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Schottische Unabhängigkeitskriege: England gegen Schottland

Veröffentlicht 19. Dezember 2024 Aktualisiert 15. Juni 2026

Wie hieß der Krieg zwischen England und Schottland?

Die bewaffneten Konflikte zwischen England und Schottland im Mittelalter werden heute unter dem Begriff Schottische Unabhängigkeitskriege zusammengefasst. Sie erstreckten sich mit Unterbrechungen von 1296 bis 1357 und prägten die Geschichte beider Nationen nachhaltig. Hinzu kamen im 17. Jahrhundert die sogenannten Bischofskriege (1639–1640), die erneut zum offenen militärischen Konflikt zwischen der englischen Krone und Schottland führten. Die Schlachten dieser Epoche, darunter die legendäre Schlacht von Bannockburn, sowie Figuren wie William Wallace und Robert the Bruce gehören bis heute zum kulturellen Gedächtnis Schottlands.

Wie hieß der Krieg zwischen England und Schottland?

Vorgeschichte: Wie es zum Krieg kam

Der unmittelbare Auslöser für den ersten großen Krieg war eine Erbfolgekrise. Als die schottische Thronerbin Margarete von Norwegen 1290 auf der Überfahrt nach Schottland starb, hinterließ sie ein Machtvakuum. Mehr als ein Dutzend Adliger beanspruchten den schottischen Thron. Um einen Bürgerkrieg zu vermeiden, baten die schottischen Barone den englischen König Eduard I. als Schiedsrichter. 1292 entschied er zugunsten von John Balliol, bestand jedoch darauf, die englische Oberhoheit über Schottland beizubehalten.

Balliol weigerte sich schließlich, die Forderungen Eduards zu erfüllen, darunter militärische Unterstützung für englische Kriege in Frankreich. Eduard reagierte 1296 mit einem Einmarsch in Schottland, besiegte die schottischen Truppen rasch und ließ den symbolischen Krönungsstein, den Stein von Scone, nach England bringen. Damit begann der erste der Schottischen Unabhängigkeitskriege.

Erster Schottischer Unabhängigkeitskrieg (1296–1328)

William Wallace und der frühe Widerstand

Trotz der englischen Besatzung organisierte sich schottischer Widerstand. Im Mai 1297 trat William Wallace in Erscheinung, als er den englischen Sheriff von Lanark tötete. Gemeinsam mit Andrew de Moray schlug er im September 1297 in der Schlacht von Stirling Bridge ein englisch Heer vernichtend — ein militärisches Meisterwerk, da die Schotten die Brücke nutzten, um das englische Heer aufzuteilen und einzeln zu vernichten. Wallace wurde daraufhin zum Guardian of Scotland ernannt.

Doch sein Aufstieg war von kurzer Dauer. Im Juli 1298 besiegte Eduard I. in der Schlacht von Falkirk das schottische Heer, indem er englische Bogenschützen wirkungsvoll einsetzte. Wallace floh und führte einen Guerillakrieg fort. Im August 1305 wurde er schließlich verraten, in der Nähe von Glasgow gefangen genommen und nach London gebracht. Dort ließ Eduard I. ihn als Hochverräter hängen, aufschlitzen und vierteln — eine Hinrichtung, die ihn zum nationalen Märtyrer machte.

Robert the Bruce und der Sieg bei Bannockburn

Die entscheidende Wende kam durch Robert the Bruce. 1306 ließ er sich zum König von Schottland krönen, nachdem er seinen Rivalen John Comyn in der Greyfriars-Kirche zu Dumfries getötet hatte. Nach einer Phase der Verfolgung baute er seine Macht systematisch aus und führte einen zermürbenden Guerillakrieg gegen die englische Besatzung.

Den bedeutendsten Sieg errang er am 23. und 24. Juni 1314 in der Schlacht von Bannockburn. Ein zahlenmäßig weit überlegenes englisches Heer unter König Eduard II. versuchte, die belagerte Burg Stirling zu entsetzen. Robert the Bruce stellte sein Heer auf sumpfigem Gelände auf, das die englische Kavallerie in ihrer Bewegung stark behinderte. Die schottischen Speerigler (Schiltron-Formationen) hielten stand, und das englische Heer erlitt eine vernichtende Niederlage. Eduard II. entkam nur knapp. Bannockburn gilt bis heute als Symbol schottischen Widerstandswillens.

Es folgten Jahre schottischer Gegenangriffe tief in den englischen Norden. Schließlich zwang Robert the Bruce die englische Krone, am 1. Mai 1328 den Vertrag von Edinburgh-Northampton zu unterzeichnen. Darin erkannte England die vollständige Unabhängigkeit Schottlands an und bestätigte Robert the Bruce als rechtmäßigen König.

Zweiter Schottischer Unabhängigkeitskrieg (1332–1357)

Nur vier Jahre nach dem Friedensschluss entflammte der Konflikt erneut. Eine Gruppe englischer Adliger, die sogenannten Enterbten, die durch den Vertrag von 1328 Ländereien in Schottland verloren hatten, fielen 1332 mit englischer Duldung in Schottland ein. Sie unterstützten Edward Balliol, Sohn des früheren Königs, der kurzzeitig den schottischen Thron besetzte.

König Eduard III. von England nutzte die Lage und marschierte 1333 selbst nach Schottland ein. Der schottische König David II., noch ein Kind, musste nach Frankreich fliehen und lebte dort fast ein Jahrzehnt im Exil. Als David II. 1346 in die englischen Nordgebiete einfiel, um das mit Schottland verbündete Frankreich zu entlasten, wurde er in der Schlacht von Neville's Cross gefangen genommen und blieb elf Jahre lang in englischer Haft.

Erst der Vertrag von Berwick 1357 brachte eine endgültige Regelung: David II. wurde gegen ein hohes Lösegeld freigelassen. Obwohl kein formaler Friedensvertrag, gilt dieses Abkommen als faktisches Ende der Schottischen Unabhängigkeitskriege.

Die Bischofskriege (1639–1640)

Rund drei Jahrhunderte später kam es erneut zum bewaffneten Konflikt. König Karl I. versuchte, dem schottischen Presbyterianismus anglikanische Kirchenstrukturen aufzuzwingen, darunter die Einführung eines neuen Gebetsbuchs nach englischem Muster. In Schottland löste dies breiten Widerstand aus; 1638 schworen Tausende in Edinburgh den National Covenant, die schottische Kirchenfreiheit zu verteidigen.

Im Ersten Bischofskrieg (1639) führte Karl I. ein Heer von rund 20.000 Mann zur schottischen Grenze. Doch beim Aufeinandertreffen mit der gut organisierten schottischen Armee unter General Alexander Leslie bei Berwick wollte keine Seite den ersten Schuss abfeuern. Man einigte sich auf einen Waffenstillstand ohne wirkliche Entscheidung. Im Zweiten Bischofskrieg (1640) drangen schottische Truppen sogar bis nach Nordengland vor und besetzten Newcastle. Karl I. war nicht imstande, sie zurückzudrängen, und musste erstmals seit Jahren das englische Parlament einberufen, um Kriegsgelder zu beschaffen — ein Schritt, der direkt in den Englischen Bürgerkrieg (1642–1651) mündete.

Bedeutung und Nachwirkung

Die Schottischen Unabhängigkeitskriege sicherten Schottland mehr als drei Jahrhunderte staatliche Eigenständigkeit, bis 1707 der Act of Union England und Schottland zum Königreich Großbritannien vereinte — diesmal nicht durch Krieg, sondern durch Vertragsrecht. Die Erinnerung an Wallace und Robert the Bruce lebt in Schottland bis heute fort, nicht zuletzt durch den Film Braveheart (1995), der allerdings historisch mit erheblicher Freiheit umgeht. Die Schlachtfelder von Bannockburn und Stirling Bridge sind heute Gedenkstätten und beliebte Touristenziele.

Häufig gestellte Fragen

Wie hieß der Krieg zwischen England und Schottland?

Die Hauptkonflikte werden als Schottische Unabhängigkeitskriege bezeichnet. Sie umfassen den Ersten Schottischen Unabhängigkeitskrieg (1296–1328) und den Zweiten Schottischen Unabhängigkeitskrieg (1332–1357). Im 17. Jahrhundert folgten die sogenannten Bischofskriege (1639–1640).

Wer war William Wallace und welche Rolle spielte er?

William Wallace war ein schottischer Ritter und Anführer des frühen Widerstands gegen die englische Besatzung. Er gewann 1297 die Schlacht von Stirling Bridge, wurde 1298 bei Falkirk besiegt und 1305 von den Engländern hingerichtet. Er gilt als nationaler Held und Märtyrer Schottlands.

Was war die entscheidende Schlacht zwischen England und Schottland?

Die Schlacht von Bannockburn am 23./24. Juni 1314 gilt als die entscheidende Auseinandersetzung. Robert the Bruce besiegte das englische Heer unter Eduard II. trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit und sicherte damit de facto die schottische Unabhängigkeit.

Wann endete der Krieg und wie wurde Frieden geschlossen?

Der Erste Unabhängigkeitskrieg endete 1328 mit dem Vertrag von Edinburgh-Northampton, in dem England die schottische Unabhängigkeit anerkannte. Der Zweite Unabhängigkeitskrieg endete faktisch 1357 mit dem Vertrag von Berwick.

Ist Schottland heute noch Teil des Vereinigten Königreichs?

Ja. Seit dem Act of Union 1707 bilden England und Schottland gemeinsam Großbritannien. Die Frage schottischer Unabhängigkeit ist jedoch politisch lebendig: Ein Unabhängigkeitsreferendum fand 2014 statt (55 % für den Verbleib) und wird in der schottischen Politik weiterhin diskutiert.

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