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Zigaretten-Inhaltsstoffe: Was wirklich drin steckt

Veröffentlicht 31. Oktober 2024 Aktualisiert 13. Juni 2026

Welche Stoffe stecken in Zigaretten drin?

Eine Zigarette erscheint simpel – getrockneter Tabak, ein Papier, ein Filter. Doch schon bevor das erste Streichholz gezündet wird, enthält ein handelsüblicher Glimmstängel bis zu 600 verschiedene Zusatzstoffe. Beim Verbrennen entstehen daraus mehr als 7.000 chemische Verbindungen, von denen mindestens 70 als krebserregend eingestuft sind. Ein Überblick, was Zigaretten tatsächlich enthalten – und was beim Rauchen in die Lunge gelangt.

Welche Stoffe stecken in Zigaretten drin?

Grundaufbau: Tabak, Papier und Filter

Der Kern jeder Zigarette besteht aus geschnittenem, getrocknetem und fermentiertem Tabak. Für kommerzielle Produkte werden verschiedene Tabakmischungen verwendet, unter anderem Virginia-Tabak, Burley-Tabak und orientalische Sorten. Das Zigarettenpapier enthält selbst Chemikalien, darunter Kaliumcitrat oder Kaliumnitrat, die die Abbrandgeschwindigkeit regulieren. Der Filter – meist aus Celluloseacetat – reduziert zwar einen Teil der festen Partikel, hält jedoch gasförmige Schadstoffe kaum zurück.

Die rund 600 Zusatzstoffe der Hersteller

Tabakkonzerne setzen dem Rohtabak eine Vielzahl von Stoffen zu. Diese Zusatzstoffe dienen unterschiedlichen Zwecken: Sie sollen den Geschmack verbessern, die Haltbarkeit verlängern, den Rauch milder machen oder die Wirkung des Nikotins verstärken.

  • Zucker und Kakao – machen den Rauch weicher und maskieren den bitteren Tabakgeschmack; bei der Verbrennung entstehen daraus krebserregende Substanzen wie Acetaldehyd und Formaldehyd.
  • Ammoniak – erhöht den pH-Wert des Rauchs, wodurch Nikotin schneller durch die Schleimhäute ins Blut gelangt und die Suchtentwicklung beschleunigt wird.
  • Menthol – wirkt betäubend auf Hustenrezeptoren, erleichtert das Inhalieren und verschleiert das Reizgefühl in den Atemwegen. Trotz EU-weitem Verbot mentholaromatisierter Zigaretten seit 2020 enthalten viele Produkte nach wie vor natürliche Mentholvorstufen.
  • Glycerin und Propylenglykol – Feuchthaltemittel, die das Tabak-Austrocknen verhindern und die Verbrennungseigenschaften beeinflussen.
  • Lakritz und Süßholzwurzel – verbessern Aroma und Feuchtigkeit.
  • Levulinic Acid – erhöht die Bindungsaffinität des Nikotins an Rezeptoren im Gehirn.

Gemäß der EU-Tabakprodukterichtlinie 2014/40/EU sind Hersteller und Importeure verpflichtet, alle Inhaltsstoffe im EU-CEG-Portal zu melden. Diese Transparenzpflicht gilt seit der Umsetzung in deutsches Recht (Tabakerzeugnisverordnung) und soll Verbrauchern sowie Behörden einen vollständigen Überblick über die verwendeten Substanzen ermöglichen.

Schadstoffe im Tabakrauch

Wenn Tabak verbrennt, verändert sich die chemische Zusammensetzung grundlegend. Die ursprünglichen Zusatzstoffe reagieren miteinander und mit dem Tabak selbst und erzeugen ein komplexes Gemisch aus Partikeln und Gasen – den Tabakrauch.

Krebserregende Substanzen (Kanzerogene)

  • Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) – entstehen bei unvollständiger Verbrennung organischen Materials; Benzo[a]pyren gilt als besonders gefährlich und schädigt die DNA direkt.
  • Nitrosamine (tabakspezifisch) – NNK und NNN sind starke Karzinogene, die beim Pökeln und Fermentieren des Tabaks entstehen.
  • Benzol – ein bekanntes Karzinogen, das Leukämie verursachen kann.
  • Formaldehyd – reizend und krebserregend, klassifiziert als Gruppe-1-Karzinogen der IARC.
  • Arsen, Cadmium, Chrom (VI) und Nickel – Schwermetalle, die sich im Tabakblatt anreichern und beim Rauchen inhaliert werden.
  • Polonium-210 – ein radioaktives Element, das natürlicherweise im Tabak vorkommt und Alphastrahlung abgibt.
  • Acetaldehyd – entsteht aus Zucker; verstärkt zusätzlich die Suchtentwicklung von Nikotin.

Giftige Gase und Reizsubstanzen

  • Kohlenmonoxid (CO) – bindet etwa 200-mal stärker an Hämoglobin als Sauerstoff; Raucher haben dauerhaft erhöhte CO-Konzentrationen im Blut, was die Sauerstoffversorgung von Organen und Geweben beeinträchtigt.
  • Blausäure (Cyanwasserstoff) – hemmt die zelluläre Atmung und schädigt die Flimmerhärchen in der Lunge, die normalerweise Fremdkörper abtransportieren.
  • Acrolein – ein hochreizender Stoff, der die Schleimhäute der Atemwege schädigt und als mögliches Karzinogen gilt.
  • Stickoxide (NOₓ) – fördern Entzündungsreaktionen in den Atemwegen und begünstigen Asthma sowie chronische Bronchitis.
  • Ammoniak – reizend und in höheren Konzentrationen ätzend.
  • Dioxine und Furane – entstehen in Spuren bei der Verbrennung chlorhaltiger Verbindungen im Tabakpapier.

Nikotin – das Suchtmittel

Nikotin ist das psychoaktiv wirksame Alkaloid der Tabakpflanze (Nicotiana tabacum). Eine Zigarette enthält je nach Sorte zwischen 6 und 28 Milligramm Nikotin; beim Rauchen werden davon etwa 1 bis 3 Milligramm tatsächlich aufgenommen. Nikotin stimuliert nikotinische Acetylcholinrezeptoren im Gehirn und bewirkt die Ausschüttung von Dopamin – dies erzeugt das typische Wohlgefühl und führt zur physischen Abhängigkeit. An sich ist Nikotin zwar nicht primär krebserregend, gilt aber als Haupttreiber der Tabakabhängigkeit, die Millionen Menschen am Aufhören hindert.

Teer – der Sammelbegriff für Partikel

Der Begriff Teer bezeichnet keine einzelne Substanz, sondern die Summe aller festen und flüssigen Partikel im Tabakrauch – abzüglich Nikotin und Wasser. In diesem braunen, klebrigen Gemisch konzentrieren sich viele der oben genannten Karzinogene. Teer lagert sich in den Bronchien und Lungenbläschen ab, beeinträchtigt die Reinigungsfunktion der Lunge und ist ein Hauptfaktor bei der Entstehung von Lungenkrebs und COPD. EU-weit gilt ein Höchstwert von 10 Milligramm Teer pro Zigarette.

Haupt- und Nebenstromrauch

Der Rauch, den ein Raucher inhaliert, wird als Hauptstromrauch bezeichnet. Der Nebenstromrauch – der zwischen den Zügen vom glimmenden Ende der Zigarette aufsteigt – enthält zum Teil höhere Konzentrationen bestimmter Schadstoffe als der gefilterte Hauptstromrauch. Das erklärt, warum Passivrauchen ebenfalls mit erhöhten Krebsrisiken verbunden ist und warum Nichtraucher in verrauchten Räumen ähnliche Schadstoffbelastungen aufweisen können wie leichte Raucher.

Regulierung und Transparenz in der EU (Stand 2026)

Die EU-Tabakprodukterichtlinie (TPD, 2014/40/EU) und ihre nationale Umsetzung über die Tabakerzeugnisverordnung schreiben seit 2016 detaillierte Meldepflichten vor. Alle Inhalt- und Zusatzstoffe müssen im EU-CEG-Portal gemeldet werden. Verboten sind in der EU unter anderem:

  • Aromatisierte Zigaretten mit charakteristischem Aroma (inkl. Menthol seit 2020)
  • Slim- und Superslim-Zigaretten mit bestimmten Geschmacksstoffen
  • Zusatzstoffe, die den Eindruck eines gesundheitlichen Nutzens erwecken

Die Europäische Kommission arbeitet an einer Überarbeitung der Richtlinie (Revision der TPD), um auch neuartige Erzeugnisse wie Tabakerhitzer und synthetische Nikotinprodukte einheitlicher zu regulieren. Eine endgültige neue Fassung war Stand 2026 noch nicht in Kraft getreten.

Häufig gestellte Fragen

Wie viele chemische Verbindungen enthält Zigarettenrauch?

Im Tabakrauch wurden mehr als 7.000 chemische Verbindungen nachgewiesen. Mindestens 70 davon gelten als krebserregend, darunter polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, tabakspezifische Nitrosamine, Benzol, Formaldehyd und verschiedene Schwermetalle.

Was ist Teer in Zigaretten?

Teer ist kein einzelner Stoff, sondern die Gesamtheit aller festen und flüssigen Partikel im Tabakrauch (ohne Nikotin und Wasser). Dieses klebrige Gemisch enthält viele Karzinogene und lagert sich in der Lunge ab. Der EU-Höchstwert beträgt 10 mg Teer pro Zigarette.

Warum machen Zigaretten süchtig?

Hauptverantwortlich ist das Alkaloid Nikotin. Es stimuliert Dopaminausschüttung im Gehirn und führt so zu positiven Empfindungen. Durch gezielte Zusatzstoffe wie Ammoniak (beschleunigt die Nikotinaufnahme) und Acetaldehyd (verstärkt die Suchtbindung) wird die Abhängigkeit von Herstellerseite aus noch verstärkt.

Sind die Inhaltsstoffe von Zigaretten öffentlich zugänglich?

Ja. Seit Umsetzung der EU-Tabakprodukterichtlinie (2014/40/EU) sind Hersteller und Importeure verpflichtet, alle Inhalt- und Zusatzstoffe im EU-CEG-Portal zu melden. Die gemeldeten Daten werden von den zuständigen Behörden geprüft und teilweise veröffentlicht.

Enthält eine Zigarette radioaktive Stoffe?

Ja. Tabakblätter enthalten natürlich vorkommendes Polonium-210, ein radioaktives Element. Es gelangt durch das Rauchen in die Atemwege und gibt dort Alphastrahlung ab, was als einer der Faktoren gilt, der das Lungenkrebsrisiko bei Rauchern erhöht.

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