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Innsbruck: Österreichs Hauptstadt der Glasmalerei

Veröffentlicht 20. Mai 2025 Aktualisiert 15. Juni 2026

Innsbruck (Innsbruck)
Innsbruck (Innsbruck) · Maximilian Dörrbecker (Chumwa) · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia

Wenn es um Glasmalerei in Österreich geht, sticht vor allem eine Stadt heraus: Innsbruck. Die Tiroler Landeshauptstadt beherbergt mit der Tiroler Glasmalerei und Mosaik Anstalt eine der ältesten noch aktiven Glasmalereiwerkstätten der Welt. Daneben hat auch die oberösterreichische Gemeinde Sandl im Mühlviertel internationale Anerkennung erlangt – für die traditionelle Hinterglasmalerei, die heute als UNESCO-Kulturerbe gilt. Und selbst Wien und Graz besitzen historische Zeugnisse dieses Handwerks, das bis ins Mittelalter zurückreicht.

Innsbruck – Heimat der berühmtesten Glasmalereiwerkstatt Österreichs

Die Tiroler Glasmalerei und Mosaik Anstalt in Innsbruck wurde im Jahr 1861 von Georg Mader, Josef von Stadl und Albert Neuhauser gegründet. Schon in den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens entwickelte sich der Betrieb zu einem international gefragten Atelier für Kirchenfenster und Mosaikarbeiten. Ab 1870 war die Müllerstraße der feste Standort – dort befindet sich die Werkstatt bis heute.

Unter der Leitung von Albert Jele (1874–1898) erlebte das Unternehmen einen rasanten Aufstieg: Filialen in Wien und sogar in New York wurden eröffnet. Um 1900 fusionierte die Glasmalereianlage mit der ersten Mosaikwerkstatt Österreichs, die Albert Neuhauser 1877 ebenfalls in Innsbruck gegründet hatte. Eines der prominentesten Ergebnisse dieser Zusammenarbeit ist der Mosaikfries im Wiener Parlamentsgebäude, ausgeführt zwischen 1900 und 1902 nach Entwürfen von Eduard Lebiedzki.

Heute sind Kirchenfenster und Mosaike aus der Innsbrucker Werkstatt in mehr als 4.000 Kirchen weltweit zu finden – von Europa bis Nordamerika. Das Unternehmen wird inzwischen in der fünften Generation geführt und gilt als eines der ältesten noch produzierenden Kunsthandwerksbetriebe in Westösterreich. Die enge Verbindung zur Stadt ist auch im Straßenbild sichtbar: Eine kurze Verbindungsgasse zwischen Müllerstraße und Maximilianstraße trägt den Namen Glasmalereistraße.

Kirchenfenster, Restaurierung und Denkmalschutz

Das Spektrum der Tiroler Glasmalerei umfasst heute sowohl die Neuanfertigung von Bleiglasfenstern nach individuellen Entwürfen als auch die Restaurierung historischer Kirchenfenster. Gerade im Bereich des Denkmalschutzes ist das Haus ein gefragter Partner für österreichische und internationale Institutionen. Bei denkmalgeschützten Fenstern gilt das Prinzip der minimalen Intervention: Eingriffe sollen langfristig wirken, ohne das Original zu verfälschen. Zu den Kooperationspartnern zählt das Bundesdenkmalamt (BDA), das die Restaurierwerkstätten für Glasmalerei in Österreich koordiniert.

Sandl – UNESCO-Kulturerbe der Hinterglasmalerei

Rund 200 Kilometer nordöstlich von Innsbruck, im oberösterreichischen Mühlviertel, liegt die Gemeinde Sandl. Sie ist zwar keine Stadt im eigentlichen Sinne, gilt aber als das österreichische Zentrum der Hinterglasmalerei – einer Technik, bei der Farben auf die Rückseite einer Glasplatte aufgetragen werden, sodass das Bild durch das Glas hindurch betrachtet wird.

Die Tradition kam um 1760 durch eingewanderte Glasspezialisten aus Nordböhmen in die Region. In den umliegenden Glashütten und heimischen Stuben entstanden Andachtsbilder, die auf Wallfahrtsmärkten und an Heiligtümern verkauft wurden. Charakteristisch für die Sandler Hinterglasbilder sind wenige, aber leuchtende Farben sowie die sogenannte Sandler Rose in den Bildecken als dekoratives Markenzeichen.

Im Jahr 2012 wurde die Hinterglasmalerei in Sandl offiziell in das nationale Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen. Diese Anerkennung hat dazu beigetragen, die Tradition lebendig zu halten: Das Hinterglasmuseum Sandl zeigt historische und zeitgenössische Werke, und lokale Malerinnen und Maler geben die Technik aktiv weiter – auch an Schulklassen der Region.

Wien und Graz – Historische Glasmalerei-Tradition

Auch in Wien reicht die Glasmalerei bis in das Mittelalter zurück. Als ältestes erhaltenes Zeugnis gilt das Mittelfenster des Chors der Ruprechtskirche (Ende 13. Jahrhundert). Besondere Bedeutung besaßen die Chorfenster des Stephansdoms aus der Mitte des 14. Jahrhunderts, von denen jedoch nur Bruchteile erhalten geblieben sind. Aus derselben Werkstätte stammen auch die Glasfenster der Kirche Maria am Gestade (um 1335). In der Neuzeit spielte die Wiener Firma Geyling, die bis heute besteht, eine führende Rolle in der österreichischen Glasmalerei.

In Graz sind die Glasfenster der Leechkirche aus dem frühen 14. Jahrhundert (um 1320/30) kunsthistorisch besonders wertvoll. Sie gehören zu den bedeutendsten mittelalterlichen Glasmalereien der Steiermark und sind gut erhalten.

Das Bundesdenkmalamt dokumentiert und katalogisiert den Bestand mittelalterlicher und neuzeitlicher Glasmalereien in ganz Österreich im Rahmen des internationalen Forschungsprojekts Corpus Vitrearum – ein langfristiges Vorhaben zur systematischen Erfassung des historischen Glaserbes.

Häufig gestellte Fragen

Welche Stadt in Österreich ist am bekanntesten für Glasmalerei?

Innsbruck gilt als die bekannteste österreichische Stadt für Glasmalerei. Dort ist die Tiroler Glasmalerei und Mosaik Anstalt ansässig, gegründet 1861 und heute noch aktiv – mit Werken in über 4.000 Kirchen weltweit.

Was ist die Tiroler Glasmalerei und Mosaik Anstalt?

Es handelt sich um eine 1861 in Innsbruck gegründete Werkstatt für Kirchenfenster und Mosaike, die zu den ältesten noch produzierenden Kunsthandwerksbetrieben Westösterreichs zählt. Sie wird in der fünften Generation geführt und ist international für Restaurierungs- und Neuanfertigungsarbeiten tätig.

Was ist die Hinterglasmalerei in Sandl?

Die Hinterglasmalerei ist eine Technik, bei der Farben auf die Rückseite einer Glasplatte aufgetragen werden. In der oberösterreichischen Gemeinde Sandl im Mühlviertel hat diese Tradition seit dem 18. Jahrhundert Wurzeln und ist seit 2012 als immaterielles UNESCO-Kulturerbe anerkannt.

Gibt es in Wien ebenfalls eine Glasmalerei-Tradition?

Ja. In Wien reicht die Glasmalerei bis ins 13. Jahrhundert zurück. Bedeutende historische Beispiele finden sich in der Ruprechtskirche und am Stephansdom. Die Wiener Firma Geyling führt diese Tradition bis in die Gegenwart weiter.

Wo kann man Hinterglasmalerei in Österreich besichtigen?

Im Hinterglasmuseum in Sandl (Oberösterreich) sind historische und zeitgenössische Werke der traditionellen Hinterglasmalerei ausgestellt. Das Museum dokumentiert auch die Technik und Geschichte dieser UNESCO-anerkannten Kunstform.

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