VI. den Lehnseid zu leisten, und Philipp konfiszierte daraufhin das Herzogtum. Diese Kombination aus dynastischem Anspruch und territorialen Konflikten trieb die beiden Königreiche in einen jahrzehntelangen Krieg.

Wirtschaftliche Interessen verschärften den Konflikt zusätzlich. Flandern - das damals bedeutendste Tuchproduktionszentrum Europas - war politisch von Frankreich abhängig, bezog seine Wolle aber überwiegend aus England. Als Philipp VI. die flämischen Städte unter Druck setzte, die englische Wolle zu boykottieren, reagierten die Flamen mit einem Aufstand und suchten den Schutz Englands. Eduard III. erkannte diesen Zusammenhang und nutzte die Wolleexporte als politisches Druckmittel. Flandern wurde damit zu einem weiteren Streitpunkt zwischen den beiden Königreichen, der die bereits bestehenden dynastischen Spannungen weiter anheizte.

Die englischen Könige im Hundertjährigen Krieg

Auf englischer Seite wechselten sich über den langen Kriegszeitraum mehrere Monarchen ab, deren Charakter und Strategie den Verlauf des Konflikts entscheidend beeinflussten.

Eduard III. (1327-1377)

Eduard III. war der eigentliche Initiator des Hundertjährigen Krieges. Er erhob 1337 offiziell Anspruch auf den französischen Thron und eröffnete damit die Feindseligkeiten. Unter seiner Führung errang England bedeutende Siege. In der Seeschlacht von Sluis (1340) vernichtete die englische Flotte die französische fast vollständig. Die Landschlacht von Crécy (1346) wurde zum Symbol englischer Kriegsführung: Eduard III. setzte erstmals in großem Maßstab walisische Langbogenschützen ein, die das schwer gepanzerte französische Ritterheer niederstreckten. Auch die Einnahme der Stadt Calais (1347) fiel in seine Regentschaft. Im Frieden von Brétigny (1360) erhielt Eduard III. große Teile Frankreichs, verzichtete dafür aber auf den Anspruch auf die französische Krone.

Richard II. (1377-1399)

Richard II. bestieg den Thron als Kind und regierte in einer Zeit relativer Ruhe im Konflikt mit Frankreich. 1396 schloss er mit Karl VI. von Frankreich einen langen Waffenstillstand und heiratete die französische Prinzessin Isabella von Valois, um den Frieden zu besiegeln. Seine Herrschaft endete durch einen innenpolitischen Sturz: Sein Cousin Heinrich von Lancaster verdrängte ihn vom Thron und ließ ihn gefangen nehmen, woraufhin Richard II. 1400 starb.

Heinrich IV. (1399-1413)

Heinrich IV. bestieg den englischen Thron nach dem Sturz Richards II. Er gehörte dem Haus Lancaster an und war damit der erste Lancaster-König Englands. Seine Herrschaft war von innenpolitischen Aufständen geprägt, weshalb er kaum Kapazitäten für Aktivitäten in Frankreich hatte. Auf Frankreich ausgeübter Druck blieb in seiner Zeit moderat. Heinrich IV. starb 1413 und hinterließ seinem Sohn ein gefestigtes Königreich und volle Staatskassen, die die spätere Invasion Frankreichs ermöglichten.

Heinrich V. (1413-1422)

Heinrich V. gilt als der glänzendste englische Kriegskönig des Hundertjährigen Krieges. 1415 landete er in der Normandie und errang in der berühmten Schlacht von Azincourt am 25. Oktober 1415 einen vernichtenden Sieg über ein zahlenmäßig weit überlegenes französisches Heer. Trotz widrigster Bedingungen - die englischen Soldaten waren erschöpft und von Ruhr geschwächt - schlugen die Langbogenschützen die angreifenden französischen Ritter auf dem schlammigen Schlachtfeld nieder. Dieser Sieg öffnete ihm ganz Nordfrankreich. Im Vertrag von Troyes (1420) wurde Heinrich V. als Regent von Frankreich anerkannt und heiratete Katharina von Valois, die Tochter des geistig kranken Karl VI. Damit war er auf dem Weg, König beider Reiche zu werden. Sein früher Tod 1422 verhinderte dies jedoch.

Heinrich VI. (1422-1461)

Heinrich VI. erbte als Kleinkind sowohl die englische als auch - theoretisch - die französische Krone. In seiner Regentschaft wandte sich das Kriegsglück jedoch endgültig gegen England. Die Erscheinung von Jeanne d'Arc und die militärische Erholung Frankreichs unter Karl VII. drängten die Engländer Schritt für Schritt zurück. Heinrich VI. war kein Kriegskönig; er litt in späteren Jahren an psychischen Erkrankungen und konnte dem Verfall der englischen Herrschaft in Frankreich nicht Einhalt gebieten. Bis 1453 gingen sämtliche englischen Besitzungen in Frankreich verloren, mit Ausnahme von Calais.

Die französischen Könige im Hundertjährigen Krieg

Auch auf französischer Seite regierte eine Reihe von Monarchen, deren Stärke oder Schwäche den Kriegsverlauf mitbestimmte.

Philipp VI. (1328-1350)

Philipp VI. war der erste König aus dem Haus Valois und damit Auslöser des dynastischen Streits. Obwohl er England militärisch zunächst ebenbürtig schien, erlitt er schwere Niederlagen. Die vernichtende Seeschlacht von Sluis (1340) kostete Frankreich seine maritime Schlagkraft. Die Katastrophe von Crécy (1346) und der Verlust von Calais (1347) schwächten seine Position erheblich. Hinzu kam die Große Pest, die 1347-1353 Frankreich - wie ganz Europa - verwüstete und Philipps Handlungsspielraum weiter einschränkte. Er starb 1350, ohne den Schaden wieder gutgemacht zu haben.

Johann II. (1350-1364)

Johann II., genannt "der Gute", regierte in einer Zeit großer Katastrophen. In der Schlacht von Maupertuis (auch Poitiers, 1356) wurde er vom Schwarzen Prinzen Eduard von Woodstock gefangen genommen. Frankreich musste für seine Freilassung ein enormes Lösegeld zahlen, das das Land finanziell fast ruinierte. Im Frieden von Brétigny (1360) akzeptierte Frankreich enorme Gebietsverluste.

Karl V. (1364-1380)

Karl V., der "Weise", galt als einer der fähigsten Könige des Mittelalters. Er reorganisierte das französische Heer und die Finanzen grundlegend und übertrug dem begabten Feldherrn Bertrand du Guesclin die militärische Führung. Durch eine Strategie der Vermeidung offener Schlachten und stattdessen kontinuierlicher Nadelstiche gelang es ihm, bis 1380 fast alle verlorenen Gebiete zurückzugewinnen. Seine Regentschaft markierte einen entscheidenden Wendepunkt zu Gunsten Frankreichs.

Karl VI. (1380-1422)

Karl VI. begann seine Herrschaft verheißungsvoll, litt jedoch ab 1392 an schweren Schüben von Geisteskrankheit. Diese Schwäche des Königs führte zu einem erbitterten Machtkampf zwischen den Häusern Burgund und Armagnac, der Frankreich von innen zerriss. Die Burgunder verbündeten sich mit England, was Heinrich V. die Möglichkeit zur Invasion 1415 eröffnete. Im Vertrag von Troyes (1420) enterbbte Karl VI. unter englischem Druck seinen eigenen Sohn, den Dauphin Karl.

Karl VII. (1422-1461)

Karl VII. war die vielleicht entscheidendste Figur auf französischer Seite. Als sein Vater Karl VI. 1422 starb, erkannte ein großer Teil Frankreichs ihn nicht als König an - er wurde spöttisch "König von Bourges" genannt. Jeanne d'Arc änderte alles: Sie erschien 1429 am Hof und überzeugte Karl VII., sie mit einem Heer zur Entsetzung von Orléans zu schicken. Die erfolgreiche Aufhebung der Belagerung von Orléans im Mai 1429 und die anschließende Krönung Karls VII. in Reims am 17. Juli 1429 verwandelten den zaudernden Dauphin in einen legitimen König. Unter seiner Führung und mit der Unterstützung moderner Artillerie wurden die Engländer Schritt für Schritt zurückgedrängt. Die endgültige Entscheidung fiel in der Schlacht von Castillon am 17. Juli 1453.

Jeanne d'Arc: Die heilige Kriegerin

Keine Figur des Hundertjährigen Krieges ist so legendär wie Jeanne d'Arc. Die junge Bauerntochter aus der Lothringer Gemeinde Domrémy gab an, göttliche Stimmen zu hören, die sie aufriefen, Frankreich zu retten. 1429 brach sie die Belagerung von Orléans auf, was den psychologischen Wendepunkt im Krieg markierte. Ihr rascher Siegeszug ermöglichte die Krönung Karls VII. in Reims. Im Mai 1430 geriet sie in burgundische Gefangenschaft und wurde an die Engländer ausgeliefert. Ein Kirchentribunal verurteilte sie als Ketzerin, und sie wurde am 30. Mai 1431 in Rouen verbrannt. 1456 wurde das Urteil von der Kirche annulliert, 1920 wurde Jeanne d'Arc heiliggesprochen.

Die wichtigsten Schlachten im Überblick

Der Hundertjährige Krieg wurde durch eine Reihe entscheidender Schlachten geprägt, die das Kriegsglück immer wieder wendeten.

  • Seeschlacht von Sluis (1340): Englische Flotte vernichtet die französische; England erlangt Seeherrschaft im Ärmelkanal.
  • Crécy (1346): Eduard III. besiegt Philipp VI. mit Langbogenschützen; Beginn des Endes der Ritterheere.
  • Maupertuis/Poitiers (1356): Der Schwarze Prinz nimmt König Johann II. gefangen.
  • Azincourt (1415): Heinrich V. besiegt ein vielfach stärkeres französisches Heer; England steht vor dem Gesamtsieg.
  • Belagerung von Orléans (1428-1429): Jeanne d'Arc bricht die englische Belagerung auf; Wendepunkt des Krieges.
  • Castillon (1453): Frankreich setzt moderne Artillerie ein und vernichtet das englische Heer unter John Talbot; Ende des Hundertjährigen Krieges.

Das Ende des Krieges und seine Folgen

Die Schlacht von Castillon am 17. Juli 1453 beendete den Hundertjährigen Krieg faktisch, ohne dass ein formeller Friedensvertrag geschlossen wurde. Die Kampfhandlungen schliefen einfach ein. England verlor fast alle Besitzungen auf dem europäischen Kontinent; lediglich Calais blieb bis 1558 in englischer Hand.

Die Folgen des Krieges waren tiefgreifend. Frankreich festigte sich als Nationalstaat unter einer starken Zentralmonarchie. Die Einheit des Landes unter Karl VII. und seinen Nachfolgern wurde durch den gemeinsamen Kampf gegen England gestärkt. England wiederum wandte sich aus Frankreich zurück und verstrickte sich bald in den innenpolitischen Konflikt der Rosenkriege (1455-1485), in dem das Haus Lancaster und das Haus York um den englischen Thron kämpften. Der Hundertjährige Krieg hatte damit direkte Auswirkungen auf die politische Entwicklung beider Länder für Jahrzehnte.

Militärgeschichtlich markierte der Hundertjährige Krieg den Übergang vom mittelalterlichen Ritterheer zur modernen Kriegsführung. Der Aufstieg der Langbogenschützen und später der Artillerie zeigte, dass technologische Innovation und taktische Flexibilität über aristokratische Tapferkeit siegten. Die schwere Kavallerie verlor ihre dominierende Stellung auf dem Schlachtfeld; stattdessen gewannen einfache Infanteristen und Schützen aus dem Bürgertum und der Bauernschaft an Bedeutung. Dies hatte langfristige gesellschaftliche Folgen, denn die militärische Überlegenheit des Adels - und damit ein Teil seiner gesellschaftlichen Legitimation - erodierte.

Kulturell hinterließ der Krieg in beiden Ländern tiefe Spuren. In Frankreich wurde Jeanne d'Arc zur nationalen Ikone, die bis heute verehrt wird. In England entstand ein ausgeprägtes nationales Selbstbewusstsein, das sich in Literatur und Geschichtsschreibung niederschlug - William Shakespeares Königsdramen (Heinrich V., Richard II.) greifen diese Ereignisse Jahrhunderte später auf. Der Hundertjährige Krieg war damit nicht nur ein militärischer Konflikt, sondern auch ein kulturelles Ereignis, das die Entstehung der modernen Nationen Frankreich und England wesentlich mitbestimmte.

Häufig gestellte Fragen

Welche englischen Könige führten im Hundertjährigen Krieg?

Auf englischer Seite kämpften hauptsächlich Eduard III. (der den Krieg begann), Richard II. (der einen vorübergehenden Frieden schloss), Heinrich IV. (der die Lancaster-Dynastie begründete), Heinrich V. (der Sieger von Azincourt) und Heinrich VI. (unter dem England den Krieg verlor). Dazu kamen die Regentschaftsregierungen in Minderjährigkeitsphasen.

Welche französischen Könige führten im Hundertjährigen Krieg?

Auf französischer Seite regierten Philipp VI. (erster Valois-König), Johann II. (der in Gefangenschaft geriet), Karl V. (der "Weise", der die Niederlage wendete), Karl VI. (der geistig erkrankte König) und Karl VII. (der mit Hilfe von Jeanne d'Arc den Krieg gewann). Diese fünf Valois-Könige prägten den Verlauf des Konflikts auf französischer Seite.

Warum dauerte der Hundertjährige Krieg so lange?

Der Krieg dauerte so lange, weil er kein ununterbrochener Konflikt war, sondern aus mehreren Phasen aktiver Kämpfe mit langen Waffenstillständen bestand. Hinzu kamen wechselnde Bündnisse (etwa die Burgunder wechselten die Seiten), innenpolitische Krisen in beiden Ländern sowie die Schwarze Pest (1347-1353), die Europa stark schwächte und die Kriegsführung mehrfach unterbrach.

Was war die Bedeutung der Langbogenschützen im Hundertjährigen Krieg?

Die walisischen und englischen Langbogenschützen revolutionierten die Kriegsführung. Mit einer Kadenz von zehn bis zwölf Pfeilen pro Minute konnten gut ausgebildete Schützen einen Pfeilhagel erzeugen, der selbst schwere Rüstungen durchdrang oder Pferde traf. In den Schlachten von Crécy und Azincourt machte diese Taktik den entscheidenden Unterschied - die Langbogenschützen schossen die traditionellen Ritterheere regelrecht nieder, was das Ende der mittelalterlichen Ritterheere als wichtigste Kriegsmacht einleitete.

Wie endete der Hundertjährige Krieg?

Der Krieg endete mit der französischen Niederlage der Engländer in der Schlacht von Castillon am 17. Juli 1453. Die Franzosen setzten dabei als eine der ersten Armeen Europas Artillerie taktisch effektiv ein. Das englische Heer unter John Talbot wurde vernichtet, Talbot selbst fiel. Danach verloren die Engländer Bordeaux und alle übrigen französischen Besitzungen - außer Calais. Ein formeller Friedensvertrag wurde nie geschlossen.

Was war die Rolle Burgunds im Hundertjährigen Krieg?

Das Herzogtum Burgund spielte eine Schlüsselrolle. Zunächst stand es auf der Seite Frankreichs, wechselte aber nach der Ermordung des burgundischen Herzogs Johann Ohnefurcht durch Anhänger des Dauphins 1419 die Seiten und verbündete sich mit England. Dieses Bündnis ermöglichte es Heinrich V., den Vertrag von Troyes durchzusetzen. Erst 1435 versöhnte sich Burgund im Vertrag von Arras mit Karl VII. und kehrte auf die französische Seite zurück - was den endgültigen Wendepunkt zugunsten Frankreichs einleitete.

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