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Alliierte im Zweiten Weltkrieg: Länder und Koalition

Veröffentlicht 22. Mai 2026 Aktualisiert 15. Juni 2026

Alliierte im Zweiten Weltkrieg: Länder und Koalition

Im Zweiten Weltkrieg (1939-1945) standen zwei große Machtblöcke einander gegenüber: die Achsenmächte unter Führung von Deutschland, Italien und Japan sowie die Alliierten, ein breites Bündnis von Staaten, das im Verlauf des Krieges auf über 50 Nationen anwuchs. Die Geschichte dieser Koalition ist komplex, denn die einzelnen Länder traten zu unterschiedlichen Zeitpunkten und aus sehr unterschiedlichen Motiven dem Bündnis bei. Manche kämpften von Anfang an gegen den Nationalsozialismus, andere wurden durch militärische Angriffe in den Krieg hineingezogen, und wieder andere traten dem Bündnis erst kurz vor Kriegsende bei, um bei den Friedensverhandlungen eine Rolle spielen zu können.

Die Entstehung der Alliierten Koalition

Der Begriff "Alliierte" bezeichnete im Zweiten Weltkrieg alle Staaten, die gemeinsam gegen die Achsenmächte kämpften. Anders als bei einem klassischen Militärbündnis mit förmlichen Verträgen entstand diese Koalition schrittweise und pragmatisch: ein koordinierter Kampf gegen einen gemeinsamen Feind genügte, um als Alliierter zu gelten. Das verbindende Element war nicht eine gemeinsame Ideologie, sondern das gemeinsame Ziel, die Achsenmächte zu besiegen.

Den formalen Rahmen bildete die Deklaration der Vereinten Nationen, die am 1. Januar 1942 von zunächst 26 Regierungen unterzeichnet wurde. Darin bekannten sich die Unterzeichner zur Atlantikcharta, einem gemeinsamen Dokument, das Roosevelt und Churchill bereits im August 1941 verabschiedet hatten. Die Unterzeichner schlossen einen Separatfrieden mit den Achsenmächten aus und verpflichteten sich zur gemeinsamen Nutzung ihrer Ressourcen. Im weiteren Kriegsverlauf traten 20 weitere Staaten bei, sodass das Bündnis schließlich mehr als 50 Nationen umfasste.

Der Ausgangspunkt des alliierten Widerstands war der britische Kriegseintritt vom September 1939, unmittelbar nach dem deutschen Einmarsch in Polen. Frankreich folgte ebenfalls sofort, wurde jedoch im Frühjahr 1940 militärisch besiegt und weitgehend besetzt. Das Vichy-Regime unter Marschall Pétain kollaborierte fortan mit Deutschland, während die Freien Französischen Streitkräfte unter General Charles de Gaulle von London aus den Widerstand organisierten und weiterhin als Alliierte anerkannt wurden.

Großbritannien: Das erste Bollwerk gegen Hitler

Großbritannien war das erste große Land, das von Anfang an entschlossen gegen Nazi-Deutschland kämpfte. Nach der Kapitulation Frankreichs im Juni 1940 stand das Vereinigte Königreich zeitweise völlig allein gegen die Achsenmächte in Europa. Die Luftschlacht um England im Sommer und Herbst 1940 wurde zu einem der entscheidenden Wendepunkte des frühen Krieges: Die Royal Air Force unter Air Chief Marshal Hugh Dowding verhinderte eine Luftüberlegenheit der Deutschen und damit auch die für die Invasion nötige Vorbereitung.

Unter Premierminister Winston Churchill mobilisierte Großbritannien nicht nur seine eigenen Streitkräfte, sondern auch die Ressourcen des gesamten British Empire. Kanada, Australien, Neuseeland, Indien und Südafrika stellten Truppen, Rohstoffe und Ausrüstung bereit. Allein Kanada entsandte mehr als eine Million Soldaten in den europäischen und pazifischen Kriegsschauplatz. Australien kämpfte besonders intensiv im Pazifikraum gegen Japan, stellte aber auch Truppen in Nordafrika und Europa. Indien, damals noch unter britischer Kolonialherrschaft, entsandte trotz innenpolitischer Spannungen rund 2,5 Millionen freiwillige Soldaten, die größte Freiwilligenarmee der Geschichte.

Großbritannien war zudem der Dreh- und Angelpunkt für die Planung der alliierten Gegenoffensive in Westeuropa. Von britischen Häfen aus starteten die alliierten Bomber ihre Angriffe auf Deutschland, und in britischen Basen wurden die Invasionstruppen für die Landung in der Normandie ausgebildet, die schließlich am 6. Juni 1944 mit der Landung in der Normandie begann - dem sogenannten D-Day, einem der größten Militäroperationen der Geschichte.

Die Sowjetunion: Der Krieg an der Ostfront

Am 22. Juni 1941 brach Hitler den Nichtangriffspakt mit der Sowjetunion und eröffnete mit dem Unternehmen Barbarossa die Ostfront. Damit wurde die Sowjetunion unter Josef Stalin unfreiwillig zum Alliierten der Westmächte. Die Ostfront sollte zum größten und verlustreichsten Kriegsschauplatz der Menschheitsgeschichte werden. Auf sowjetischer Seite kamen schätzungsweise mehr als 27 Millionen Menschen ums Leben, davon ein erheblicher Teil Zivilisten. Ganze Landstriche wurden verwüstet, Städte dem Erdboden gleichgemacht.

Die Rote Armee leistete einen entscheidenden Beitrag zur Niederlage Nazi-Deutschlands. Die Schlachten um Stalingrad (August 1942 bis Februar 1943) und um Kursk (Juli 1943) gelten als die entscheidenden Wendepunkte der Ostfront. Bei Stalingrad wurde die gesamte 6. Deutsche Armee eingekesselt und zur Kapitulation gezwungen - ein psychologischer Schock für das deutsche Militär und die Heimatbevölkerung. Bei Kursk, dem größten Panzergefecht der Geschichte, scheiterte Deutschlands letzte strategische Offensivoperation im Osten. Der Vormarsch der Sowjets in den folgenden zwei Jahren führte schließlich bis nach Berlin, wo die Wehrmacht im Mai 1945 kapitulierte.

Trotz des gemeinsamen Kampfes gegen Deutschland blieben die Spannungen zwischen den westlichen Alliierten und der Sowjetunion erheblich. Die westlichen Mächte zögerten lange mit der Eröffnung einer zweiten Front in Westeuropa, was Stalin als mangelndes Engagement interpretierte. Auf der anderen Seite argwöhnten die Westmächte, dass Stalin die Kriegssituation nutzen wollte, um Osteuropa langfristig unter sowjetischen Einfluss zu bringen. Diese Differenzen legten den Grundstein für den späteren Kalten Krieg.

Die USA: Kriegseintritt nach Pearl Harbor

Die Vereinigten Staaten blieben lange Zeit offiziell neutral, obwohl die Sympathien der Regierung Roosevelt klar auf der Seite der Alliierten lagen. Durch das Leih- und Pachtgesetz (Lend-Lease Act) vom März 1941 unterstützten die USA Großbritannien und später auch die Sowjetunion mit enormen Mengen an Kriegsmaterial: Waffen, Munition, Fahrzeuge, Nahrungsmittel und Rohstoffe. Der Gesamtwert dieser Lieferungen belief sich auf rund 50 Milliarden US-Dollar - eine immense Summe.

Der Angriff Japans auf den amerikanischen Marinestützpunkt Pearl Harbor auf Hawaii am 7. Dezember 1941 veränderte alles. Dieser Überraschungsangriff, bei dem 2.403 Amerikaner starben und ein Großteil der Pazifikflotte zerstört oder beschädigt wurde, trieb die zuvor gespaltene amerikanische Öffentlichkeit schlagartig in den Krieg. Am folgenden Tag erklärten die USA Japan den Krieg, wenige Tage danach erklärten Deutschland und Italien den USA den Krieg, was umgehend erwidert wurde.

Die industrielle und militärische Macht der USA war für den alliierten Sieg von kaum zu überschätzendem Wert. Amerika verwandelte sich in das "Arsenal der Demokratie", wie Roosevelt es nannte. Amerikanische Fabriken produzierten in unglaublichem Tempo Flugzeuge, Schiffe, Panzer und Waffen. Amerikanische Soldaten kämpften sowohl im Pazifik gegen Japan als auch in Nordafrika, Italien und Westeuropa gegen die Achsenmächte. Die Versorgungslinien durch den Atlantik, gegen die Deutschland U-Boot-Kriege führte, sicherten zudem den Nachschub für Großbritannien.

Weitere bedeutende Alliierte

Neben den drei dominanten Mächten USA, Großbritannien und Sowjetunion gab es eine Reihe weiterer wichtiger Alliierter, die erhebliche Beiträge zur alliierten Kriegsanstrengung leisteten.

China

China kämpfte bereits seit 1937 gegen die japanische Aggression und wurde spätestens nach Pearl Harbor formal als Alliierter anerkannt. Das Nationalchina unter Generalissimo Chiang Kai-shek band erhebliche japanische Streitkräfte auf dem asiatischen Kontinent und hinderte Japan daran, diese Truppen anderswo einzusetzen. Präsident Roosevelt sah China als zukünftige Großmacht in Ostasien und setzte sich für eine chinesische Mitgliedschaft im Sicherheitsrat der zu gründenden Vereinten Nationen ein. China litt enorm unter dem Krieg: Zwischen 1937 und 1945 starben schätzungsweise 15 bis 20 Millionen Chinesen durch Kriegshandlungen, Hunger und Krankheiten.

Freies Frankreich und Exilregierungen

Neben den Freien Französischen Streitkräften unter General de Gaulle kämpften zahlreiche Exilregierungen weiter. Polen stellte trotz der vollständigen Besetzung des Landes eine der größten alliierten Exilarmeen. Polnische Piloten kämpften in der Luftschlacht um England, polnische Truppen spielten eine wichtige Rolle in Nordafrika (El Alamein) und Westeuropa, und polnische Fallschirmjäger nahmen an der Luftlandeoperation bei Arnhem teil. Auch Norwegen, die Niederlande, Belgien, Griechenland und Jugoslawien hatten Exilregierungen, die den Widerstand koordinierten und Truppen stellten.

Weitere Nationen

Brasilien war das einzige lateinamerikanische Land, das reguläre Bodentruppen nach Europa entsandte: Das Brasilianische Expeditionskorps kämpfte 1944/45 in Italien. Mexiko entsandte ein Jagdfliegergeschwader, das im Pazifik in den Philippinen eingesetzt wurde. Im Verlauf des Krieges traten auch viele kleinere Staaten dem Bündnis bei, oft erst kurz vor Kriegsende, um bei den Gründungsverhandlungen der Vereinten Nationen dabei zu sein. Die Konferenz von San Francisco, auf der im April 1945 die UNO-Charta ausgehandelt wurde, war nur für Staaten offen, die bis zum 1. März 1945 den Achsenmächten den Krieg erklärt hatten.

Die Konferenzen der Großen Drei

Die wichtigsten strategischen Entscheidungen der Alliierten trafen Roosevelt (USA), Churchill (Großbritannien) und Stalin (Sowjetunion), die als "Großen Drei" bekannt wurden, auf mehreren Gipfelkonferenzen. Diese Treffen zeigten sowohl die Stärke als auch die Grenzen der alliierten Zusammenarbeit.

Auf der Konferenz von Teheran (28. November bis 1. Dezember 1943) beschlossen die Großen Drei zum ersten Mal gemeinsam die strategischen Hauptlinien: Die Westmächte sagten eine Invasion in Frankreich für das Frühjahr 1944 zu. Im Gegenzug versprach Stalin, nach dem Sieg über Deutschland die Sowjetunion auch gegen Japan einzusetzen. Diese Absprachen wurden weitgehend eingehalten und trugen entscheidend zur Niederlage beider Achsenmächte bei.

Die Konferenz von Jalta (4. bis 11. Februar 1945) legte die Grundzüge der Nachkriegsordnung fest, während Deutschland bereits in der Defensive war. Die Aufteilung Europas in Einflusssphären, die Besatzungszonen für Deutschland, die Zusammensetzung des polnischen Nachkriegsstaates und die Modalitäten für die Gründung der UNO wurden hier entschieden. Roosevelt, gesundheitlich bereits geschwächt, starb wenige Wochen nach Jalta. Rückblickend wurde die Jalta-Konferenz oft kritisiert, weil Stalin später viele Zusagen über freie Wahlen in Osteuropa nicht einhalten sollte.

Auf der Potsdamer Konferenz (17. Juli bis 2. August 1945) regelten die Alliierten nach der deutschen Kapitulation die endgültige Besatzungspolitik. Großbritannien wurde zwischenzeitlich von Attlee vertreten, der Churchill nach dessen Wahlniederlage ablöste. Deutschland wurde in vier Besatzungszonen aufgeteilt und die Vertreibung der Deutschen aus Polen und der Tschechoslowakei gebilligt. Auf dieser Konferenz wurde auch das Ultimatum an Japan vorbereitet, das kurz darauf mit dem Abwurf der Atombombe auf Hiroshima und Nagasaki beantwortet wurde.

Die Bedeutung des alliierten Bündnisses

Das alliierte Bündnis war keine homogene Gemeinschaft, sondern eine pragmatische Zweckkoalition gegen einen gemeinsamen Feind. Trotz politischer Differenzen, unterschiedlicher Kriegsziele und erheblichem gegenseitigen Misstrauen gelang es den Alliierten, ihre militärischen Operationen ausreichend zu koordinieren, um die Achsenmächte zu besiegen. Demokratien und kommunistische Diktatur fanden sich - aus der Not geboren - auf derselben Seite.

Entscheidend für den alliierten Sieg waren mehrere Faktoren: die wirtschaftliche Überlegenheit, besonders die amerikanische Rüstungsproduktion; die schiere Truppenstärke, vor allem der Sowjetunion; die strategische Luftüberlegenheit, die gegen Kriegsende erlangt wurde; sowie die Koordination der Angriffe aus verschiedenen Richtungen, die Deutschland und Japan an mehreren Fronten gleichzeitig unter Druck setzten. Kein einzelner alliierter Staat hätte Deutschland und Japan allein besiegen können - erst das Zusammenwirken der Koalition machte den Sieg möglich.

Das alliierte Bündnis legte nach dem Krieg auch den Grundstein für neue internationale Institutionen. Aus der Deklaration der Vereinten Nationen entstanden die Vereinten Nationen (UNO), die bis heute bestehen. Die Atlantikcharta wurde zur ideologischen Grundlage für Menschenrechte und internationale Zusammenarbeit. Die Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs beeinflussten auch die Gründung der NATO und die europäische Integration, die verhindern sollten, dass Europa jemals wieder in einen derartigen Krieg zurückfiel.

Häufig gestellte Fragen

Welche Länder gehörten zu den wichtigsten Alliierten im Zweiten Weltkrieg?

Die bedeutendsten Alliierten waren die USA, Großbritannien mit dem British Empire und die Sowjetunion. Diese drei Großmächte, oft als "Großen Drei" bezeichnet, trugen den Hauptteil der Kriegslast. Auch China unter Chiang Kai-shek und das Freie Frankreich unter de Gaulle spielten eine wichtige Rolle. Insgesamt umfasste das alliierte Bündnis am Ende des Krieges mehr als 50 Staaten, von Kanada und Australien über Brasilien bis hin zu kleineren europäischen Nationen.

Wann traten die USA den Alliierten bei?

Die USA traten dem Krieg formal nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 bei. Am 8. Dezember erklärten sie Japan den Krieg. Nachdem Deutschland und Italien am 11. Dezember 1941 den USA den Krieg erklärt hatten, erklärten die USA umgehend auch diesen beiden Ländern den Krieg. Zuvor hatten die USA die Alliierten bereits durch das Leih- und Pachtgesetz mit enormen Mengen an Kriegsmaterial unterstützt.

War Frankreich von Anfang an ein Alliierter?

Frankreich erklärte Deutschland 1939 gemeinsam mit Großbritannien den Krieg, wurde aber im Juni 1940 militärisch besiegt und besetzt. Das Vichy-Regime kollaborierte danach mit Deutschland. Die Freien Französischen Streitkräfte unter General de Gaulle kämpften jedoch von Großbritannien aus weiter und wurden als legitime alliierte Kraft anerkannt. Nach der Befreiung Frankreichs 1944 wurde Frankreich wieder als vollwertiger Alliierter angesehen und erhielt einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat der UNO.

Wie viele Länder gehörten insgesamt zu den Alliierten?

Am Ende des Krieges gehörten über 50 Staaten zum alliierten Lager. Die Deklaration der Vereinten Nationen wurde am 1. Januar 1942 zunächst von 26 Regierungen unterzeichnet, im Verlauf des Krieges traten weitere Staaten bei. Viele kleinere Nationen erklärten Deutschland erst kurz vor Kriegsende den Krieg, um an den Gründungsverhandlungen der UNO und den Friedenskonferenzen teilnehmen zu können.

Was war die Atlantikcharta?

Die Atlantikcharta war eine gemeinsame Erklärung von US-Präsident Roosevelt und dem britischen Premierminister Churchill vom August 1941, also noch vor dem offiziellen Kriegseintritt der USA. Sie formulierte Grundsätze für eine Nachkriegsordnung: das Selbstbestimmungsrecht der Völker, freier Welthandel, internationale Zusammenarbeit und kollektive Sicherheit. Die Atlantikcharta bildete die ideologische Grundlage für das alliierte Bündnis und direkt für die Gründung der Vereinten Nationen.

Warum kämpfte die Sowjetunion auf der Seite der Alliierten?

Die Sowjetunion war durch den Hitler-Stalin-Pakt von 1939 zunächst neutral und teilte sogar Polen mit Deutschland auf. Erst als Hitler mit dem Unternehmen Barbarossa am 22. Juni 1941 die Sowjetunion ohne Vorwarnung angriff, wurde das Land zum Alliierten. Es handelte sich nicht um eine freiwillige ideologische Entscheidung, sondern um eine erzwungene Reaktion auf den deutschen Überfall. Die Sowjetunion trug mit geschätzten 27 Millionen Toten die schwersten Verluste aller Kriegsteilnehmer und spielte beim Sieg über Deutschland die militärisch wichtigste Rolle.

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