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Das erste Parlament Englands: Geschichte und Name

Veröffentlicht 5. Juli 2025 Aktualisiert 15. Juni 2026

Was hieß das erste Parlament in England?

Die Frage, wie das erste Parlament Englands hieß, lässt sich nicht mit einem einzigen Namen beantworten – denn die parlamentarische Tradition Englands entwickelte sich über Jahrhunderte. Je nach Definition gilt entweder das angelsächsische Witenagemot, das Parlament Simon de Montforts von 1265 oder das sogenannte Model Parliament von 1295 als der eigentliche Beginn. Alle drei Versammlungen markieren entscheidende Stufen auf dem Weg zum modernen Parlament.

Was hieß das erste Parlament in England?

Der angelsächsische Vorläufer: Das Witenagemot

Lange vor der normannischen Eroberung Englands im Jahr 1066 existierte eine institutionalisierte Form der Beratung zwischen König und Hochadel. Die angelsächsischen Könige regierten mit Hilfe des Witenagemot – einem Begriff, der sich aus dem Altenglischen ableitet und so viel bedeutet wie Versammlung der Weisen (witena gemōt). Die frühesten urkundlichen Belege reichen bis etwa ins Jahr 600 n. Chr. zurück, in die Regierungszeit König Æthelberts von Kent.

Das Witenagemot bestand aus Bischöfen, Äbten, Adligen (Ealdormen und Thegns) sowie dem König selbst. Es beriet bei Gesetzgebung, Rechtsprechung, Landübertragungen und außenpolitischen Fragen. Darüber hinaus hatte es das Recht, einen neuen König aus dem Herrschergeschlecht zu wählen oder zu bestätigen. Ein echtes Repräsentativorgan der breiten Bevölkerung war das Witenagemot jedoch nicht – es handelte sich um eine Versammlung gesellschaftlicher Eliten.

Mit der Eroberung durch Wilhelm den Eroberer 1066 endete das Witenagemot. Die Normannen ersetzten es durch einen kleineren, ständigen Beraterkreis. Bei wichtigen Anlässen – insbesondere wenn es um Steuern ging – rief der König jedoch weiterhin einen größeren Adels- und Kirchenrat zusammen: den sogenannten Großen Rat (lateinisch: Magnum Concilium).

Die Magna Carta von 1215 und der Weg zum Parlament

Ein Schlüsseldokument auf dem Weg zum Parlament ist die Magna Carta, die König Johann Ohneland am 15. Juni 1215 bei Runnymede unterzeichnen musste. Die rebellierenden Barone erzwangen darin grundlegende Rechte – darunter das Prinzip, dass der König keine Steuern ohne den „gemeinsamen Rat" des Königreichs erheben dürfe.

Besonders bedeutsam waren die Klauseln 12 und 14: Klausel 12 verankerte das Zustimmungsrecht zu Steuern, Klausel 14 regelte, dass der König Bischöfe, Äbte, Grafen und Barone zusammenrufen müsse, um ihre Zustimmung einzuholen. Damit wurde erstmals schriftlich festgelegt, dass Regieren nicht allein königliche Willkür war, sondern der Beratung bedurfte.

Das Wort Parliament – abgeleitet vom französischen parlement (Gespräch, Beratung) – taucht erstmals um 1236 als reguläre Bezeichnung für Sitzungen des Großen Rats auf. Die Bezeichnung setzte sich in den folgenden Jahrzehnten durch, doch die Zusammensetzung dieser Versammlungen war noch weit von einem repräsentativen Parlament entfernt.

Simon de Montforts Parlament von 1265

Als erstes wirklich repräsentatives Parlament Englands gilt gemeinhin jenes, das Simon de Montfort, Earl of Leicester, im Januar 1265 einberief. De Montfort hatte König Heinrich III. in der Zweiten Baronenkrieg in der Schlacht von Lewes 1264 gefangen genommen und regierte nun faktisch in dessen Namen.

Das Entscheidende an diesem Parlament war seine Zusammensetzung: De Montfort lud nicht nur 23 Hochadlige und mehr als 120 Bischöfe und Äbte ein, sondern auch zwei Ritter aus jedem Grafschaftsbezirk sowie zwei Bürger aus jeder bedeutenden Stadt und vier Vertreter der Cinque Ports. Damit saßen erstmals Vertreter der städtischen Bürgerschaft gemeinsam mit Klerus und Adel an einem Tisch, um Fragen von nationalem Interesse zu besprechen – nicht bloß Steuern zu bewilligen.

Dieses Parlament, das von Januar bis März 1265 in Westminster tagte, gilt als Keimzelle des späteren House of Commons. Simon de Montfort wurde ermordet, noch bevor er die Früchte seiner politischen Reformen ernten konnte – er fiel in der Schlacht von Evesham am 4. August 1265. Dennoch war der Präzedenzfall geschaffen: Auch Bürger außerhalb der Aristokratie sollten künftig an politischen Entscheidungen beteiligt sein.

Das Model Parliament von 1295 unter Eduard I.

Während De Montforts Parlament oft als erster Schritt gilt, sehen viele Historiker das Model Parliament von 1295 als das eigentliche erste vollständige englische Parlament an. König Eduard I. berief diese Versammlung hauptsächlich ein, um die finanziellen Mittel für seine Feldzüge gegen Frankreich und Wales zu sichern.

Der Begriff Model Parliament wurde nicht von Eduard selbst geprägt – er stammt vom Historiker William Stubbs (1825–1901), der diese Versammlung im 19. Jahrhundert als Vorbild (engl. model) für alle späteren Parlamente bezeichnete. Die Zusammensetzung war tatsächlich vorbildlich repräsentativ:

  • Sieben Earls und 42 Barone
  • Bischöfe, Äbte und andere hohe Geistliche
  • Zwei Ritter aus jedem Grafschaftsbezirk
  • Zwei Bürger aus jeder Stadt
  • Zwei Burgess-Vertreter aus jedem Marktflecken

Das Leitprinzip dieser Versammlung war das lateinische Motto „Quod omnes tangit, ab omnibus approbetur" – Was alle betrifft, soll von allen gebilligt werden. Dieser Grundsatz wurde zum Fundament parlamentarischer Demokratie.

Welches Parlament gilt als das „erste"?

Die Frage nach dem „ersten" Parlament hängt stark von der Definition ab:

  • Älteste Beratungsversammlung: Das Witenagemot (ab ca. 600 n. Chr.)
  • Erste Verwendung des Wortes „Parliament": 1236, für Sitzungen des Großen Rates
  • Erstes repräsentatives Parlament mit Bürgerbeteiligung: Simon de Montforts Parlament, Januar 1265
  • Erstes vollständig strukturiertes Repräsentativparlament: Das Model Parliament unter Eduard I., 1295

In der britischen Parlamentsgeschichtsschreibung wird heute meist 1265 als symbolisches Gründungsjahr des englischen Parlaments angesehen – und Simon de Montfort als sein geistiger Vater. Das britische Unterhaus feierte 2015 das 750-jährige Jubiläum der Parlamentsgründung mit einer Reihe von Gedenkveranstaltungen. Für die institutionelle Reife und das strukturelle Vorbild steht dagegen das Model Parliament von 1295.

Häufig gestellte Fragen

Wie hieß das erste Parlament in England?

Je nach Definition: Das angelsächsische Witenagemot gilt als älteste Beratungsversammlung (ab ca. 600 n. Chr.). Das erste repräsentative Parlament, das auch Stadtbürger einschloss, wurde 1265 von Simon de Montfort einberufen und hatte noch keinen eigenen Namen. Das sogenannte Model Parliament (Musterparlament) von 1295 unter König Eduard I. gilt als erstes vollständig strukturiertes englisches Parlament.

Was bedeutet „Model Parliament"?

Der Begriff Model Parliament stammt vom englischen Historiker William Stubbs (1825–1901) und bezeichnet das Parlament von 1295 unter König Eduard I. Er nannte es „Modell", weil seine breite Repräsentation aus Adel, Klerus, Grafschaftsrittern und Stadtbürgern zum Vorbild für alle späteren Parlamente wurde.

Wer gilt als Gründer des englischen Parlaments?

Simon de Montfort, Earl of Leicester, wird oft als Gründer des englischen Parlaments bezeichnet. Er berief 1265 erstmals eine Versammlung ein, an der neben Adel und Klerus auch gewählte Vertreter der Städte und Grafschaften teilnahmen – was als Ursprung des späteren House of Commons gilt.

Was war das Witenagemot?

Das Witenagemot (altenglisch für „Versammlung der Weisen") war der königliche Beratungsrat im angelsächsischen England vom 7. bis zum 11. Jahrhundert. Es bestand aus Bischöfen, Adligen und dem König und beriet in Fragen der Gesetzgebung, Steuern und Außenpolitik. Es gilt als früher institutioneller Vorläufer des englischen Parlaments, war jedoch kein Repräsentativorgan des Volkes.

Wann wurde das Wort „Parlament" in England erstmals verwendet?

Das Wort „Parliament" – abgeleitet vom französischen parlement (Gespräch, Beratung) – wurde in England erstmals um 1236 als feste Bezeichnung für Sitzungen des königlichen Großen Rates verwendet.

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